Differentia

Tag: Datenschutz

Vortrag: Vom Adressbüro zur Suchmaschine #kzu

Hier findet man den Link zum Redemanuskript eines Vortrags, den ich am 16.09.20119 im Bamberg bei dieser Tagung gehalten habe.

Es geht in diesem Vortrag um das Thema Kommunikation zwischen Unbekannten. Anlass für die Themenwahl war, dass es in der Wissenschaft zulässig geworden ist, Maschinen und Büros zu verwechseln (1) und zu behaupten, dass es „Suchmaschinen“ seit dem frühen 17. Jahrhunderts gibt. Das stimmt natürlich nicht. Aber es kann sein, dass solche Feinheiten in der Wissenschaft keine Rolle mehr spielen.


(1) So bei Tantner, Anton: Die ersten Suchmaschinen. Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs. Berlin 2014. Mir kam beim Nachdenken über diese Art des Verwechselns die Idee, ob man Dinosaurierer mit Ungeheuern verwechseln könnte um dann zu behaupten, Dinosaurierer und ihre Erforschung gibt es seit der Antike.

Gibt es ein Medium für #kzu? 8 #Problem und #Lösung @sms2sms @hackr

zurück / Fortsetzung: Man wird sicher sagen können, dass in Sachen Datenschutz einfache Lösungen nicht zu formulieren und nicht so leicht zu finden sind. Dieser Einschätzung würde jeder Datenschützer gewiss zustimmen. Aber kaum ein Datenschützer wird mir in der Einschätzung zustimmen, dass nicht einmal das Problem, um dessen Lösung er sich bemüht, so einfach erklärbar ist. Das Problem, möchte ich sagen, ist zum allergrößten Teil noch gar nicht in Erfahrung gebracht worden.

Es mag ein Problem bekannt sein, aber ist es deshalb auch schon erkannt? Kann es vielleicht sein, dass gegenwärtig immer noch sehr ungenau erkannt wird, worum es geht, wenn es um Datenschutz geht? Denn: wenn die Lösung schwer zu finden ist, dann kann das für das Problem genauso gelten. Warum sollte die Lösung unwahrscheinlicher sein als das Problem? Warum sollte das Problem einfach erkennbar und verstehbar sein, aber nicht die Lösung? Warum sollte es eines beträchtlichen Aufwands bedürfen, um eine Lösung durchzusetzen, aber nur einen Bruchteil des selben, um das Problem zu benennen? Und schließlich: wie kann es sein, dass eine gesellschaftlich marginale Berufsgruppe von Datenschutzexperten die Freiheit genießt festzulegen, was für den allergrößten Teil der Bevölkerung von Bedeutung zu sein hat und welche gleichzeitig außerstande ist, gegen den Willen einer Mehrheit, für deren Interesse sie sich angeblich engagiert, ihre normativen Vorgaben durchzusetzen. Datenschützer scheinen Anwälte ohne Mandanten zu sein, was sie nicht daran hindert, einen Professionsstolz auszubilden und damit eine entsprechende Professionalitätsmagie zu kultivieren.

Da all diese seltsamen Zusammenhänge schon seit längerer Zeit zu einer tagtäglichen Normalität gehören, kann man so etwas nicht einfach als defizitäre Einrichtungen einer verworrenen Welt abtun. Das heißt, dass das Geschäft von Datenschutzexperten einen gewissen gesellschaftlichen Sinn hat, der sich allerdings nicht aus der Selbstbeschreibung dieser Profession ableiten lässt. Denn gemäß dieser Selbstbeschreibung ist Datenschutz eine ziemlich wichtige Sache, welche, gemessen an ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit, von höchst schwächlicher Gestalt ist. Und man darf sich fragen, wie es sein kann, dass eine so wichtige Angelegenheit so marginal wirksam ist. Dies einfach nur auf interessenorientierte Machtverhältnisse zuzurechnen oder auf einen inkompetenten Staat und eine unaufgeklärte Bevölkerung, ist ein sehr einfaches und durchschaubares Manöver, weil es Datenschutz zu einer Machtfrage macht und welches nur innerhalb der Selbstbeschreibung von Datenschutzexperten überzeugen kann. Mit diesem Manöver kann sich der Berufsstand nur von sich selbst beeindruckt zeigen. Alle anderen haben stattdessen eher einen Grund sich zu wundern.

Nein, Datenschutz hat einen gesellschaftlichen Sinn, der allerdings wenig mit dem zu tun hat, den Datenschutzer ihm geben wollen. Der Hund liegt woanders begraben.
Fortsetzung folgt

%d Bloggern gefällt das: