Differentia

Die Medieninnovation als Überfall 1 Unschärfe

Die erste bekannte Fotografie (Nicéphore Niépce 1826, retuschierte Fassung), Wikipedia

Am Anfang war die Unschärfe. Etwas genaues ist auf dieser Fotografie nicht zu erkennen. Wer auch immer vor 200 Jahren die Absicht hatte, ein bildgebendes Verfahren zu enwickeln, das nicht der Handwerkskunst der Malerei bedurfte, wollte keine Genauigkeit der Abbildung erreichen. Denn wäre es auf Genauigkeit angekommen, hätte es keinen Grund geben, die Fotografie zu erfinden.

Es ging nicht um Genauigkeit, sondern um das Verfahren und um die Spielerei, um das Experiment. Wer und warum auch immer wenig später eine Tagszeitung in großen Mengen drucken und auf der Straße verkaufen wollte, konnte nicht die Absicht haben, über die Welt zu informieren. Denn: worüber sollte berichtet werden? Was sollte man schreiben? Was sollte man zeigen? Die Annahme, es passiere doch genug, von dem man berichten könnte, kann getroffen werden, wenn es viele Tageszeitungen gibt. Wie also fängt man an? Ein guter Anfangsversuch war die Selbstreferenz der sogenannten Zeitungsente: eine sensationelle Geschichte erfinden, sie drucken und am nächsten Tag darüber berichten, wie sie rezipiert wurde. Beispiel: The Balloon-Hoax von Edgar Allan Poe. Auch hier ist die Ungenauigkeit der Informationssituation der initiierende Anfang. Und vor allem: die Berücksichtigung der Meta-Ebene. Erst danach konnte glernt werden. Dinge zu veranstalten, damit darüber in der Zeitung berichtet wird. Auch eine Zeitungsredaktion muss informiert werden. Sonst geht es nicht.

Die Unschärfe liefert die Anlässe, die Beschäftigung aufzunehmen und weiter zu treiben. Der Selbstbezug verhindert den Prozess nicht, sondern stößt ihn an. Selbstreferenz ist ein „Freiblocken“ der Kommunikation.

Sprache kann nicht mit Verständlichkeit beginnen, sondern wird wohl mit Geschrei und Gestammel angefangen haben, also mit Geschrei wegen des Geschreis.

Medieninnovationen sind idiotisch, sind eine Abwendung von der Kontinuität einer immer schon sinnhaft geprägten Welt und eine Zuwendung zum Abbruch und die Weiterbeschäftigung mit diesem Abbruch. Deshalb funktionieren Medieninnovationen als Überfall, der eine prekäre Unterscheidung durchsetzt: Weiter wie bisher? Oder anders als bekannt?

Am Anfang ist die Unschärfe und die Verfremdung, die Sabotage von Wiedererkennbarkeit.

(Fortsetzung folgt)

 

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Medienapokalypsen – Der Anfang ist nah. Call for Papers #cfp #mdnpklypsKLN @MediApokalypsen

„Es ist an der Zeit, einen Kreis zu bilden.“

 

In Köln ist bis Ende September 2018 noch die Ausstellung „Medienapokalypsen“ zu sehen.

Unter dem Motto „Der Anfang ist nah“ wird am 25. August ein Treffen in Köln stattfinden, um diese Ausstellung zu besuchen und um anschließend bei einer Zusammenkunft mit Vorträgen und Gesprächen diese Ausstellung zu kommentieren. Zu diesem Zweck gibt es einen Call for Papers. Gefragt sind Beiträge von etwa einer halben Stunde, die sich mit dem Thema der Ausstellung beschäftigen. Wie kann man die Auswirkungen von Medieninnovationenin der modernen Gesellschaft verfolgen und welche Erwartungen werden vor allem mit dem Aufkommen von social media relevant? Wer dazu etwas beitragen will, mag Vorschläge unter dem Hashtag #mdnpklypsKLN bei Twitter oder Facebook verbreiten. Ich werde dann die Vorschläge in eine Reihenfolge bringen und darüber informieren.

 


Ausstellungsort Medienapokalypsen:
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Universitätsstraße 33
50931 Köln

Vortragsort:
Hotel Ludwig
Brandenburger Str. 22
50668 Köln

Vorschlag Tagesablauf:
Ausstellungsbesuch: 11 Uhr
Gemeinsame Fahrt zum Vortragsort: 14 Uhr
Gemeinsames Mittagessen bei Ristorante Pizzeria Mangia e Vai, (in unmittelbarer Nähe des Vortragsortes): 14:30 Uhr

Vortrag im Hotel Ludwig: ab 16 bis 19 Uhr

Anfahrt Ausstellung Medienapokalypsen:
Stadtbahn Linie 9,
Haltestelle „Universität“

Anfahrt Tagungsort und Restaurant:
Fußläufig vom Hauptbahnhof/Dom erreichbar.
Nördlicher Ausgang des Hauptbahnhofes, Richtung Breslauer Platz.

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