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Tag: Twitter

Eine Weltsprache – eine Fremdsprache für alle 6

zurück / Fortsetzung: Mit Twitter könnte es möglich werden, dass sich im Laufe von vielleicht hundert Jahren oder mehr eine Weltsprache entwickelt. Voraussetzung dafür ist eigentlich nur das Engagement von vielleicht einigen hundert weltweit verstreuten Twitternutzern, die Unbekannte per Twitter ansprechen und die sich auf gleiche Weise für Unbekannte ansprechen lassen. (Prinzip: Adresse ist Adresse). Eine Weltsprache entsteht dann nicht als vorgefasster Planungsentwurf, sondern spielerisch durch fortlaufendes Erfinden von Wörtern und Sätzen, inkl. einer Grammatik einfach dadurch, dass man Verwicklung in Kommunikation sucht und Sprachveränderung fortlaufend testet, also indem man schaut, ob andere entweder neue Wortschöpfungen übernehmen oder selbst irgendwelche Wortschöpfungen vorschlagen, die andere übernehmen. Einige hundert Twitternutzer, vielleicht sogar weniger, reichen dafür völlig aus. Jeder von ihnen fängt individuell an, ohne Kenntnis der gleichen Tätigkeit von anderen. Die Ausstattung wäre nur ein Twitteraccount, der einen speziellen Hashtag immer wieder verwendet, und ein Weblog zur regelmäßigen Veröffentlichung und Aktualisierung eines Wörterbuchs.

Ich selbst habe einen Abend lang mal so etwas versucht. Der Anfang ist denkbar einfach und es haben sich die ersten Kommunikationen ergeben, die wenigstens anfänglich eine Faszination für eine Art Kunstgesprache gezeigt haben. Natürlich braucht man dafür sehr viel Geduld. Denn es dauert viele Jahre bis man den Kreis der Beteiligten ausgedehnt hat. Aber das ist das Prinzip der Selbstorganisation: Die Handlungsmaxime ist: Versuchen und abwarten, was sich ergibt. Auf Überredung und Vereinbarung kann völlig verzichtet werden. Es ergibt sich von selbst oder gar nicht.

Leider bin ich nicht darüber informiert, ob einige damit schon angefangen haben, kann mir aber sehr wohl vorstellen, dass das Programm der Entwicklung einer Weltsprache bereits angelaufen ist.

Eine Weltsprache – eine Fremdsprache für alle 2

zurück / Fortsetzung: Esperanto ist eine gute Idee. Aber eine gute Idee ist kein ausreichender Grund, mit dem Sprechen anzufangen. Und sollte man es aus diesem Grund dennoch tun, ist alles, was man dann noch zu sagen hat, schnell gesagt. Will man aber trotzdem hartnäckig bleiben, wird man merken, wie voraussetzungsvoll ein jeder Sprachgebrauch ist; und man wird bemerken, dass Esperantosprechen nur ein Hobby für Wenige sein kann.

Damit könnte man die Idee einer Weltsprache, die für alle eine Fremdsprache ist, aufgeben, wenn die Akzeptanz einer guten Idee, wenn also Überzeugtheit eine entscheidende Voraussetzung für den Sprachgebrauch sein sollte. Oder man ist einfach zufrieden damit, eine Weltsprache als seltene Orchidee, die nur in einer Nische gedeiht, in den Kanon aller Sprachen aufzunehmen und man begnügt sich mit der genauso naiven wie weltfremden Gesinnung, etwas Gutes zu tun. Die einen essen kein Fleisch, die anderen keinen Fisch, die nächsten prügeln ihre Kinder nicht oder rauchen nicht, andere retten Flüchtlinge aus dem Mittelmeer und betreiben Mülltrennung; und andere, nun ja, sprechen Esperanto, um den Weltfrieden zu befördern. So hat jeder sein eigenes Jodeldiplom, und die Karawane zieht weiter, obwohl sie alle nur Gutes tun.

Aber vielleicht kann die Angelegenheit einer Weltsprache trotzdem zu einem interessanten Problem werden, nämlich dann, wenn geeignete Bedingungen entwickelt sind, die die Veränderung des Sprachgebrauchs und seine Anpassung an globale Kommunikabilität von Sprachlichkeit nahelegen. Eine wichtige Bedingung wäre,  dass die Verwicklung in Sprachgebrauch nicht Überzeugtheit zur Voraussetzung hat, sondern global verteilte und zeitlich nicht terminierte Adressabilität, die selbst keinen besonderen, festgelegten und bestimmten Grund hat.

Geeignet wäre daher ein Dispositiv, bei dem sich jeder überall für jeden zu jeder Zeit grundlos, nutzlos und zwecklos ansprechbar macht. Ich nenne dieses Dispositiv: Twitter. Twitter ermöglicht Kommunikation zwischen Unbekannten, die für einander auch dann gänzlich unbekannt bleiben können, wenn die Kommunikation erwartbar, erfolgreich und folgenreich abläuft.

Die Entwicklung einer Weltsprache wäre ein Problem, für das Twitterkommunikation eine geeignete Lösung wäre. Denn die Nutzung von Twitter ist reine Spinnerei, von der niemand überzeugt sein muss, damit sie gelingt.

Auf diese Weise kann auch eine Weltsprache entstehen.

Fortsetzung