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Tag: Internet

Etwas Neues ist nichts Neues @professorbunsen

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Auszug aus: Warum Interneterklärer das Internet nicht erklären können 2 (unveröffentlicht)

Wenn man sich mit dem befasst, was manche Interneterklärer zur Innovation des Internets zu sagen haben, dann stellt man fest, dass das Internet offensichtlich eine uralte Angelegenheit sein muss, über die sehr viel bekannt ist und über die man Dinge sagen kann, die auch schon früher über andere Dinge gesagt wurden.
Das erste, was auffällt ist, dass Medieninnovationen in den letzten 200 Jahren sehr häufig vorgekommen sind, weshalb man annehmen kann, dass auch das Internet nur eine gewöhnliche Innovation ist, wie alle anderen auch. Ich zähle mal auf:
Einführung von Tageszeitungen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, ungefähr zeitgleich mit den ersten Fotografien. Dann: Die Erfindung der Telegraphie, dann die Erfindung des Telefons, der Schallplatte, des Kinematographen, des Radios, des Fernsehens, dann natürlich die Erfindung des Computers und in der Folge das Internet. Es fällt auf, dass Medieninnovationen eigentlich nichts Neues sind, sondern immer wieder vorkommen. Medieninnovationen, Einführungen  neuer medialer Technologien der Kommunikation sind schon lange bekannt.
Das zweite, was auffällt ist, dass jede Einführung einer neuen Technologie einen Beitrag lieferte zur Steigerung der gesellschaftlichen Komplexität. Denn mit jeder weiteren Innovation sind vorhergehende Innovationen gar nicht abgeschafft worden. Vielmehr bestand der Prozess in einer ständigen Erweiterung dessen, was es immer schon gab: Die Tageszeitung hatte die Monatszeitschrift oder das Buch nicht abgeschafft, die Fotografie hat die Malerei nicht ersetzt, die Telegraphie hat das Briefeschreiben nicht überflüssig gemacht, das Telefon hat die persönliche Begegnung nicht vermieden, das Kino hat nicht das Theater ersetzt, die Schallplatte hat nicht das Live-Konzert abgeschafft und so weiter.
Das selbe gilt nun auch für Internet: Das Internet schafft überhaupt nichts ab, sondern erweitert nur alles Bekannte und Bestehende. Das heißt: außer der Tatsache, dass nun das Internet hinzukommt, kann man gegenwärtig erst mal nicht so einfach erkennen, dass sich irgendetwas grundlegend ändert: Das Internet ist etwas Neues, was allerdings nichts Neues ist.

Interessant dazu: Standardsituationen der Technologiekritik von Kathrin Passig Was in diesem Artikel nicht verstehbar gemacht wird ist, dass die Nutzlosigkeit der Neuerung das entscheidende Merkmal für eine innovative Wirkung ist. Das erklärt, weshalb der Verdacht der Nutzlosigkeit Ablehnung hervorruft. Aber das ist nur eine Seite der Sache. Denn Nutzlosigkeit kann auch Akzeptanz hervorrufen. Beides – Akzeptanz und Ablehnung – sind Manöver der gesellschaftlichen Erfahrungsbildung. Medieninnovationen sind Lösungen für noch unbekannte Probleme und nicht etwa zweckrationale Mittel der Wahl zur Lösung bekannter, aber ungewählter Probleme. So hätten das die Märchenerzähler des Rationalismus gern, dass Technik ein Werkzeug sei. Tatsächlich ist Technik ein Spielzeug, das nicht Probleme löst, sondern Behinderung schafft, deren Überwindung zu Erfahrungsbildung beiträgt.

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Wir kochen Hagebuttenmarmelade Teil VI: Warum Interneterklärer nicht das Internet erklären können

Hier ist der 6. Teil von “Wir kochen Hagebuttenmarmelade”, ein Vortrag, den ich bei der metanook 2015 in Lübeck am 6. November gehalten haben. In diesem Vortrag geht es um den Nasrudin-Fehler der Interneterklärer. Weil es dazu nur eine Audio-Datei gibt, habe ich einige Illustrationen hineingeschnitten.

Das Redemanuskript findet man hier.

Den 5. Teil findet man hier.

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