Wenn der Hund weint: Mein Küchenwolf, erratisch-paranoische Impressionen III

von Kusanowsky

Kinpo

Das ist unser Küchenwolf. Unterart: Postbotenkiller, Schleimscheißer und Opportunist.

Was ich interessant finde ist, wie dieses sozial geprägte Niedlichkeitsschema unabhängig von individuellem ästhetischen Emfpinden durch Bilder kommunizierbar ist.
Vor einiger Zeit war ich öfter mit dem Hund in Zügen und auf Bahnhöfen unterwegs. Überall sprachen mich die Leute entweder auf diesen Hund an oder, wenn sie sich etwas zurückhaltender verhielten, lachten sie einfach oder schmunzelten, spitzten die Lippen oder schnalzten mit der Zunge. Interessant war auch zu sehen, wie freigiebig die Leute ihm die Reste eines Brötchens hinwarfen.
Was mich beeindruckte war, wie in öffentlichen Räumen fremde Menschen mich allein des Hundes wegen freundlich ansprachen, ganz vorbehaltlos von sich erzählten. „Wir haben auch einen Hund“ – „Unser ist vor zwei Jahren gestorben“ – „Was für eine Rasse ist das?“ – „Na, du bist ja ein süßer“ … So ging das ständig. Ich empfand das gefühlsmäßig als enorm entlastend, ja schon das Lächeln fremder Leute, das freilich nicht mir gegolten hatte, steigerte meine Stimmung. Ich bemerkte, dass ich selbst nach mehreren Stunden Zugfahrt sehr gute Laune hatte.  So vielen fremden und freundlichen Menschen war ich sonst nie auf langen Zugfahrten begegnet.

Einmal saß ich spät abends wartend auf einen Anschlusszug in einem kleinen, einsamen Bahnhof. Andere Leute saßen eher trübsinnig in einer hufeisenförmig angeordneten Sitzgruppe und warteten ebenfalls. Weil der Hund Langweile hatte, fing er an, mich mit Sprüngen, Gehüpfe und Gebelle zur Beschäftigung aufzufordern … Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre als Zirkusdirektor groß raus gekommen, denn es zeigte sich, dass die Leute auch alle Langweile hatten. Als die ersten anfingen zu klatschen und zu johlen wurde es mir beinahe peinlich.

Aber im Ernst: es hatte mich tief berührt. Die Menschen sitzen vor Langweile dösend blödsinnig herum und nur das blödsinnige Verhalten eines Hundes, der gar nicht weiß was blödsinnig ist, kann für die Kommunikation Anlässe liefern, um eine soziale Beobachtungsstruktur aufzudecken. Woher sollen Menschen wissen was blödsinnig ist, bekämen sie es nicht auch manchmal nur deshalb mit sich selbst zu tun, wenn sie einen Hund beobachten.

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