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Tag: double-bind

„Mensch-ärgere-dich-nicht“. Problem der double-bind-Anweisung 2/5

Bei einer sogenannten double-bind-Anweisung handelt es sich um eine paradoxe Aufforderung, die das verunmöglicht was sie zugleich verlangt. Bei dem Familienspiel „Mensch-ärgere-dich-nicht!“ handelt es sich um eine solche Aufforderung, die nicht erfüllbar ist, weil die intendierten Folgen der Anweisung durch die Einhaltung der Spielregeln ständig konterkariert werden. Gemäß der Aufforderung soll man sich nicht ägern, aber eben das geschieht ständig. In normalen Fällen würden Beteilgte eine solche Anweisung ablehnen oder sich der Kommunikation entziehen, weil damit eine Überforderung gegeben ist, welche die Akzeptanzwahrscheinlichkeit vollständig reduziert. Daraus ergibt sich aber nun die interessante Frage, wie das Familienspiel dennoch so große Popularität gewinnen konnte; wie also nicht nur die Vermeidung dieser Anweisung vermieden wird, sondern wie gerade das Befolgen dieser Anweisung mithin die Erwartung des beständigen Scheiterns durch den Spielverlauf enorm gesteigert, wie also durch die Verfolgung des Paradoxen, der Gewinn durch Scheitern, die Akzeptanzwahrscheinlichkeit wesentlich erhöht werden kann.Neben einem geeigneten symbolisch generalisiertem Kommunikationsmedium, das die Möglichkeit herstellt, extrem unwahrscheinliche Anschlussmöglichkeiten in Anschlusswahrscheinlichkeit umzusetzen, ist ein symbiotischer Mechanismus der Aufmerksamkeitserzeugung nötig, der die aussortierten Elemente der selektiven Codierung in ein latent verbleibendes Reservoir von Strukturentwicklungsmöglichkeiten regelbar macht.

All diesen Aspekten könnte man im einzelnen nachgehen. In diesem Zusammenhang soll jedoch nur auf Effekte der strukturellen Koppelung eingegangen werden, die in gängigen theoretischen Modellen noch nicht ausführlich behandelt wurden. Die hier angestellten Überlegungen richten sich daher auf das Zusammenwirken dreier verschiedener Systeme, durch deren Komplexitätsgefälle Perturbationen und Interferenzen zusammengeführt werden, die es im Ergebnis möglich machen, dass sich  – selbstverständlich unter Berücksichtigung von Bedingungen eines soziokulturellen Evolutionsgrades – eine Spielidee hartnäckig halten kann, die der Komplexität ihres Entstehungskontextes nicht entspricht.

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Double-Bind-Anweisungen

Der sogenannten double-bind-Theorie zufolge entstehen psychische Krankheiten für Menschen durch eine doppelte Anweisungsausführung, deren Widersprüchlichkeiten die Beteiligten in nicht kontrollierbare Blockaden führen können. Aber auch in weniger prekären sozialen Kontexten sind double-bind-Anweisungen auffällig. Dabei kann es sich um wenig alltagstaugliche Anweisungen wie  „Beachte mich nicht!“ oder „Nimm niemals Ratschläge entgegen!“ handeln. Bei einer sogenannten double-bind-Anweisung handelt es sich um eine paradoxe Aufforderung, die das verhindert, was sie zugleich verlangt. In kommunikationstheoretischer Hinsicht spielen solche double-bind-Verstrickungen eine wichtige Rolle, weil sie einen darin verwickelten Beobachter zu Entparadoxierungsmaßnahmen zwingen, die mit einem enormen Risiko des Gelingens oder Scheiterns verbunden sind und damit Ansprüche an Kontrollierbarkeit stellen.

Mit der eigenmächtigen Löschung des Weblogs von mspr0 durch die FAZ-Redaktion ist eine Situation eingetreten, die deutlich macht, in welche Falle man treten kann, wenn man mit großer Selbstgewissheit Ansprüche an normative Gestaltbarkeit prinzipiell offener Systeme stellt. So etwas wie „Kontrollverlust“ als eine wie auch immer innovativ gemeinte Idee der Problembehandlung in die Welt hinaus zu posaunen, fällt erstens genauso leicht, wie es dann zweitens schwer fällt, sich für die daraus resultierenden Folgen vor sich selbst und vor anderen zu rechtfertigen. In diesem Fall passierte es, dass die FAZ als Blogowner ganz eigenmächtig genau das tat, wogegen der Blogschreiber seiner Selbstauskunft nach (Kontrollverlust!) eigentlich gar nichts einzuwenden hätte, wenn es ihn denn nicht selbst beträfe, indem man etwa dem Blogautor die Kontrolle über die Bloggestaltung entzieht.

Allgemein gibt es zwei Auswege aus solchen Verstrickungen. Der eine ist repressiv und müsste sich in diesem Fall auf Selbstrepression beschränken: Man unterdrückt die eigenen Widersprüche und läßt nur die eine der einander widersprechenden Instruktionen zu und verbietet die andere. So könnte man „Kontrollverlust“ als inverse Intention der Selbstbestimmung apostrophieren und jede Zuwiderhandlung als Affront zurück weisen. Ein zweiter Ausweg besteht in einem produktiven Gebrauch solcher Argumentationsengpässe. Man könnte Paradoxien fruchtbar zu machen versuchen, indem man eine komplexere Repräsentation der Welt erzeugt, welche die derart entstehende Unlösbarkeit in Komplexität ausdifferenziert. Solange man aber nicht in der Lage ist, paradoxen Situationen zu entkommen, paralysieren Paradoxien den Beobachter und führen entweder zu einem Zusammenbruch der Konstruktion seiner Welt oder zu einem Wachstum an Komplexität in der Repräsentation seiner Welt. Letzteres kann aber nur unter Steigerung der Systemkontrolle erkauft werden, weil anders eine strukturelle Integrität nicht gewährleistet werden kann. Mit verstärkter Kontrolle ist dann aber auch eine Reflexivitätssteigerung verbunden. Womöglich scheint diese Variante, gerade weil sie anspruchsvoller ist, in diesem Fall weniger opportun sein. So bleibt dem Trivialsubjekt nur der Weg in die Selbstrepression, welche alle Selbstbeobachtung nahezu vollständig blockiert und erkennen lässt: „die Welt da draußen ist irre, nicht ich.“

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