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Tag: Internet

Trolle füttern und digitale Demenz vermeiden

Dieses Video ist die Aufzeichnung des Vortrags “Der Troll als Ordnungshüter”, den ich am 18. Mai 2015 in Bonn beim Webmontag gehalten habe.

 

kurze Zusammenfassung des Vortrags: bei der Internetrollerei handelt es sich um einen Schwarmüberfall von unerwünschten Meinungen, die genauso überflüssig sind wie die fortwährende Beschwerde über diese Trollerei. Dieser Überfluss steht im Zusammenhang mit der Funktion des Internets im Ganzen, das außer der Trollerei auch noch viele andere, scheinbar pathologische Phänomene hervorbringt, die genauso überflüssig sind. Das hängt damit zusammen, dass das Internet im ganzen überflüssig ist. Gerade darin besteht das innovative Potenzial des Internets, weil das Internet und seine Auswirkungen durch die “AGBs der Gesellschaft” nicht gedeckt sind.

Das ganze Redemanuskript findet man hier. Zum selben Thema hatte ich bereits einen Vortrag bei der Webcon14 in Aachen gehalten, der allerdings etwas ausführlicher ausgefallen ist. Den Text dazu findet man hier.

Ist Wissenschaft ohne Bürokratie möglich?

Eine ernst gemeinte Frage: Wer braucht noch Professoren? Ist der Professor ein antiquiertes Konzept? Professoren sind hauptsächlich damit beschäftigt Verwaltungsarbeiten zu erledigen; und ein wichtiger Teil der Verwaltungsarbeit besteht in Routinen der Lehre, die zu einem großen Teil schon von Nachwuchswissenschaftlern in prekären Arbeitsverhältnissen geleistet wird. Auch sinken die Erwartungen ab, die sich an den Wert von akademischen Abschlüssen richten. Das Wort von den “Jodel-Diplomen” macht die Runde. Gemeint ist mit dieser Anspielung auf einen Sketch von Loriot die Einsicht, dass akademische Abschlüsse schon lange nicht mehr sehr gute Dokumente sind, die über Qualifikation Auskunft geben. Außerdem dürfte es niemanden überraschen, dass sich der Kostendruck auf die öffentlichen Haushalte auch in der Wissenschaft unvermindert bemerkbar macht.
Wenn nun sich abzeichnet, dass das Internet für Beruf und Alltag unverzichtbar ist, dann dürfte sich dies auch auswirken auf die Frage, wie Wissenschaft noch möglich ist, wenn ein bürokratischer Hindernislauf nicht mehr ausreicht, um von Qualifikationen überzeugen zu können. Will man diesen Gedanken ernst nehmen, so stellt sich die Frage, wie sich das auf die Organisation von Wissenschaft und auf die Bewertung von Ergebnissen auswirken kann. Gibt es Auswege und Alternativen für eine Wissenschaft, die auf einen gigantischen bürokratischen Apparat angewiesen ist? Dieser Frage möchte ich in einem Vortrag nachgehen.

Dieser Vorschlag für einen Vortrag wurde von der #rp15 abgelehnt. Die Gründe dafür spielen keine Rolle. Auswahlverfahren dieser Art funktionieren ob ihrer Opazität wie black boxes – die inneren Vorgänge sind komplett intransparent und man kann aufgrund der Ablehnung nichts darüber heraus finden, wie es dazu gekommen ist. Das gilt übrigens auch für den Fall der Annahme. Auch dann sind die Gründe nur schwer nachvollziehbar, aber in dem Fall will niemand gründerlicher über Gründe nachdenken, wofür es selbst wiederum keinen überzeugenden Grund gibt. Diese Opazität ist eine notwendige Folge von komplexen Organisationszusammenhängen, die ihre eigenen Zwänge erzeugen ohne erklären zu können und zu müssen, wie sie zustande kommen. So kommt man, wenn man dennoch nach irgendwelchen zuverlässigen Gründen fragen wollte, schnell zu der Vermutung, dass es sich um Ausreden handelt, weil sie ob der Spreizung ihrer Kontingenz nicht überzeugen können. Das gilt nicht nur für Unternehmen und Konzerne, sondern auch für die Organisation der Wissenschaftsbürokratie. Auch die Wissenschaftsbürokratie produziert eigentlich nur noch Zufallsergebnisse. Dass der Nachwuchs diesem Zufallgeschehen ausgesetzt ist, kann man daran erkennen, dass die Wissenschaft kein knowhow mehr produziert, um Erwartungen in Regelmäßigkeiten zu überführen. Erkennbar ist dies am Protestverhalten des Nachwuchses. Er protestiert, stattt zu erforschen wie Wissenschaft gelingen kann, wenn ihre Organisationsangelegenheiten immer undurchschauberer werden.
Wissenschaft hat keine beliebige Normalität, ist keineswegs eine abgeschlossene Schöpfung, sondern entsteht unter bestimmten Bedingungen auf eine bestimme Weise und ist auf solche Bedingungen angewiesen, die ihre Selbstanpassung garantieren. Dass alles auch ganz anders gehen könnte, wird niemand bestreiten, aber das versteht sich nicht von selbst. Man müsste etwas anderes machen können. Aber wie sollte das gehen?
Ganz andere Bedingungen, wie sie durch das Internet geliefert werden, müssen selbst wiederum erforscht werden, auch dann, wenn die Erfolge solcher Forschungen sehr fraglich sind. Die Wissenschaft beurteilt nicht nur ihre Ergebnisse, sondern muss immer auch die Bedingung ihrer Möglichkeit mit erforschen. Und das ist keineswegs einfach, weshalb es einleuchtet, sich die Sache etwas einfacher zu machen und den Weg des Protestes zu gehen. Alles, was komplizierter ist als Protestieren, ist nicht so leicht attraktiv zu machen, weil man schon vorher wissen wollte, wofür es sich lohnt, sich auf Komplikationen einzulassen. Da dies aber selbst erst erforscht werden müsste ist es allemal besser, sich auf Naivitäten zu verlassen.

Wenn nun dieser Vorschlag abgelehnt wurde und es dennoch Leute geben sollte, die daran Interesse haben, dann bitte ich um eine kurze Nachricht, entweder als Kommentar hier oder bei Twitter. In dem Fall überlege ich mir, ob ich diesen Vortrag trotzdem vorbereiten sollte, um ihn dann als live-stream zu senden. (Mein Internetzugang lässt es inzwischen zu, dass die Übertragung ruckelfrei und unverzerrt möglich ist.)

Sollte es keine Interessenten geben, dann heißt das, dass sich auf diese Weise ein überzeugender Grund für die Ablehnung findet. Eine andere Möglicheit kann aber auch sein, dass das Thema sehr wohl von Interesse ist, aber von jemand anders vorgetragen werden sollte. Damit wäre ich sehr einverstanden, aber fürchte, dass sich kaum jemand finden wird, der sich damit befassen wollte. Folglich hieße das, dass das Thema tatsächlich gänzlich gegenstandslos ist. Oder es dauert noch ein wenig, bis es an Relevanz gewinnt.

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