Das Spiel – empirisches Praktikum und politisches Handeln @pemoe

von Kusanowsky

„Die Dinge … haben latente Bedingungen, und Zeichen und Bezeichnetes fallen kategorial auseinander. Das sind die Betriebsbedingungen sozial- und kulturwissenschaftlicher Denkungsarten … Aber das Potential ist da. Damit müsste man spielen … nicht kindlich, sondern in dem Sinne, im Spiel zu sehen, was passiert, wenn man die Dinge neu ordnet, ohne sie festzuzurren …: die Möglichkeiten des Unterscheidungsgebrauchs nutzbar zu machen.“

Schreibt Armin Nassehi in einem Text über die Frage nach dem Verbleib der Ernsthaftigkeit des Arguments, wenn die Verführung zur Selbstsimplifizierung und Selbstnaivisierung sich erschöpft hat. Die Idee wäre tatsächlich mit dem Spielen anzufangen. Gemeint sind Spiele, die nicht auf Satzungen, vorgegebenen Regelwerken, verteilten Rollen, Aufpassern und Richtern beruhen, sondern Spiele, die ihre eigenen Möglichkeiten erst in Erfahrung bringen. Ein anderer Ausdruck dafür wäre, mit einem empirischen Praktikum anzufangen, das nicht das Ausfüllen von Formularen zum Ziel hat, das auch kein Zirkeltraining ist, um nach der Wurst zu springen.

Ich würde ein solches empirisches Praktikum als eine Form des politischen Handelns auffassen, mit der Pläne oder Ideen nicht durchgesetzt, sondern mit dem eine gleichsam archaische Einsicht wieder erweckt wird, nämlich die Frage nach dem Überleben zu stellen, also die Einsicht ernst zu nehmen, dass das Überleben keine Selbstverständlichkeit ist und auch misslingen kann.

Das wäre mal was anderes als das nervtötende Bedienen einer Spieluhr, deren Melodie man immer schon kennt. Wer meint, die ökologische Krise mit der Bedienung einer solchen Spieluhr bewältigen zu können, will von der Ernsthaftigkeit dieses Anliegens nichts wissen. Wer diese Sache aber ernst nimmt, kann keine Protestbriefe mehr schreiben, kann keine Demonstrationen veranstalten oder Unterschriftenlisten einsammeln. Statt auf Satzungen oder Vorschriften moralischer Natur zu pochen, ginge es um so etwas Banales wie „Erfahrung“, nicht um Gewissheiten, Wahrheiten oder Prinzipien. Erfahrung machen heißt nämlich, dass die Ergebnisse auch anders ausfallen können.

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