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Tag: Lernbehinderung

Der Lernpessimismus der Wissenschaft 4 @llenthalben

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Der Lernpessimismus der Wissenschaft: in diesem Vortrag wird der Lernpessimismus von dem Wissenschaftskaspar Harald Lesch zum wiederholten Male vorgeführt. Die Vorführung demonstriert empirisches Wissen über den katastrophalen Zustand einer Welt, die nur mit Hilfe des Wissens um ihre Empirizität entstehen konnte. Ergebnis: alles ist ganz schlimm. Aber: kein Grund zur Sorge, so der Wissenschaftskaspar, denn wir können das ja ändern, indem wir dem Grundsatz gehorchen, dass das Handeln dem Wissen entsprechen solle.
Gehorchen sollen wir. Und zwar denen, die es gut, die es genau, die es richtig und besser wissen. Schon aus moralischen Gründen sei das geboten. Gehorche dem Gebieter. Das klappt vorhersehbar nicht, aber der Wissenschaftskaspar hat alles getan, was er tun kann und ist fein raus.

Nicht Wissen generell ist eine Lernbehinderung, sondern die Anwendung gewussten Wissens auf zu wissendes Wissen schafft eine unüberwindbare Blockade, weil zu viele Vorentscheidungen darüber festgelegt sind, was als Ergebnis angenommen werden kann und was nicht. Das führt dazu, dass nur heraus kommt, was man gemäß dessen beurteilen kann, was man schon beurteilt hat. Es wird gleichsam nur gewusstes Wissen wiederholt, und das sei alles, worauf es ankäme.

Wenn man nur im Empirischgewordenen einen Ausweg sucht, findet man keinen. Im Empirisichwerdenden könnte man nur vielleicht einen finden, aber hauptsächlich nur Irrtümer, über die selbst der Wissenschaftskaspar nicht lachen kann.

Schlimm, alles ganz schlimm.

Heute beim Hundespaziergang #sozialdemokratie

Es ist keine Frage: Es gibt schlimme Dinge in der uns bekannten Welt, die einen sehr betroffen machen können: Menschen, die verhungern, die gefoltert, die bombardiert, vergewaltigt werden; Flucht, Angst, Dreck, Gift, Krankheit überall; Betrug, Mafia, korrupte Staatsgewalt, ökologische Krise; Not, Armut, Ungerechtigkeit, Missstände, Unterdrückung … All das ist ziemlich schlimm. Daran gibt es ganz gewiss keinen Zweifel. Aber all das, so betroffen einen das machen kann, ist wenig im Vergleich zu dem, was ich heute beim Hundespaziergang in der Nachbarschaft erlebt habe. Hier mein Praktikumsbericht:

Ich wohne in einem kleinen Dorf in der mittelhessischen Region, irgendwo zwischen Marburg, Gießen und dem Rest der Welt. Die Nachbarschaft ist mittelständisch wohlhabend, die meisten sind im öffentlichen Dienst beschäftigt. Die Leute sind freundlich, sittsam, aufgeschlossen und größtenteils harmlos. Ich lebe ein Spießerleben unter toleranten Wohlstandsbürgern. Ich bin in der Nachbarschaft bekannt als ein ebenso freundlicher und genauso harmloser Mensch. Der Spießiger hiesigen Typs ist weltoffen, aber: beschäftigt.

Ich gehe mit dem Hund in Richtung eines Waldstücks durch die Nachbarschaft. Von Ferne sehe ich Gregor. Gregor ist Rentner, er kennt mich, mag mich und redet gern mit mir. Gregor ist bei der SPD. Ich winke ihm zu, er winkt mir zu. Ich sehe, wie er in der Mittagssonne von Haus zu Haus geht und schwitzend Werbung für die SPD verteilt.

Es kommt zu folgendem Dialog:

Klaus: Was macht die Erneuerung der SPD?
Gregor (schmunzelt): Erneuerung muss sein.
Klaus: Die SPD erneuert sich seit Willy Brandt Vorsitzender war.
Gregor: Das stimmt.
Klaus: Und was wird daraus?
Gregor: Muss man sehen. Es kann nur besser werden.
Klaus: Meinst du? In ganz Europa ist die Sozialdemokratie auf dem Rückweg.
Gregor: Das stimmt. Den Arbeiter gibt es nicht mehr. Die Sozialdemokratie wird nicht mehr gebraucht. Alle Streben Richtung Mitte. Nur die AfD nicht.
Klaus: Ja, Sozialdemokraten ergreifen nicht mehr Partei für die Unterdrückten und Entrechteten, sondern für privilegiert Beschäftigte. Die Armen wurden von der SPD als Wähler abgewählt, weil sie auch für die Banken als Kreditkunden und für die Werbewirtschaft als Konsumenten nicht in Frage kommen.
Gregor: Ist wohl so.
Klaus: Und was kannst du noch erreichen?
Gregor: Ich kann nur machen, was ich kann …

Sagte er und unterbrach das Gespräch, um weiter seine Werbung für die SPD zu verteilen.

In der Nähe war ein Kinderspielplatz. Ich setzte mich dort auf eine Bank und fühlte mich, als hätte mir wer mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen.