Differentia

Tag: Entscheidung

Medienapokalypse – Maschinen haben keine Macht … @frankstaudinger @circumvexa @mundauf @schuetz_marcel

„Die einen haben Angst vor Gespenstern und die anderen hoffen auf die Wirksamkeit von Waldelfen (sog. Querköpfe)“

 

… und Menschen auch nicht. Beim Deutschlandfunk gab es am 9. April 2019 einen interessanten Kommentar von Marcel Schütz über die sogenannte neue Macht der Maschinen, ein uraltes, lange bekanntes Thema, das seit der Industrialisierung immer wieder bekannt gemacht wird. Denn nichts ist so bekannt, dass es nicht noch einmal bekannt gemacht werden könnte. Am Ende dieses Kommentar heißt es, dass Algorithmen, die dazu eingesetzt werden, um Entscheidungsfindungen über Personaleinstellungsgespräche zu erleichtern, den Charakter von Weissagungen eines Orakels hätten. Ja, das kann man so sehen, das hat aber mit Aberglauben nichts zu tun.

Wir hatten in einem Skype-Gespräch am 10. April abends über einen Fall aus der Biographie von Alexander dem Großen gesprochen. Dabei ging es um eine militärische Entscheidung darüber, ob eine hoch riskante militärische Operation durchgeführt werden sollte, die einem kompliziert verwickeltem Schachzug ähnelte und welche darum Gesprächsbedarf unter den Generälen Alexanders erzeugte, denn der Vorschlag war kontra-evident. Es ging, kurz gesagt darum, dass Alexander seine Mittelmeerflotte in genau dem Augenblick abrüsten und auflösen wollte, in welchem sie am dringendsten gebraucht wurde, um das frei werdende Kapital dem Landheer in Anatolien zur Verfügung zu stellen und um damit seinen Gegner zu verwirren.
Wie soll man über eine so wichtige und hoch riskante Entscheidung sprechen? Wie Einwände, wie Kritik, wie Ablehnung oder Gegenmeinung äußern, wenn die Gesprächssituation so eingerichtet ist, dass Verdächtigungen, allgemein: bias, immer im Spiel sind? Wie kann Sachlichkeit ins Gespräch kommen, wenn der Verdacht auf mangelndem Gehorsam, Illoyalität oder Feigheit immer im Spiel ist? Wie ist Widerständigkeit möglich, wenn alle diese Verdächtigungen, die immer auch Selbstverdächtigungen sind, niemals ausgeschlossen werden können? Wie darüber reden? Aus der Biographie geht hervor, dass der Generalstab Alexanders über die Sichtung eines Adlers diskutiert hatte, der ein Symbol für königliche Macht darstellte und dessen Sichtung entweder auf einem Baum an Land oder auf einem Schiffsmast auf dem Meer ein göttliches Zeichen dafür war, ob eine See- oder eine Landschlacht mit dem Gegner gesucht werden sollte. Mit Aberglauben hat das nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich dabei um eine sehr rationale und effektive Strategie der Kommunikabilität von Meinungen, die in jederlei Hinsicht keinen letzte Überzeugungskraft haben, aber trotzdem geäußert, erwogen werden müssen, um eine Entscheidung zu finden.

Der Algorithmus hat keine Macht. Menschen aber auch nicht. Die soziale Situation selbst stellt das Problem her und liefert Chancen es zu lösen.

Persuasive Kommunikation – ein Überblick

Verkaufen, Flirten, Führen. Persuasive Kommunikation – ein Überblick. Von Klaus Schönbach

Wie und warum gelingt es uns, andere Menschen dazu zu bewegen, etwas für uns zu tun – ein Produkt zu kaufen, uns zu helfen, sich (ver)führen zu lassen? Eine Einführung in die persuasive Kommunikation von ZU-Honorarprofessor Klaus Schönbach, dem auch international bekanntesten deutschen Kommunikationswissenschaftler, auf der Erfahrung mit Seminaren, Vorlesungen und Kursen aus 30 Jahren aufgebaut – und auf dem neuesten Stand der Wissenschaft. Augenzwinkernd, aber seriös. Praktisch, aber mit gründlichem theoretischen Hintergrund.

Aus dem Inhalt:
| Einführung
| Persuasion als Beeinflussung von Handlungsentscheidungen
| Persuasives „Argumentieren“: ein Baukasten
| Werbung
| Persuasion unter erschwerten Bedingungen
| Persuasionsstrategien
| Kanäle der Persuasion
| Überzeugbarkeit: Wer lässt sich am leichtesten überzeugen?

Die Zielgruppe sind Studierende und Dozenten der Kommunikations- und Medienwissenschaft, PR, BWL, Soziologe, Politikwissenschaft, Politikberatung und Journalisten

Klaus Schönbach: „Verkaufen, Flirten, Führen: Persuasive Kommunikation – ein Überblick“, VS-Verlag, April 2009, 152 Seiten

Marina Iakushevich & Astrid Arning (Hrsg.): Strategien persuasiver Kommunikation. PHILOLOGIA – Sprachwissenschaftliche Forschungsergebnisse, Band 168, Hamburg 2012, 274 Seiten

Der Band umfasst 14 aktuelle Beiträge zur Persuasionsforschung: Das sehr breite Spektrum präsentiert die unterschiedlichsten Zugänge zur mensch­lichen Kommunikation, die sogar bis auf die antike Rhetorik zurückgehen. Als theoretische Ansätze der Untersuchungen werden die Text- und Diskurslinguistik, Pragmatik sowie Rhetorik herangezogen. Vor allem die Werbung und Public Relations stehen als die klassischen Domänen persuasiver Kommunikation im Fokus der Untersuchungen. Jedoch werden auch relativ neue Betätigungsfelder wie das Hochschulmarketing betrachtet. Es wird gezeigt, zu welchen raffinierten sowie kreativen Techniken gegriffen wird, um in Situationen erwartbarer Persuasion – wie dies generell mit effektvoller Werbung beabsichtigt ist – wirksam zu sein. Auf der anderen Seite können mediale Texte auch gerade dort persuasive Potenzen aufweisen, wo traditionellerweise vor allem die Vermittlung sachlicher Informationen vermutet wird.

Robert B. Cialdini: Die Psychologie des Überzeugens, 5. Auflage, 2008.
James Dillard, Michael Pfau: The Persuasion Handbook, 2002.
Richard Geml, Hermann Lauer: Marketing- und Verkaufslexikon, 4. Auflage, Stuttgart 2008.
Noah J. Goldstein, Steve J. Martin, Robert B. Cialdini: Scientifically Proven Ways to be Persuasive 2008.
Josef Kopperschmidt: Allgemeine Rhetorik, Einführung in die Theorie der Persuasiven Kommunikation, Stuttgart 1973.

Innovation der Persuasion, hg. von Holger Schramm und Johannes Knoll, 2013
328 Seiten.

Die zunehmende Digitalisierung und der fortschreitende Einbezug von Computertechnologie in der Gestaltung und Produktion von Medienangeboten haben die Werbe- und Markenkommunikation im letzten Jahrzehnt rasant verändert. Wie innovativ sind die neuen Medienwelten aber tatsächlich – und für wen? Handelt es sich nicht – zumindest in Teilen – eher um alten Wein in neuen Schläuchen? Wie innovativ ist demnach die aktuelle Entwicklung in der Werbe- und Markenkommunikation? Und wie innovativ ist die betreffende wissenschaftliche Forschung? Nicht selten wird der Forschung ja vorgeworfen, der Entwicklung in der Werbepraxis ein paar Jahre hinterher zu hinken. Dieser Forschungsband hat sich zum Ziel gesetzt, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz betriebene aktuelle Forschung zur Werbe- und Markenkommunikation in neuen und digitalen Medienumgebungen zu bündeln und zu diskutieren. 16 ausgewählte Beiträge beschäftigen sich mit programmintegrierter Werbung, mit Onlinewerbung und Markenkommunikation in Social Networks, mit Werbepotenzialen von Social TV, Markenmedien und alternativen Werbeträgern wie den Ambient Medien sowie mit Perspektiven und der Zukunft der Werbe- und Markenkommunikation.