dionysische Wildheit

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letzte Aktualisierung: 25.11. 2013.

dionysische Wildheit: zügellose Selbstdisziplin, Effekt von Technikgebrauch, prototypische Habitualisierungen: Hipster, Nerds, Geeks

Als Einführung zu diesem Glossar-Stichwort siehe dazu den sehr inspirierenden Artikel von Jasmin Siri im SozBlog Mai 2013 über Nerds:

… Den Begriff nerd gibt es schon seit den 1950er Jahren. Er stammt ursprünglich aus einem Kinderbuch. Ab den 1980er Jahren wird er auch benutzt, um Hacker und andere computeraffine Männer zu labeln.In den 1990er Jahren taucht der Nerd vermehrt in amerikanischen Comedy-Serien auf – ich denke bspw. an Steve Urkel aus Familiy Matters.
Immer ist der sozial inkompetente und unattraktive Nerd der Inbegriff des Opfers in der Highschool-Hierarchie. Im Sinne einer “marginalisierten Männlichkeit” (Raewyn Connell)  – also einer Darstellung, die die gesellschaftlichen Erwartungen an einen ‘echten Kerl’ nicht einlösen kann und dafür Verachtung erntet – lebt der Nerd hier sein Leben am Ende der Futterkette, wird von den Jungs geprügelt, von den Mädchen gemobbt oder im besten Falle bemitleidet. So die dominante Erzählung.
Fortsetzung http://soziologie.de/blog/?p=2045

Eine interessante Betrachtungsweise liefert der Vortrag von Kai van Eikels zum Thema: Die Rache der Nerds?

Abstract: Zu den oft verborgenen, aber starken Motiven für ein Virtuos-Werden gehört Rache: Indem ich in einer Sache so viel Können und Wissen erlange, dass ich den anderen überlegen bin, befriedige ich meinen Wunsch nach Vergeltung für eine Kränkung, die die Gesellschaft mir angetan hat. Die Figur des Nerds ist mit der des sozialen Außenseiters verbunden: Nerd-Kompetenzen verweisen auf eine tatsächliche oder imaginäre Herkunft aus der Einsamkeit eines Vor-sich-hin-Machens, ehe der obsessive Frickler schließlich im Netz oder im urbanen Leben einen space of appearance betritt und sich Respekt verschafft. Adorno spricht in einem Fragment der Minima moralia von einer Umsetzung der Wut in Geduld und von einer Versöhnung, die dem Zerstörenden abgetrotzt sei. Ich möchte den Nerd in dieser Perspektive als eine Variante des Virtuosen-Dilettanten untersuchen, der das kränkende Soziale als Widerstand nutzt, um sich daran zu steigern und in etwas hineinzusteigern. Und ich möchte nach der sozialen und politischen Wirklichkeit dieser Steigerung-als-Rache fragen: Ist die subkulturelle sophistication der Nerds eine coole Art von Ressentiment? Oder eine Befreiung aus den ressentimentalen Hamsterrädern einer Gesellschaft, die ihre Mitglieder vorsorglich verbittert, um sie zur Leistung anzuspornen?

Über Georges Bataille:

Der französische Philosoph und Schriftsteller Georges Bataille ist der Denker der Grenzüberschreitung. Ihn faszinierten die „Intensitätszonen“ des Ekstatischen. Dem Alltagsleben in der verwalteten Welt des Kapitalismus mochte er wenig abzugewinnen: Er plädierte stattdessen für schrankenlose Verausgabung.

http://science.orf.at/stories/1699979/