Differentia

Tag: paranoische Fiktion

(38) Paradigma bis (41) paranoische Fiktion

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(38) Der Begriff Paradigma scheint mir in soziologischer Hinsicht ein Ausdruck für die jeweilige Differenzierungsform (49) einer Gesellschaft zu sein. Das Paradigma ist die Einheit von ordnender und geordneter Ordnung. Im Fall der modernen Gesellschaft: funktionale Differenzierung und diskursive Differenzierung; sozialorganische, also gesellschaftliche Aufteilung des Problems der Bestandserhaltung einerseits und Zerrüttung andererseits.

(39) Die Referenzierbarkeit von Sinngehalten stellt die Empirizität einer sozialen Form her. Im Fall der modernen Gesellschaft gelang die Referenzierung in der Dokumentform (50), die eine seltene, aber normale Behandlung von Fremdreferenz bereit stellt. Alles, was sich als empirisch erweisen soll, muss referenzierbar sein. Manipulation durch Dokumentgebrauch. Daher z.B. die Irritationen über Homöopathie. Sie beweist das Unbeweisbare, ohne die Routinen der Referenzierung außer Funktion zu setzen. Die Grenzen der Referenzierbarkeit von Sinn werden durch Devitationsstrukturen der Gesellschaft gesichert. Alles,was sich als nicht referenzierbar erweist, wird entweder referenzierbar gemacht oder marginalisiert, bagatellisiert, vernachlässigt, abgeschoben oder durch Nischenzuweisung behandelt. Die für die moderne Wissensform (51) beeindruckendste Operation ist sie Referenzierung auf den Sprecher, Schreiber, auf ein handelndes Subjekt, mit welcher auch noch die Dokumentform getestet und belastet wird. Bezeichnung eines Selbst, das sich als ein anderes darstellt.

(40) Die Handlungsform (52) dieser Operation stellt sich dar als Habitualisierung des Genies, in seiner Vollentfaltung als Trivialgenie unserer Tage.

(41) Die paranoische Fiktion des Genies wurde durch die evolutionäre Ausdifferenzierung seiner Handlungsform sozial standardisiert. Ergebnis ist die Person, bzw. transzendentale Subjektivität (E. Husserl).  Transzendentale Subjektivität meint die vollumfängliche Ansprechbarkeit der Person auf alles, was sie betreffen, verantworten, besorgen, erschaffen oder verhindern könnte, meint: einwandfreie Adressabilität.

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Neues vom Yeti – paranoische Fiktion und soziale Standardisierung, ein Beispiel @jdierberg @frachtschaden

Wer sich für ein Beispiel zu der Frage interessiert, was ich mit der Unterscheidung von paranoischer Fiktion und sozialer Standardisierung meine, mag gern diese Arte-Dokumentation über die Legende vom Yeti angucken. Mich fasziniert an der Dokumentation wie versucht wird, das Sprechen über diese Yeti-Legende zu ordnen, was deshalb so schwer ist, weil alle Versuche, eine Ordnung herzustellen, auf komplizierte Hindernisse treffen, die durch diese Versuche selbst erst hergestellt werden und die einerseits nicht einfach dazu führen, diese Legende als ein Märchen abzutun, die andererseits aber die Ordnungsfindung so stark erschweren, dass kaum ein Beweis als ausreichend erscheint, um die Existenz dieses Yetis bestätigen zu können. Es ist also weder so, dass es den Yeti gibt, noch ist es so, dass es ihn nicht gibt. Das Problem kann also nicht an irgendeiner anderweitigen „Realität“ liegen, sondern liegt im realen Prozess der sozialen Standardisierung, also im Prozess einer Ordnungsfindung selbst begründet.

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