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Tag: Optimierung

Internet: Optimierungslösung für bekannte Probleme

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Auszug aus: Warum Interneterklärer nicht das Internet erklären können 1

Tatsächlich kann man feststellen, dass das Internet gar keine Erfindung für ein bestimmtes, für ein spezifisches, für ein bekanntes Anliegen ist, also ein Anliegen, das nur mit Internet behandelt werden könnte. In der Hauptsache ist das Internet eine Optimierung zur Lösung von Problemen, zur Erledigung von Aufgaben oder zum Vollzug von Routinen, die alle lange bekannt sind.
Deshalb könnte man das Internet zum gegenwärtigen Zeitpunkt allenfalls als eine Optimierungslösung für bekannte Probleme beschreiben. … Aber mit dem Internet wird zugleich all das optimiert, was eigentlich keiner haben will: Verletzung von Kinder- und Jugendschutz, Verletzung von Datenschutz, Raubkopieren, Spionage, Whistleblowing, Trickbetrug, Stalking, Protest, Sabotage – also all das, was keiner braucht und keiner haben will, wird ebenfalls optimiert. Nehmen wir als besonderes Beispiel die Komplettüberwachung durch die NSA. Was hier passiert ist eine Optimierung dessen was auch ohne Internet möglich war: Überwachung, aber nicht so optimal.
Diese Optimierung ist die unverzichtbare Voraussetzung für alle gesellschaftliche Produktion geworden, denn auch das Raubkopieren, auch die Pädophilie, auch die Überwachung der Geheimdienste, auch die Cyberkriminalität – all das trägt zur gesellschaftlichen Produktion bei, auch dann, wenn es einem nicht gefallen möchte.
Das heißt nun aber nicht, dass die ineffiziente Produktion die Ursache für die Entwicklung des Internets ist. Vielmehr hat sich das Internet erst im Nachhinein, erst im Laufe eines Entwicklungsprozess von ungefähr 30 bis 40 Jahren, je nachdem wie man das datieren möchte, als eine solche Optimierungslösung herausgestellt. Denn die Optimierung kann erst dann funktionieren, wenn sie ihre Möglichkeit schon zur Voraussetzung hat. Es muss Internet schon geben, damit man es nutzen kann. Das klingt erst mal merkwürdig, aber tatsächlich ist es so: die Nutzung des Internets hat das Internet selbst zur entscheidenden Voraussetzung. Und das ist übrigens der Normalfall aller, tatsächlich aller technologischen und medialen Innovationen.

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Innovation: Optimierung der Störung

Der Troll als Ordnungshüter 2, Auszug:

„Wir haben es gegenwärtig mit einem großen Durcheinander zu tun, das dadurch zustande kommt, dass die AGBs der Gesellschaft nicht mehr auf gewohnte Weise funktionieren. … Niemand hat das Internet bestellt oder gekauft, niemand hat es gerufen oder geplant und organisiert. Das Internet ist überflüssig. Und gerade das ist das Besonderes daran. Gerade weil es überflüssig ist, kann es innovativ wirken. Denn es gibt keine besonderen Zwecke, zu deren Erreichung das Internet ein geeignetes Mittel wäre.
Denn alle Zwecke, die man mit dem Internet erreichen kann, sind nichts Besonderes, sondern waren schon bekannt, noch bevor das Internet in Gebrauch kam. Waren und Tickets kaufen, Geld überweisen, Texte, Bilder und Musik verbreiten, Filme aussuchen und anschauen, Leute kennen lernen, telefonieren, Briefe schreiben und Navigation. All das ist nichts besonderes, sondern wird durch das Internet nur optimiert. Optimierung heißt, dass all das vereinfacht, beschleunigt und kostengünstiger wird. Aber mit dieser Optimierung wurde zugleich auch alles andere optimiert, das wir durch Massenmedien immer schon kannten, nämlich auch die massenmediale Störkommunikation. Auch die wurde durch das Internet optimiert. Aber nicht nur die Störung, sondern auch das Informationschaos, die Produktion von Verwirrung und Durcheinander, die ganzen Widersprüche der Gesellschaft werden mit dem Internet ebenfalls optimiert.
Genau das wird auch auch festgestellt, wenn gesagt wird, dass diese Trolle nur Quatsch verbreiten. Ja, sie tun das, was Journalisten bisher schon immer getan haben, aber bislang nur suboptimal. Jetzt allerdings: super optimal, denn jetzt ist die Publizität nicht nur die Sache einer bestimmten Berufsgruppe von wenigen Publizisten. Jetzt ist jeder Mensch ein Publizist. Und es ist gerade diese Optimierungsleistung, die als Verstoß gegen die AGBs der Gesellschaft auffällt.
Niemand kann das verhindern und niemand kann garantieren, dass alles so bleibt wie es ist.“

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