Differentia

Tag: moderne Gesellschaft

Menschenliebe ist das Blutbild der Gesellschaft

Die politische Zoologie des modernen Humanismus beruht auf dem krankhaften Gedanken, dass Menschen einen Wert hätten. Von Werten kann man sprechen, wenn man von Maßstäben spricht und von Maßstäben nur, wenn Wertunterschiede erkennbar werden. Wer Menschen irgendeinen Wert zuordnet, kann nicht mehr verhindern, dass Wertunterschiede beobachtbar, kommunikabel und ordnungsfähig werden. Dass alle Menschen gleichwertig sind, kann dann sozial nicht mehr hergestellt werden und führt zu allen bekannten Erscheinungen von (Anti-)Rassismus, (Anti-)Feminismus und (Anti-)Sexismus, die harmlosen Formen sind damit genauso gemeint wie die abscheulichsten.

Krankhaft ist diese Art von Humanismus, weil er genau dies versucht und folglich, wenn sich daraus Kommunikation von Eifersucht ergibt, keine Grenzen der Selbsteinschränkung mehr akzeptieren kann. Das wiederum heißt, dass die politische Zoologie eine sozial pathologische Selbstdestruktion betreibt, die es im Namen jeder Art von Menschenliebe erlaubt, alle nur erdenklichen Verbrechen zu begehen, zu rechtfertigen und zu vertuschen.

Diese Form der modernen Menschenliebe ist das Blutbild der Gesellschaft.

Gibt es ein Medium für #kzu? 1

zurück / Fortsetzung: Kommunikation zwischen Unbekannten ist in der modernen Gesellschaft nichts Unbekanntes. Wenn man darüber nachdenkt, wie, durch welches Medium der Kommunikation für einander Unbekannte in der modernen Gesellschaft miteinander in soziale Zusammenhänge verwickelt wurden, wie sich also ein Medium entfaltet, das sich zugleich von anderen, vorhergehenden Formen der #kzu unterscheidet, dann würde ich dieses Medium in den Strukturen der Urbanität suchen und vermuten, dass sich die Strukturen der Einschränkung von Anonymität durch die Unterscheidung von adressierter Responsibilität (verantwortliches Handeln) und referenzierter Adressabilität (personenbezogene Daten) differenziert haben. Allgemein formuliert geht es dabei um Probleme von Handlung und ihrer Zuordnung.

Diese Unterscheidung betrifft in dieser allgemeinen Hinsicht eine Kulturgeschichte des Vertrautwerdens mit den Problemlagen der modernen Gesellschaft, welche im Zuge ihrer Entwicklung zugleich Gesellschaft als Problem, also auch sich selbst, in Erfahrung gebracht hat.

Noch ist diese Kulturgeschichte nicht geschrieben worden und wird vielleicht erst dann möglich sein, wenn das Medium der #kzu durch ein anderes ersetzt wurde, welches gleichwohl nicht so einfach beobachtbar ist und damit unvertraut bleibt, solange es durch seine dämonische Aufdringlichkeit jedes, an Sicherheit und Rationalität geschultes Beobachtungsverhalten einigermaßen zuverlässig sabotiert.

Damit wäre angedeutet, wenn auch noch nicht gut erklärt, dass die Sabotage ein wichtiges Element innerhalb der Operationsweise des Mediums ist, das die Toxizität von Immunsysten der modernen Gesellschaft sichtbar macht, die ja nur dadurch entsteht, dass sich alles gegen Beobachtung wehrt, welche nach Anschlussmöglichkeiten für die Annahme sucht, dass die Normalitäten und Vertrautheiten der Gegenwart auf ein sie erhaltendes Bedingungsgefüge angewiesen sind, ein Bedingungsgefüge, welches mit dem Internet zunächst in eine medienökologische Katastrophe überführt wird, wodurch sich viele Unklarheiten darüber ergeben, womit die Gesellschaft es zu tun bekommt.

Eine vorläufige Antwort könnte lauten: die Gesellschaft lernt gegenwärtig ein operativ unzuverlässiges, weil unerforschtes Medium für #kzu kennen, das selbst anonym ist und bleiben wird, solange handelnde Subjekte – oder erweitert: irgendwelche Akteure – als responsfähige Instanzen sozial standardisiert werden.

Fortsetzung

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