Lernen als Machtspiel 10 Klammergriff des Erfolgs 4

von Kusanowsky

damals / heute:

Der Erfolg der Gesellschaft war bisher, dass Machtspiele aussichtsreich waren, weil sie nicht bloß für diejenigen zum Vorteil blieben, die eine Machtoption hatten, sondern, weil im Laufe der Industrialisierung immer weitere Ressourcen (hier: Menschenbeteiligung) gehoben und bereit gestellt wurden, um diese Machtspiele zu betreiben. Das Machtspiel wurde immer mehr ausgeweitet, niemals befriedet. Es fand immer mehr Attraktivität und hat sich als ein Virus ausgebildet, gegen das die Gesellschaft selbstredend nicht immun ist, weil ihre Immunität gerade darin beruht, diesen Machtspielen mit Vertrauen zu begegnen.
Die einfachste und zugleich wirkmächtigste Variante eines solchen Machtspiels ist Konkurrenz, ein Spiel, das nicht bloß als ein Gegeneinander funktioniert, sondern als ein trickreiches Miteinander über Täuschungen darüber, ob Gewinne erbracht und geteilt werden können oder nicht. Deshalb hat sich Konkurrenz, verbunden mit dem Konzept der Individualität, in allen sozialen Systemen der Gesellschaft durchgesetzt, in Familien, Sekten, Verbrüderungsgemeinschaften aller Art, in Wirtschaftsbetrieben und Behörden ohnehin; überall wird Konkurrenz als nicht zu verhindernde Anforderung an das Leben wertgeschätzt. Was auch für irgendwelche linksideologischen Kollektive und humanistischen Fördervereine gilt, die für sich das Gegenteil in Anspruch nehmen, weil sie sich auf eine – gleichwohl aussichtslose – Konkurrenz einlassen, nämlich antikapitalistisch zu sein. Gerade daran kann man erkennen, wie tief ein Konkurrenzkonzept in alle Lebensvollzüge eingedrungen ist, wenn man darauf sieht, dass auch noch die schlechteste und allerschlechteste Position in diesem Machtspiel dazu ermuntern kann, damit weiter zu machen. Die Gesellschaft beleidigt und demütigt nicht nur, sondern korrumpiert auch und sorgt mit vielen Vorkehrungen dafür, auch die Verlierer der Konkurrenz zu korrumpieren. Auch noch die Verlierer kommen gleichsam nicht zu kurz, indem z.B. Betroffenheitsbereichterstattung jeden Tag und ausführlich massenmedial verbreitet wird.
Was auch immer man Macht nennen könnte: dass so etwas gelingt, ist Macht, ist kein Menschenwerk, denn so etwas Unglaubliches durchzusetzen würde keinen glaubwürdigen Möglichkeiten von Menschen entsprechen; ist kein Hexenwerk, weil man nämlich, wenn man annehmen würde, dass Hexerei funktioniert, sie dann erklärbar und durchschaubar wäre und nicht weiter ginge. Aufklärung neutralisiert und narkotisiert mehr als sie erhellt. Und sie bleibt darauf angewiesen, dass immer genügend Undurchschaubarkeiten hergestellt werden, damit sie ihren Stolz behalten kann.

Was immer in der Wissenschaft als „empirisches Wissen“ anfällt, ist von dieser Ideologie, von diesem Vertrauen auf Menschenvermögen geprägt.