Differentia

Faszination für Engagement. Vortrag über Faszinationsgemeinschaften @sms2sms @jdierberg

Bei dem Workshop „Gemeinschaftsformen der Moderne“ habe ich am 22. Juni 2016 einen Vortrag zum Thema: „Faszination für Engagement. Bürgerinitiativen als Faszinationsgemeinschaften“ gehalten. Das Redemanuskript findet man hier.

In dem kurzen Vortrag versuche ich zu zeigen, dass begründetes oder intentionales Handeln als nicht ausreicht, um zu erklären wie sozialer Sinn gestiftet wird. Allem Handeln und seiner Begründung geht die Faszination für die alltäglichen Informationsdefizite voraus, die sich aus der Rezpetion von Massenmedien ergeben.

 

Die Professionalitätsmagie der Kunst und ihre Hyperbolisierung 2 @BernardGollas @ideenfreiheit

zurück / Fortsetzung: Die moderne Gesellschaft ist, so könnte man sagen, eine gigantische Immunreaktion auf die Tatsache, das Kommunikation von Überzeugtheit deshalb zulässig ist, aber deshalb nur schwer gelingt, weil es keine Autorität gibt, in deren Namen ein Gehorsam gegen einen Zivilisationsstolz eingefordert und durchgesetzt werden kann. Soll ein Gehorsam gegen irgendeinen Zivilisationsstolz dennoch garantiert werden, dann nur gegen einen solchen, der so etwas gar nicht verlangt und welcher darum an das schwächste Glied in der Kette enorm hohe Erwartungen der zivilisatorischen Verlässlichkeit richten muss, die auf dem Wege der Kommunikation von Überzeugtheit zwar nicht garantiert werden können, ein Weg, der aber dennoch versucht werden muss.

Dass trotz allen Scheiterns der Erwartungen an Menschenwürde und Menschenrecht eine Erinnerung daran wieder und wieder aktualisiert werden kann, dass also der moderne Zivilisationsstolz duchhaltbar bleibt, liegt einerseits daran, dass er aufgrund seiner ständigen Enttäuschung erneuert wird. Er muss aber andererseits auch als realistisch erfüllbare Option in Erscheinung treten. Es reicht nicht, dass nur eine Utopie des Gelingens vor Augen geführt wird, damit trotz aller Enttäuschungen die Motivationsrate (K. Marx) nicht fällt. Auch kann diese Utopie nicht einfach nur als ferner oder fremder Wunsch in Erscheinung treten, und selbst, wenn sie den ganzen Alltag bebildert, reicht das zu seiner Durchhaltbarkeit nicht aus. Der Mythos muss, soviel Wunschträumerei damit auch immer verbunden sein mag, eine eigene Empirizität haben, der Mythos muss selbst normal sein und muss seine unbestreitbare Gültigkeit empirisch abrufbar machen. Das heißt, dass bunte Bilder der Massenmedien, plakatierte Straßenzüge und andere Arten von Propaganda völlig unzureichend wären, um den Mythos akzeptabel zu machen. Auch kann er sich nicht bloß als ein schöner Schein vorstellbar machen, als wünschenswerte Illusion, sondern er muss echt sein, er muss Erreichbarkeit nicht nur in Aussicht stellen, sondern muss authentisch zeigen können, dass sich eine solche Utopie verwirklichen kann. Es müssen geniale, kompetente, bewundernswerte, würdevolle Menschen in Erscheinung treten, von welchen man nicht einfach sagen kann, dass sie überhebliche Angeber oder einem illusionärem Spiel zum Opfer gefallen sind. Erwartungen an Menschenwürde und Menschenrecht müssen genügend oft erfüllt werden. Der Mythos muss eine ganz reale gesellschaftliche Realität haben und nicht nur eine, die man dafür halten kann.

Dass dies Gelingen kann, erfordert eine ganz seltene, aber sehr wirksame Form der Vergesellschaftung, die auf eine hoch leistungsfähige Struktur angewiesen ist, die es zuwege bringt, dass Menschen lernen können, den Zumutungen der Gesellschaft mit Resilienz zu begegnen. Diese Resilienz wird durch Professionalitätsmagie stimuliert, die ein Sonderfall transzendentaler Selbstbeeindruckung moderner Funktionssysteme ist.

Fortsetzung folgt.

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