Differentia

Tag: Datenschutz

Gibt es ein Medium für #kzu? 8 #Problem und #Lösung @sms2sms @hackr

zurück / Fortsetzung: Man wird sicher sagen können, dass in Sachen Datenschutz einfache Lösungen nicht zu formulieren und nicht so leicht zu finden sind. Dieser Einschätzung würde jeder Datenschützer gewiss zustimmen. Aber kaum ein Datenschützer wird mir in der Einschätzung zustimmen, dass nicht einmal das Problem, um dessen Lösung er sich bemüht, so einfach erklärbar ist. Das Problem, möchte ich sagen, ist zum allergrößten Teil noch gar nicht in Erfahrung gebracht worden.

Es mag ein Problem bekannt sein, aber ist es deshalb auch schon erkannt? Kann es vielleicht sein, dass gegenwärtig immer noch sehr ungenau erkannt wird, worum es geht, wenn es um Datenschutz geht? Denn: wenn die Lösung schwer zu finden ist, dann kann das für das Problem genauso gelten. Warum sollte die Lösung unwahrscheinlicher sein als das Problem? Warum sollte das Problem einfach erkennbar und verstehbar sein, aber nicht die Lösung? Warum sollte es eines beträchtlichen Aufwands bedürfen, um eine Lösung durchzusetzen, aber nur einen Bruchteil des selben, um das Problem zu benennen? Und schließlich: wie kann es sein, dass eine gesellschaftlich marginale Berufsgruppe von Datenschutzexperten die Freiheit genießt festzulegen, was für den allergrößten Teil der Bevölkerung von Bedeutung zu sein hat und welche gleichzeitig außerstande ist, gegen den Willen einer Mehrheit, für deren Interesse sie sich angeblich engagiert, ihre normativen Vorgaben durchzusetzen. Datenschützer scheinen Anwälte ohne Mandanten zu sein, was sie nicht daran hindert, einen Professionsstolz auszubilden und damit eine entsprechende Professionalitätsmagie zu kultivieren.

Da all diese seltsamen Zusammenhänge schon seit längerer Zeit zu einer tagtäglichen Normalität gehören, kann man so etwas nicht einfach als defizitäre Einrichtungen einer verworrenen Welt abtun. Das heißt, dass das Geschäft von Datenschutzexperten einen gewissen gesellschaftlichen Sinn hat, der sich allerdings nicht aus der Selbstbeschreibung dieser Profession ableiten lässt. Denn gemäß dieser Selbstbeschreibung ist Datenschutz eine ziemlich wichtige Sache, welche, gemessen an ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit, von höchst schwächlicher Gestalt ist. Und man darf sich fragen, wie es sein kann, dass eine so wichtige Angelegenheit so marginal wirksam ist. Dies einfach nur auf interessenorientierte Machtverhältnisse zuzurechnen oder auf einen inkompetenten Staat und eine unaufgeklärte Bevölkerung, ist ein sehr einfaches und durchschaubares Manöver, weil es Datenschutz zu einer Machtfrage macht und welches nur innerhalb der Selbstbeschreibung von Datenschutzexperten überzeugen kann. Mit diesem Manöver kann sich der Berufsstand nur von sich selbst beeindruckt zeigen. Alle anderen haben stattdessen eher einen Grund sich zu wundern.

Nein, Datenschutz hat einen gesellschaftlichen Sinn, der allerdings wenig mit dem zu tun hat, den Datenschutzer ihm geben wollen. Der Hund liegt woanders begraben.
Fortsetzung folgt

Gibt es ein Medium für #kzu? 6 #Datenschutz

zurück / Fortsetzung: Das “Recht auf Anonymität” ist eine der unglaublich vielen Kuriositäten, die die moderne Welt hervorgebracht hat. Das erstmalige Aufkommen dieser Forderung, unbekannt und unerkannt zu bleiben, obwohl man am gesellschaftlichen Verkehr teilnimmt, man damit auch in Gesellschaft verwickelt ist und auf diese Weise immer informativ wirken kann, datiert auf das Ende des 19. Jahrhunderts und hat bis heute zu keinen verlässlichen Lösungen geführt. Denn mag es auch eine Vielzahl von Gesetzen und Vorschriften geben; und mag es in mancher Hinsicht auch wirksame Kontrollmechanismen geben, die so etwas Seltsames wie “Datenmissbrauch” verhindern, so kann man nicht erkennen, dass die Behandlung des Problems seine Dimensionen verringert hätte. Das Gegenteil ist der Fall.

Im Laufe der letzten 120 Jahre ist das Datenschutzproblem nicht eingehegt, überschaubar und in seiner Bedeutung verkleinert worden. Vielmehr ist es immer größer und monströser, immer aufdringlicher und relevanter geworden, ohne, dass bis heute erkennbar geworden ist, wie es auf der Basis bekannter Verfahren durch staatliche Gesetzgebung und internationaler Verträge in den Griff zu bekommen wäre. Datenschützer wissen das, aber geben die Hoffnung trotzdem nicht auf. Warum? Woher diese Hartnäckigkeit? Woher diese unbeirrbare Erwartung, dass man einen Datenschutz mit rechtlichen Mitteln garantieren könnte, obgleich alle überprüfbare Erfahrung über das Gegenteil informiert? Wie ist diese Tenazität möglich? Warum an der Lösbarkeit eines Problems festhalten, wenn sich, gemessen an der Komplexität des Anliegens, dafür kein geeignetes Mittel gefunden hat? Denn das bislang gewählte Mittel ist das gesetzliche Verbot von … ja von was?  Es handelt sich um das gesetzlich ausgesprochene Verbot, personenbezogene Daten zu missbrauchen, womit der ganze Schlamassel schon in dieser Andeutung auf dem Tisch liegt: was genau sind personenbezogene Daten? Was genau ist denn der Vorgang des “Beziehens”, des Referierens von Daten auf Personen, wenn nicht eine Relationierung von Daten irgendeiner Sorte auf Daten anderer Sorte? Und natürlich: was ist richtiger, was ist falscher Gebrauch von bestimmten Datensätzen, die über eine entsprechende Referierung von anderen Datensätzen Auskunft geben? Nicht zu vergessen wären dann auch Vorschriften der richtigen Durchführung von Kontrollmechanismen, die ja nur dann verlässlich funktionieren könnten, wenn diese Vorschriften selbst richtig wären und nur formuliert werden könnten, wenn man ein richtiges Verständnis davon hätte, was eine Person ist, was Identität ist, was ein Datensatz ist usw.

Es scheint, dass Datenschutz ungefähr so zuverlässig funktionieren kann wie ein Atomkraftwerk, nämlich dann, wenn nichts falsch gemacht wird und Datenschützer bearbeiten unbeirrbar ihr Problem, von welchem sie sich nur selbst bestätigen, dass es ein richtiges Problem ist und, dass sie es selbstverständlich richtig verstanden haben. Sie können das glauben, weil die Macht mit ihnen ist, die das Problem, statt es zu lösen, überhaupt erst in Erfahrung bringt. Gemeint ist ein Medium für #kzu.

Fortsetzung folgt

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