Soziologie. Eine Ausführung ab Mitte Mai

von Kusanowsky

Ab Mitte Mai 2013 werde ich damit anfangen, eine Ausführung aus der Soziologie zu schreiben.  Einführungen zum Einstieg in die Soziologie gibt es massenweise, Ausführungen zum Ausstieg aus der Soziologie bislang nicht eine.

Ein solches Anliegen scheint zunächst kurios, aber streng genommen ist das nicht kurioser als das gegenteilige Anliegen. Warum soll es weniger kurios sein, dass ein bekannter Autor ihm unbekannte Leser dazu ermutigt, sich mit einem für sie unbekannten Fach zu befassen als dass ein unbekannter Autor versucht, ihm unbekannte Leser mit einer bekannten Sache unvertraut zu machen?
Beide Fälle sind logisch gesehen gleichmaßen seltsam, wenngleich natürlich der erste Fall aufgrund seiner häufigen Wiederholung eher überzeugt. Aber warum sollte dieser Fall in logischer Hinsicht überzeugender sein, nur weil diese Logik von den Verfassern von Einführungen in die Soziologie bislang völlig naiv als normal aufgefasst wird ohne dabei zu berücksichtigen, dass der Prozess des Vertraut- und Bekanntwerdens mit Sachverhalten, Themen, Problemen, Fachgebieten oder auch Personen und Autoren allein ein sozialer Prozess ist, den niemand einfach herstellen kann. Niemand kann so einfach weder sich selbst noch andere oder anderes bekannt und vertraut machen. Und das gilt auch für den umgekehrten Fall. Wollte man versuchen, sowohl sich selbst als auch ein Fachgebiet als unvertraut in Erscheinung treten zu lassen, dann dürfte man nicht so einfach jemanden finden, den das interessiert.

Umso beachtlicher ist deshalb, dass mein Tweet, in dem ich die Abfassung eines solchen Buches unter die Bedingung eines wenigstens anfänglich bemerkbaren Interesses stelle, innerhalb eines Tages über zwanzig RTs erhalten hat. Also: mindestens 20 verschiedene Twitter-Accounts, von denen die meisten mir völlig unbekannt sind, haben allein durch retweet, wenn schon kein Leseinteresse, so doch mindestens eine Aufmerksamkeitsbereitschaft bekundet. Das ist nicht sehr viel, aber mehr als sehr wenig.

Tatsächlich wird es in dem angekündigten Buch darum gehen, eine solche Problemstellung ernst zu nehmen. Soziolog/innen, sofern sie über die Universität zueinander finden, können es sich noch immer leisten, ihre Interessen, ihre Forschungen, ihre Diskussionen, ihre Schriften, ihre Regeln, ihre Routinen, ihre Karrieren, ihr ganzes Handeln und Verhalten als normal aufzufassen, gleich so als sei Soziologie vom lieben Gott geschenkt. Soziologie wird aber von der ganzen Gesellschaft gemacht und nicht etwa von ein paar hundert oder tausend Menschen. Denn wie sollten sie Soziologie machen, wenn Soziologie noch keiner kennt? Wenn aber Soziologie schon bekannt ist, warum werden dann jedes Jahr neue Versuche gestartet, mit Einführungen in die Soziologie etwas Bekanntes bekannt zu machen? Und dass sich Soziologie jedes oder jedes zweite Jahr so sehr verändern würde, dass ständig neue Einführungen geschrieben werden müssten, hat noch niemand behauptet und glaubt auch keiner. Und trotzdem werden, als wäre dies von Gott befohlen, in kurzen Zeitabständen immer wieder Einführungen in die Soziologie geschrieben. Hinzu kommt, dass jeder Versuch Bekanntes bekannt zu machen, immer sehr erfolgreich ist, was so betrachtet niemanden wundern kann. Nichts ist so einfach wie etwas Bekanntes bekannt zu machen.
So scheinen berufstätige Soziolog/innen hautsächlich damit befasst zu sein, Bekanntes bekannt zu geben oder bekannt zu machen. Und wer dieser Betrachtungsweise nicht zustimmen möchte, sollte mal erklären, was denn sowohl an Soziologie als in der Soziologie unbekannt wäre. Mir jedenfalls sind keinerlei Schriften bekannt, die etwas Unbekanntes bekannt machen. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, wie so etwas logisch gehen könnte.

Und nur weil diese Merkwürdigkeit nicht auffällt, fällt das Gegenteil als merkwürdig auf, obgleich das Gegenteil genauso drollig ist.

Aus diesem Grunde wird das Buch mit dem Satz beginnen: „Soziologie ist überflüssig geworden.“

Es geht dabei um den Versuch zu zeigen, dass Soziologie sehr merkwürdig ist und genauso seltsam wie die Gesellschaft, die so etwas ermöglicht. Der Weg des Zeigens und Erklärens kann darum nicht auf normalem Wege beschritten werden.

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