Kopflose Lebensweise

Es gibt keinen überzeugenden Grund, warum solche traumatischen Erfahrungen, wie sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht worden sind, für die Gegenwart und Zukunft ausgeschlossen sein sollten. Bereits die Einführung der Nukleartechnik hat mehr als deutlich gezeigt, dass die bis dahin durchgemachten Alpträume noch überboten werden können; und dass diese Überbietung nicht mehr noch weiter überboten werden könnte, steht nirgendwo mit Gewissheit geschrieben.

Denn die weitere Überbietung wäre, dass Selbstvernichtung nicht auf Befehl und nicht mit Waffen- oder Bombengewalt gelingt, sondern dadurch, dass keine steuernde oder kommandierende Zerstörungsinstanz sich durchsetzt. Warum sollte das ausgeschlossen sein?

Eine Lebensweise, die sich auf einen ständigen Exzess einlässt, vermehrt die dämonischen Wirkungen ihrer Kopflosigkeit exponentiell; logisch, dass sie sich eine Paranoia sucht, die an Exponenzialität kondensiert: berechenbare Unberechenbarkeit.
Exponenzielles Wachstum kann man nicht kontrollieren, aber gerade deshalb wird versucht, es zu kontrollieren, aufgrund der durchaus naiv zu nennenden Selbstgewissheit, die besagt, dass Wissen stark mache. Da diesen Irrtum niemand nachweisen kann, muss der Nachweis durch den Irrtum selbst erbracht werden.

Genau darin bestehen die traumatischen Erfahrungen des 20 Jahrhunderts: Die Irrtümer machten sich aufgrund von Zerstörung und Verbrechen kenntlich. Anders wäre es nicht gegangen.

Die militärischen Selbstgefährdungen und ihre Irrtümer konnten in der Vergangenheit immer noch auf die Macht von Kommandanten zugerechnet werden. Aber auch diese Zurechungen waren Irrtümer, die sich von Waffengewalt beeindruckt zeigten.
Spätestens jetzt zeigt sich, dass es keines Kommandanten bedarf.

Wenn der Gott, an den ich nicht glaube, meine Gebete erhört, wird sich heraus stellen, dass alles nur sehr heiße Luft gewesen ist: Virus genauso wie Impfung waren nur die größtenteils harmlose Paranoia einer Lebensweise, die hauptsächlich vor sich selber Angst hat. Aber da es den Gott nicht gibt, an den ich glaube, heißt das nur, dass alles genau so schlimm kommen wird, wie es ist.

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