Differentia

Tag: Kommunikation zwischen Unbekannten

Vorschläge für Examensarbeiten zum Thema „Kommunikation zwischen Unbekannten im Netz“ #kzu

Hier eine Liste mit ein paar Anregungen für diejenigen, die nach einem Thema für eine Examensarbeit suchen und die sich mit „Kommunikation zwischen Unbekannten im Netz“ befassen möchten. Gern liefere ich auch weitere Überlegungen, da ich mich mit diesem Thema ohnehin noch länger befassen werde.

  • Anonymität und Vetrautheit. Analyse der Strukturentwicklung von Vertrautheit
  • Über Reliablität von anonymen Beziehungen, Vertrauensgewinnung in anonyme Beziehungen?
  • Vertrauen und Ordnung – Misstrauen und Chaos
  • Anwesenheit und Abwesenheit, eine prekäre Differenz
  • Interaktion zwischen Abwesenden
  • Serendipität, Notwendigkeit und Zufall.
  • Identität: Beharrungsversuche und Zerfallsprozesse
  • Über das Verhältnis von Persuasion und Chaoskommunikation
  • Internettrolle als paranoische Phantome
  • Paranoia und Kritik, Bedeutungsverlust von Meinungsfreiheit
  • Erfahrbarkeit von Kommunikation durch parasoziale Interaktion. Social media als Dispositiv
  • Über ein Recht auf Beleidigung und seine mediale Bedeutung
  • Der Meinungssstreit, über die Bedingungen seiner Möglichkeit, wenn Internet unverzichtbar ist
  • Über den Differenzierungsprozess transzendentaler Subjektivität
  • Methoden der Überwachung, Monitoring für alle
  • Lern- und Immunierungsprozesse

(wird ergänzt)

 

 

Man tut es eben doch. Nur bringt es nichts, weil niemand genau weiß worum es geht #kzu 3

tutmannicht

 

Kommunikation zwischen Unbekannten, eine kleine Betrachtung
Niemand bleibt unschuldig zurück, wenn man sich in Kommunikation mit Unbekannten verwickelt, weil es keinen erkennbaren Grund dafür gibt, sich auf sowas einzulassen. Dass aber das Gegenteil glaubhaft sein kann, ist erklärungsbedürftig. Sich in solchen Fällen als unschuldiges Opfer zu fühlen, ist ein oft gebrauchtes und sehr bequemes Recht.
Es reicht nicht, Recht und Unrecht zuzurechnen; es reicht nicht, mangelnde Vernunft oder Moral anzugeben, wenn man sich für die eine oder andere Partei entscheiden möchte. Es reicht nicht, Frechheit, Indiskretion, Niedertracht oder was immer zu unterstellen und es dabei zu belassen. Auf solche Dinge könnte man sich beziehen, wenn erreichbare, besser gesagt: reliable und valide Adressen im Spiel sind, wenn Entscheidungs- oder Vermittlungsinstanzen anrufbar sind, die sich für Gründe interessieren, und wenn verbindliche Folgen in Aussicht gestellt werden könnten, wenn also Sanktionen Grenzen setzen könnten.
All das gibt es hier nicht und lässt sich nicht so einfach durchsetzen. Was es gibt ist ein Geschehen, dem man sicher Gründe unterstellen kann. Aber damit kommt man nicht weit. Und interessanterweise muss man das gar. Denn tatsächlich weiß kaum jemand worum es geht. Und Aufklärung kann ohne eine Entscheidungs- und Vermittlungsinstanz gar nicht geleistet werden, weil jeder der Beteiligten die Kommunikation nach eigenem Ermessen, nach eigener Moral, nach eigener Vernunft, nach eigener Willkür jederzeit fortsetzen kann, wodurch sich immer mehr Komplikationen als Auflösungen ergeben.

Genau das ist das, was diese „Trollkommunikation“ ausmacht und entsprechend für Misstrauen sorgt. Ich gebe zu, dass ich keinen Grund habe, mich über den Verlauf der Dinge zu erfreuen. Allein, es reicht zu erkennen, dass ich an dieser Verwicklung nicht unschuldig bin. Sollte die Gesellschaft irgendwann mal lernen, dieser Naivität der eigenen Unschuld selbst bei unvorhersehbaren Verwicklungen mit Skepsis zu betrachten, wird man gewiss auch Vertrauen in die Kommunikation zwischen Unbekannten fassen können.

Solange das nicht der Fall ist muss auf dem Umwege der Geringschätzung, auf dem Wege des Versuchs, sich dem zu Lernenden zu widersetzen, das zu Lernende in Erfahrung gebracht werden.

 

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