Differentia

Tag: Rechtfertigung

(42) Formular bis (46) Rechtfertigung

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(42) Das Formular ist das Dokumentschema der modernen Wissensform. Das Formular verdeckt die magische Praxis der Professionalisierung. Professionalitätsmagie. Die Diskussionen um die Rationalität des Handelns finden in der Behandlung des Formulars ihren Ausgangspunkt.

(43) Durch die Renovation des Formulars – das ist die Ausdifferenzierung seiner Anwendbarkeit – wird der gesellschaftliche Vorgang der Innovation in seiner Beobachtbarkeit erschwert.

(44) Die Beobachtung von Zyklen der Innovation entspricht der permutierenden Referenzierung solcher Renovationspozesse.

(45) Tatsächlich vollziehen sich Innovationsprozesse aber innerhalb einer diskursiven Differenzierung (ordnende Ordnung), also in der Wildnis der Gesellschaft, welche in der funktionalen Differenzierung (geordnete Ordnung) ihren empirischen Niederschlag finden. Eine diskursive Ordnung hat eine zersetzende, zerrüttende, zerstörende Funktion. Deshalb ist Innovation zuerst Sabotage, Aufbrechen und Freilegen von geordneten Ordnungsmustern des Handelns. Sie ist Provokation von neuer, von nächster Ordnung.

(46) Sobald solche Provokationen selbstbezüglich operieren, kommt es zur Rechtfertigung entstandender Strukturen, weil die entstehende Struktur im Prozess ihres Entstehens durch den Prozess in ihrer Beobachtbarkeit verhindert, aber mindestens erschwert wird. Werden diese Erschwernisse selbst erschwert, wird Verhinderung verhindert, hat sich Veränderung (54) unwiderruflich durchgesetzt. Auf diese Unwideruflichkeit wird mit Rechtfertigung reagiert. Daher die moderne Professionalitätsmagie. Sie leistet Rechtfertigung geordneter Ordnung. Die Möglichkeit der Veränderung, aber die Notwendigkeit der Erfahrung ist der Flaschenhals der Evolution: Schmal, eng, stur und beinahe vollständig verstopft.

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Provokation und Rechtfertigung

Als Fortsetzung zu den Ausführungen zur Unterscheidung von Fundamental- und Radikaltheorien habe ich eine Sammlung von Kommentaren erstellt. Dabei handelt es sich um Kommentare, die ich hier im Blog in den letzten Jahren zum Verhältnis von Rechtfertigung und Provokation verfasst habe. Es ist nicht nötig, diese Texte zu zitieren. Denn wer sie nur zitieren will, hat sich damit nicht beschäftigt, wer sich aber damit beschäftigt, kann nicht mehr gut unterscheiden, was Original und was Plagiat ist. Das heißt, diese Texte sind zur Verfügung und damit zur Aneignung frei gestellt.

Die Sammlung hat einen Umfang von 24 Seiten A4 und findet sich hier als PDF und hier als Openoffice Datei.

Provokation und Rechtfertigung. Eine Sammlung von Notizen zum Verhältnis von Medium und Form (nach N. Luhmann).

Inhaltsübersicht

1. Masse und Subjekt
2. Internet als Dispositiv
3. Erklärungstheorien und Rechtfertigungstheorien
4. Provokation und Rechtfertigung von Ordnung
5. Trollerei ist Provokation von Ordnung
6. Anschlussfähigkeit und Erfahrung
7. Reflexion und Emergenz
8. Kunst und Antikunst
9. Metaphern
10. Das theoretische Problem der funktionalen Differenzierung
11. Die apokalyptische Funktion des Internets
12. Vertrauen im Menschenvermögen
13. Macht und Funktion
14. Debilität
15. Die drei Medienepochen bei Herder

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