Differentia

Kontrollüberschuss #skypemittwoch20h #podcast @frankstaudinger @jdierberg @mundauf

Am Mittwoch, den 8. Mai 2019 haben wir uns zum #skypemittwoch20h über Kontrolle und die gesellschaftliche Überproduktion von Kontrollzwängen unterhalten. Das Gespräch hat knapp 2 Stunden gedauert. Wer etwas Zeit hat, kann sich die Datei hier anhören und herunterladen. Beteiligt waren: @frankstaudinger @jdierberg @mundauf @kusanowsky

https://drive.google.com/open?id=1i0hFPMIcn7igHhygoaRHZBS_NWPrYEEn

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Warum gibt es Verschwörungstheorien? 4 @VictorOnrust

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Um die Frage, warum es Verschwörungstheorien gibt, zu beantworten, kann man verschiedene Wege beschreiten. Ein gängiger Weg, der viel Plausibilität hat, ist danach zu fragen, seit wann Verschwörungstheorien zirkulieren. Man wird dann feststellen, dass mit einem gesteigerten Output der Druckerpressen, also mit dem vermehrten Aufkommen der Zeitungen- und Zeitschriftenliteratur im 18. und frühen 19. Jahrhundert auch Verschwörungstheorien in Umlauf kamen. Man wird dann gewiss zu der Einsicht kommen, dass Verschwörungstheorien mit der Durchsetzung von Massenmedien zusammenhängen. Verschwörungstheorien sind eine Begleiterscheinung massenmedialer Kommunikation; eine Erscheinung, die, weil Massenmedien bis heute nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt haben, folglich genauso bedeutsam bleibt. Schon immer haben Verschwörungstheorien fasziniert, schon immer haben sie Abscheu und Ablehung erfahren, schon immer wurden sie bekämpft, nicht selten auch durch Verbreitung weiterer Verschwörungstheorien und schon immer wurden Versuche ermuntert, Aufklärung zu betreiben. Geändert hat sich eigentlich nur die Menge der Verschwörungstheorien, die Geschwindigkeit, mit der sie in Umlauf kommen, die Anzahl der engagierten Teilnehmer, die entweder über Verschwörungen oder über Verschwörungstheorien aufklären möchten und der gesteigerte fantastische Gehalt, mit dem behauptete Verschwörungszusammenhänge ausgestaltet werden, was z.B. auch dafür spricht, dass man den Unterschied zwischen ernsthaften und satirischen Versuchen in dieser Hinsicht nur schwer wird feststellen können.
Ich selber halte es gar nicht für abwegig, dass der Irrwitz von Verschwörungstheorien soweit gesteigert werden kann, dass bald die Kunde sich herumspricht, derzufolge die geheime Weltregierung nun wirksam Verschwörungstheorien bekämpft, indem sie immer mehr und immer blödsinnigere verbreitet. Und niemand wird ernsthaft behaupten können, dass es sich dabei nur um einen Spaß handelt. Denn man weiß ja nie, was dahinter steckt.

Wie dem auch sei. Massenmedien spielen in jedem Fall eine wichtige Rolle. Aber das erklärt nicht vollständig, warum Verschwörungstheorien plausibel erscheinen können. Denn Massenmedien haben den Vorteil, dass sie Distanz, also Kritik, ermöglichen, weil die Rezeptionssituation von Begegnung mit anderen Menschen und ihrer Anwesenheit abgesetzt ist. Die Beschäftigung mit Texten, Bildern, Filmen mag zwar sehr wohl eine manipulative Wirkung haben. Daran besteht gewiss kein Zweifel, aber auch Kritik, auch die Ermunterung zur Kritik, die Aufforderung, Zweifel zu haben und skeptisch zu sein gegen das, was man in der Zeitung liest und im Fernsehen sieht und hört, bedient sich keiner anderen Mittel der Manipulation wie wie Glaubhaftmachung irgendwelcher Behauptungen. „Jemand lügt wie gedruckt“ ist eine allzu häufig gedruckte Redewendung, die doch eher dafür spricht, dass Selbstwiderspruch, der in sozialen Zusammenhängen immer eine Rolle spielt, auch bei massenmedialer Kommunikation zwar wirksam auseinandergezogen, aber niemals vollständig inhibiert wird. Es muss also noch etwas geben, das die manipulativen Wirksamkeitsdefizite von Massenmedien kompensiert und das eine ähnliche massenhafte Wirkung entfaltet, die komplementär die Lücke ausfüllt, die Massenmedien zurück lassen.

Mir scheint, dass diese manipulativen Wirkungen, die nicht durch Massenmedien erbracht werden könne, in der Sozialisation liegen, die vor allem eine Sozialisation des Erlebens von Organisationen (bzw. Einschließungsmilieus) ist.

Fortsetzung folgt.

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