Differentia

Tag: Neues

(30) Neues bis (34) Trivialität

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(30) Neues ist auch dann möglich, wenn es erwartet wird, kommt aber nur sehr unwahrscheinlich zustande. Ich unterscheide zwischen Renovation (43) und Innovation (44) Renovation ist Erneuerung von Bekanntem. Innovation ist Umänderung von Bekanntem in Unerkanntes. Metanoia. Technologische Erneuerungen der Moderne haben im zyklischen Durchlauf von Erneuerungsroutinen dazu beigetragen Humankompetenz zu steigern.

(32) (31 fehlt) Irrtumskommunikation strukturiert eine soziale Zersetzungsordnung, die sich diskursiv differenziert. Diskursive Differenzierung (45), Unterschied zwischen ordnender und geordneter Ordnung, Unterschied zwischen Provokation und Rechtfertigung (46) von Ordnung.

(33) Öffentlichkeit als gesellschaftliche Herausforderung (challenge and response [Arnold Toynbee] oder: Provokation und Rechtfertigung) ist mit Massenmedien entstanden und besteht aus diskursiv differenzierten Irrtumskommunikationen. Das Zersetzungsergebnis ist die Trivialisierung sozialer Formen, die ihrerseits ein neues Medium für neue Formen bilden.

(34) Trivialität. Die Auflösung sozial festgefügter Formen in ein formbares Medium ist ein gesellschaftlicher Trivialisierungsprozess. Beispiel: Wissenschaft und Kunst. Midas Code (47).

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Verständigungsrituale 1 #confirmationbias @TorstenGellrich @430_BC

Confirmation bias nennt man in der Kognitionspsychologie die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen bestätigen. Ob es sich dabei im engeren Sinne um einen Fehler handelt, der Bestätigung irrtümlicherweise herstellt – daher: Bestätigungsfehler – überlass ich denen, die über eine objektive Realität, die noch keiner objektiv gesehen hat, besser informiert sind als alle anderen.

In soziologischer Hinsicht würde ich confirmation bias als soziale Verständigungsrituale auffassen, die von Immunsystemen ausgebildet werden, um den Prozess der Herausbildung von Neuem so zu strukturieren, dass Neues als etwas Erinnertes anfällt, um auf diese Weise durch Wiedererkennbarkeit (Identifizierung) Anschlussfähigkeit von Neuem zu garantieren, das heißt: Neues also erst einmal zu verhindern. zu behindern, zu normalisieren, indem es zunächst nicht zur Kenntnis genommen wird. Der soziale Sinn von solchen Verständigungsritualen ist nicht nur, die Illusion über eine bekannte Realität zu sichern, sondern auch, das Ablegen solcher Realitätsillusionen provokativ zu empfehlen, indem durch Übertreibung die Unhaltbarkeit von solchen Versuchen darzeigt werden und wordurch sich schießlich Erwartungen auf Heteroclitizität herausbilden, die ihrerseits dazu beitragen, Neuem nicht länger mit fraglichen Gewissheiten zu begegnen, sondern mit Neugier.

Die oben gezeigte Karikatur illustriert ein solches Verständigungsritual, das Vergangenes aufgreift um an etwas zu erinnern, das bereits lange vergessen ist: Die ‚gute‘ Presse, Karikatur in der Zeitschrift „Leuchtthurm“ (1847).
Die Revolutionszeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts hat rein gar nichts mit den aktuellen Versuchen zu tun, Internetkommunikationen gesetzlich zu sanktionieren. Kaum jemand kennt die besondere Ausgangssituation jener Zeit, in der eine Neuformierung von staatlicher Legitimation bearbeitet wurde, weshalb mit einem solchen Verständigungsritual die Ausgangsituation des frühen 21. Jahrunderts kaum hinreichend erfasst wird.

Allein, ein solches Verständigungsritual ist eine kostengünstige Möglichkeit, eine Gewssheit über die Einschätzung der realen Sachlage an den Anfang zu setzen. Da ohnehin niemand genau weiß, was Sache ist – denn wer sollte das besser wissen können als alle anderen – kann man sich genauso gut darüber verständigen, dass schon gewusst wird, worum es geht, indem man in alten Schriften nachguckt, die darüber informieren, was sich erst neuerdings gezeigt hat.