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Tag: Massenmedien

Vorfahrtsregeln @konsumunddrang @neomagazin @BKasslatter

Irgendwann hört jeder Spaß mal auf. Auch der Satiriker versteht nicht jede Art von Humor. Das wäre zu viel verlangt.

Was ich an diesem „Krisenexperiment“, das in dieser Video-Studie vorgeführt wird, bemerkenswert finde ist, wie fahrlässig dieser Jan Böhmermann die Vorfahrtsregeln, die ja zunächst zu seinen Gunsten eingerichtet sind, missachtet. Die Art, wie er in dieser Geschichte auf die Frechheit reagiert, mit der er überfallen wird, zeigt, wie gering das professionelle Durchhaltevermögen ausgebildet ist. Sehr bemerkenswert finde ich seinen Belehrungsversuch. Er, Böhmermann, sei ein Profi; ein Profi müsse vorher wissen was er tut. Ein Profi macht nicht einfach drauf los, ein Profi bereitet sich vor usw. All das mag stimmen, aber darauf kommt es bei Satire nicht an. Es kommt bei Satire darauf an, ob’s witzig ist, nicht, ob’s professionell ist. Es kommt auch nicht darauf an, ob der Satiriker, der selbst zum Gespött gemacht wird, die Pointe findet oder nicht. Es kommt darauf an, dass das Publikum sie findet. Und gewiss gilt in diesem wie in jedem anderen Fall: die einen lachen, die anderen nicht. So ist das Geschäft, das der Amateure genauso wie das der Profis.
Das ist ähnlich wie im Sport. Der Sportler gewinnt nicht, weil er ein Profi ist, sondern weil er sich in der Konkurrenz durchsetzt. Gewiss steigert Professionalisierung die Gewinnchancen, aber garantiert sie nicht. Hier haben wir den interessanten Fall, dass der Profi seinen Zugvorteil gegenüber dem Amateuer ohne Grund preisgibt. Er verstößt gegen die Vorfahrtsregeln. Er verzichtet auf seinen Vorsprung und setzt sich dem Spott aus, der mit diesem Angriff gegen ihn gerichtet wird.  Es wird jetzt zurück gespottet; und eigentlich müsste der Amateuer das Nachsehen haben. In diesem Video sind nun aber zwei Amateure zu sehen. Das ist die Pointe dieses Überfalls. Der eine, ein unbekannter und bedeutungsloser Youtube-Nutzer, der andere ein Zwangsgebührenfinanzierter Clown, der auf einmal wie ein kleiner Trottel wirkt. Das ganze Spektakel wirkt wie ein peinlich-kindliches Gerangel von zwei inkompetenten Wichtigtuern. Es handelt sich hierbei um ein Beispiel der  Re-Amateurisierung eines aussichtslosen Spiels. Der Amateur gewinnt.

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(14) Massenmedien bis (18) Vertragshandeln

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(14) Das meiste, was wir über Massenmedien wissen, wissen wir aus gedruckten Büchern. Organisationen lehren uns das Stöhnen und Massenmedien das Staunen. Massenmedien sind eine Einrichtung, um Kommunikation zu erschweren, was den Vorteil hat, die Gewöhnlichkeit des Alltags zu unterbrechen. Massenmedien sorgen für mehr Unglaubwürdigkeit, weshalb, sollten dennoch Glaubwürdigkeiten entstehen, vermehrte Anstrengungen unternommen werden müssen, welche ihrerseits einen großen Überfluss produzieren. Massenmedien sind eine unverzichtbare Erschwerungsinstitution, die statthafte Manipulationen unter Verdacht stellen und damit Irrtumskommunikation (32) betreiben. Massenmedien steigern soziale Verdächtigungsgewalt, Beispiel: Antisemitismus. Massenmedien steigern außerdem Erwartungen auf Inklusion (esoterische Exkludierung) und bilden in ihrer operativen Verschränkung mit Einschließungsmilieus eine Matrix aus, die eine imperiale Funktion für die Gesamtintegration der Gesellschaft ausübt.

(15) Eine imperiale Funktion löst das Problem der Integrierbarkeit von Nichtintegrierbarem. Die moderne Welt ist nicht aus einem Guss. Sie ist ein sozio-ökologisches Gefüge aus Bruchstücken, Ruinen, Irrläufern und Kompost. Und trotzdem funktioniert sie sehr zuverässig.

(16) Einschließungsmilieus erzeugen Organisations- und Kontrollzwänge und machen aus modernen Menschen Einschließungsnomaden, die von Einschließungsmilieu zu Einschließungsmilieu wandern um sich überall um Lebenssicherheit zu bewerben.

(17) Esoterische Exkludierung führt zu Bildung von Öffentlichkeit (33), die dann erst als Problem entsteht, wenn alle Inklusion immer nur Teilinklusion von Eingeweihten ist. Die räumliche Verbreitung von ähnlichen Einschließungsmilieus macht Motoren und Publizität erforderlich.

(18) Die Kontingenz von Vertragshandeln, dessen Handlungskontingenz mit der Unterscheidung von Rechten/Pflichten oder Leistung/Gegenleistung erkennbar wird, wird durch Organisationen verdeckt und durch Publizität und Öffentlichkeit aufgedeckt – Manipulationsverdacht.


 

Das Einschließungsmilieu: Wenn es für jede Verrichtung eine Vorrichtung gibt, dann kennt ein Einschließungsmilieu nur Wände, Mauern, Zäune, Hindernisse, Behinderungen und Verhinderungen.

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