Die Spionage der Gesellschaft

Als ich vor zehn oder zwanzig Jahren – man wird recherchieren müssen, um welche Zeit dies genau war, wenn man noch weiß oder wissen will wie spät es jetzt ist – einen Roman schreiben wollte, der sich mit der Zukunft der Gesellschaft befassen sollte – ein Roman aber, der aufgrund von Zeitüberfluss gar keine Notwendigkeit hatte – hätte sich einen Kapitel auch mit der Spionage der Gesellschaft der Zukunft befasst, die ganz anders orientiert war als die Spionage einer anderen Gesellschaft, die zu anderer Zeit üblich gewesen war, als man noch wusste wie spät es ist oder wie spät es hätte werden können, wenn man Grund gehabt haben könnte, dies wissen zu wollen.

In dem Kapitel diesen Romans hätte es darum gehen können, dass es – aus Gründen, die freilich auf mehreren hundert Seiten hätten beschrieben werden müssen – zukünftig irgendwelche Leute gab, die wissen wollten wie spät es ist, was sie nur hätten herausfinden können, wenn sie andere Leute kennen oder irgendwie beobachten hätten beobachten können, die das auch wissen wollten. Das ist schwer zu erklären, wenn man glauben will, dass es doch eigentlich ganz einfach sei, so etwas zu wissen. Es reiche doch, auf die Uhr zu schauen, was umso einfacher sein müsste, wenn Uhren überall vorhanden und sichtbar sind. Das stimmt. Aber man muss in Rechnung stellen, dass die Erde eine Kugel ist. Das heißt, dass es an jedem Ort, in jedem Augenblick, also wirklich in jeder Nanosekunde tatsächlich eine andere Uhrzeit gibt, was eigentlich kein Problem ist, wenn man globale Zeitzonen festlegt. Wenn man also Zeitanzeige international standardisiert.

Weil das aber unmodern geworden war, weil es nämlich nun, aufgrund immer differenzierteren Informiertseins über irgendwelche Dinge darauf angekommen war zu wissen, wann genau, also wo, irgendetwas gesagt oder gemeint wurde, was auch einschließt, dass das, was dann gesagt oder gemeint wurde, nicht mehr der Standardzeit einer Industriegesellschaft entsprechen konnte, kann man begreifen, dass es ziemlich wichtig wurde zu wissen, wie spät es ist, weil man nur dann wissen kann, wie spät es woanders ist, wenn man denn dann noch weiß, wo man sich selbst aufhält, was auch nicht so einfach zu ermitteln war.
Das meiste all dieser Zusammenhänge blieb höchst geheim. Was auch damit zusammenhing, dass die Spionage der Gesellschaft ein Problem mit Identität hatte, das sich auf eine bestimmte Weise an die Frage knüpfte, ob ncht Differenz mehr zur Wahrheit beiträgt als Identität. Diese Frage war nun aber wieder verkoppelt mit der Frage nach den Drogen der Gesellschaft, die ziemlich versteckt waren. Sie waren das größte Geheimnis dieser Welt der Zukunft, welches zu lüften das dringlichste Geschäft der Spionage darstellte.