Protest und Macht @SimonsKehrwoche
von Kusanowsky
zurück: Der Protest-Strich
„Also Kinder: Schwänzt die Schule, geht auf die Barrikaden!“, schreibt Simons Kehrwoche, wissend, dass diejenigen, die damit angesprochen sind, sich nicht für die psycho-soziale Konfusionsproduktion eines weltfremden Akademikertums interessieren und zugleich bemerkend, dass diejenigen, die sich davon verwirren lassen, nicht zur Schule gehen müssen. Es ist also niemand gemeint. Niemanden geht das etwas an.
Nicht anders verhält es sich mit jeder Protestkundgebung. Protest, wird er im öffentlichen Straßenverkehr inszeniert, richtet sich an niemanden, denn diejenigen, die sich davon angesprochen fühlen, sind der gleichen Meinung und diejenigen, die sich trotzdem angesprochen fühlten sollten, lassen den Protest geschehen, weil sie ohnehin anderweitig beschäftigt sind.
Protest ist adressenlose Kommunikation, Protest ist ein Ruf in die weite Leere der Gesellschaft, Protest ist eine Inszenierung symbolischer Machtkommunikation: Man will etwas durchsetzen, es ist aber niemand erreichbar, der dem Durchsetzungswillen im Wege stünde. Die einen nicht, weil sie gern Platz machen, die anderen nicht, weil sie schon woanders sind. Symbolisch heißt hier: obwohl nichts durchgesetzt wird und auf diese Weise nichts durchgesetzt werden kann, geschieht es trotzdem. Die Verabredung, die nirgendwo eingegangen wurde, lautet: Besser das als gar nichts tun. Denn, so die Zwangsjacke einer Gesellschaft, die sich auf der Freiheit des politischen Subjekts sehr viel einbildet: Irgendwas muss man ja tun. Und wenn sonst nichts anderes übrig bleibt, tut man etwas nutzloses, wirkungsloses, weil man ja, sollte eben dies bemerkt werden, einfach anderer Meinung sein kann. Auf diese Weise wird wirksam sicher gestellt, dass sich nichts ändern kann, was logisch ist: Wie sollte sich etwas ändern können, wenn niemand etwas anderes tut? Die einen verabschieden Resolutionen, obwohl das nichts bringt, und die anderen protestieren, weil sie bemerken, dass so etwas nichts bringt.
Die politische Freiheit wird so in einer Zwangsgemeinschaft der Hilflosen in Erfahrung gebracht. Freiheit heißt dann hier, das Recht zu genießen, sich die Welt, für deren Erhaltung man sich vorhin noch empörend ins Zeug gelegt hat, am Ende des Geschreis egal sein zu lassen. Man protestiert und eilt nach Hause um im Fernsehen oder bei Facebook die Bilder zu sehen.
Es handelt sich um ein Uhrwerk, das sich vorhersehbar mit seinem Ablauf neu aufzieht. Und das alles nur, um die Hoffnung nicht zu verlieren, weil auf Angst auch niemand verzichten möchte.
Protest STRICH
Es gibt für alles einen Strich.
Manche scheuen vor dem schmuddel-wedelden Begriff und reden lieber von Linie, andere von Planke, ja sogar Leitplanke, wieder andere meinen, Schwarzmarkt sei der passende Begriff oder gleich gar die “rote Linie“, die niemand übertreten sollte, oder der Radweg, als Fahrrad-Strich.
Sieht man das alles im gesellschaftlichen Rahmen, so wird einem die Nähe des einen Symbols zu den Bedeutungen der anderen schlagartig und seltsam schockierend bewusst.
So betrachtet ist der Proteststrich auch sehr wohl eine rote Linie, die nicht überschritten werden sollte, oder eine Leitplanke, oder eben -wie der Artikel fast suggeriert, auch der Schwarzmarkt für Widerstand.
Schwarzmärkte entstehen bekanntlich stets, wenn der reguläre Markt sich verdünnisierte und nicht mehr auffindbar ist und das überhand nimmt. Schwarzmärkte waren immer – als Teil der gesellschaftlichen Realität – mehr oder weniger (gern)geduldet, da für seine Aufrechterhaltung und sein Funktionieren keinerlei zentraler Aufwand erforderlich ist, und nur gelegentlich als rote Linie behandelt, öfter jedoch als Leitplanke.
Der Schwarzmarkt muss sich an niemanden richten, er ist selber Richtung- meist für alle.
Ist das mal nicht mehr der Fall, so spricht man davon, dass in der Gesellschaft etwas nicht rund liefe, nicht gesund sei.
Schwarzmarkt bedarf auch keiner Adresse und keiner Kommunikation, da er – wie jeder Markt-
selber bereits Adresse wie Kommunikation ist, wenn auch eins für alle, wie sozial eigentlich.
Und ja, auch der Schwarzmarkt generiert sich so(wie jeder Markt) als eine Zwangsgemeinschaft der Hilflosen, warum auch nicht? Auch diesen marktgeprägten Zwangsgemeinschaften ist das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht abzusprechen.
Kein Produkt oder Gegenstand eines Schwarzmarktes erwartet, dass er als Ruf mit nach Hause genommen wird, sie wollen nur gebraucht werden entsprechend des aktuellen (Schwarz)marktwertes und dann ist es auch wieder gut, Angebot und Nachfrage eben.
Fehlt Protest, muss das Angebot z.B. auf dem Proteststrich gesteigert werden, auf dassdie Lage sich in der Nachfrage ändert.
Und so, lieber Kusanowsky, ist es denkbar, dass jeder Protest, der vom Strich wie der drumherum seine Marktrelevanz zu Markte trägt, sich also selbstgeframt dorthin adressiert, wo gerade die Bedarfslücke inszeniert oder nicht vermieden wurde.
Man könnte auch sagen, zu heftiger PROTEST der MACHT befeuert die MACHT des PROTESTES z.B. im öffentlichen Raum, auch wenn das nicht jeder Vorübergehende gleich erkennt.
Will ersterer bleiben, muss er letzteren freundlich begrüssen, am besten den Hut ziehen, wie seinerzeit beim Gessler …
Der grosse Proteststrich vergangener Zeiten in der Literatur …
Ich habe heute (Freitag) Vormittag einen (Re-)Tweet von Dir gelesen, den Du offenbar in Reaktion auf unsere Diskussion (gestern) geschrieben hast:
„Protest ist die triviale Frömmigkeitspraxis von Wohlstandsbürgern, die überall genügend Grund finden, sich über Defizite zu beschweren. Der Wohlstandsbürger hat alles was er braucht. Eben dieser Überfluss liefert den Anlass für Protest.“
https://twitter.com/kusanowsky/status/1106136740677513216
Soll das heißen: „Euch geht es einfach zu gut. Eure Probleme sind alle projiziert und eingebildet. Ihr kennt keine wahrhaftigen Probleme mehr und wenn ihr die kennen würdet, hättet ihr andere Sorgen.“ ..?
Die bitter reaktionäre und herablassende Haltung, die man in diesen Tweet hineinlesen kann, möchte ich Dir aber gar nicht unterstellen.
Ich gehe also davon aus, dass das nicht so kurzsichtig und verächtlich gemeint ist, wie es (unter Umständen) aufgefasst werden kann.
Eigentlich kommt mir das ja selber auch albern und fragwürdig vor, wenn Leute sich zusammenrotten und durch die Strasse ziehen, um schamlos (hin und wieder auch grölend) ihre politische Meinung kundzutun.
Protestieren hat von der Pose her etwas peinlich Groteskes & Absurdes…
( https://www.youtube.com/watch?v=pNx8fcne0AY )
Es wäre aber zu einfach und zu oberflächlich jede Form von Protest über einen Kamm zu scheren und zu verlachen.
Ich glaube, wir können uns auch darauf einigen, dass es offenbar zu oberflächlich und einseitig gedacht ist, wenn man behaupten möchte, die Anliegen, die Menschen zum Protest auf die Strasse treiben, könnte man lediglich als Symptome einer „Wohlstandsverwahrlosung“ abtun.
(„Wohlstandsbürger“ Moshe Silman ist mir vorhin noch dazu eingefallen: https://twitter.com/llenthalben/status/1106654426226253824
Aber man muss eigentlich nur an die jüngere Geschichte Südafrikas oder an Gandhi’s Befreiungskampf in Indien erinnern, dann wird es bereits schwieriger behaupten, den Leuten, die protestieren gehen, ginge es lediglich zu gut. Das meinst Du wahrscheinlich auch gar nicht…)
Aber was sind denn nun eigentlich die wesentlichen Argumente, die Deinen Ansichten zugrunde liegen?
„Es ist also niemand gemeint. Niemanden geht das etwas an.“
Du fühlst Dich angesprochen. Du reagierst…
Ich fühle mich angesprochen und nun eben auch genügend motiviert, um auf Deine Einwände zu reagieren.
Warum glaubst Du, dass „Protest“, „Meinungskampf“ oder „politischer Aktivismus“ durch die Bank hinweg sinnlos, absurd oder hinfällig ist?
Oben schreibst Du:
„Protest ist adressenlose Kommunikation, Protest ist ein Ruf in die weite Leere der Gesellschaft,[…]“
Wenn man das liest, könnte man meinen, dass Du selbst an der (quasi unerfüllbaren) Vorstellung hängst, es müsste in der Gesellschaft so etwas, wie ein objektives Zentrum der Aufmerksamkeit geben, an das man seine Anliegen richten könnte, um Gehör und Erfüllung zu finden.
Das ist sogar ein wichtiger Aspekt Deiner Argumentation gegen die „Lernunwilligkeit“ im Rahmen der „Meinungskämpfe“ im Netz und auf der Strasse, so wie ich das verstehe:
Du sprichst dahingehend oft vom „Weihnachtsmann“, an den man Briefe mit Wünschen schreiben kann, die dann erfüllt werden sollen.
Der „Weihnachtsmann“ hat aber keine (verbindliche) „Adresse“.
Du unterstellst sozusagen denjenigen, die versuchen durch „adressenlose Kommunikation“ ein Anliegen in die Gesellschaft zu tragen, dass sie einer grundlegend illusorischen, naiven Vorstellung anheim gefallen sind von der sie sich doch bitte trennen sollen, um einem wünschenswerten „Lernfortschritt“ Raum zu machen.
Dein geäußertes Unbehagen im Bezug auf die unterstellte Wirkungslosigkeit und Folgenlosigkeit von Protestaktionen scheint mir aber untrennbar verbunden zu sein mit dem Anspruch, dass wir unsere gesellschaftlichen Anliegen stets an ein Zentrum für verbindliche Wunscherfüllung zu richten haben, damit sich sich ein Erfolg oder eine Wirkung einstellen kann.
Da wir aber einsehen müssen, dass es ein „Häuschen vom Weihnachtsmann am Nordpol“ nicht wirklich gibt, bringt es also nichts politische Anliegen, gesellschaftliche Probleme und Wünsche zu formulieren und (öffentlich) äußern zu wollen.
Wenn ich das Argument der „addressenlosen Kommunikation“ also hinlänglich verstanden habe, dann verzweifelst Du eigentlich an Deinem eigenen enttäuschten Anspruch im Bezug auf die Unschärfe einer politischen Öffentlichkeit, die sich offenbar kaum mehr (verbindlich) herstellen lässt.
Wir leben in einer flachen, aber stark fragmentierten Welt.
Die Tatsache, dass wir derzeit aber überall im Netz und in den Massenmedien aktuell wieder mit Schülerprotesten zur drohenden Klimakatastrophe konfrontiert werden, sollte eigentlich genügen, um die Einsicht zu vermitteln, dass politischer Aktivismus und Protest-Aktionen durchaus nicht so einfach als folgenlos oder wirkungslos abzutun sind.
Du beziehst Dich hier und auf Twitter eben auch auf die #FridaysForFuture-Proteste.
In einem anderen Tweet machst Du Deiner unbezweifelbar enttäuschten Haltung gegen die gängigen Formen politischer Intervention überdeutlich Luft:
„[…] Protest ist Konformismus“
https://twitter.com/kusanowsky/status/1106500240880881666
Du schüttelst sozusagen verbittert den Kopf und schimpfst, die Leute seien angepasst und „lernunwillig“.
Aber was erwartest Du denn konkret?
Oder was enttäuscht Dich denn konkret?
Ich muss sagen, dass ich wirklich beeindruckt bin, wie klar und konsequent Greta Thunberg ihre Motivation, ihre Ansichten und Einsichten formuliert.
Ich habe Dir auf Twitter ein Video-Interview geschickt:
Ich sehe nicht, dass ihr Protest irgendetwas mit Wohlstandsverwahrlosung oder Konformismus zu tun haben soll.
+ HIER: https://www.zdf.de/nachrichten/heute/greta-thunberg-interview-auslandsjournal-100.html (!)
Greta Thunberg ist diagnostiziert mit dem Asperger-Syndrom.
Das ist vielleicht sogar maßgeblich für ihre Haltung und ihr Engagement.
Aufgrund ihrer Disposition fällt es ihr offenbar nicht so leicht, wie vielen anderen Menschen, logische Widersprüche und Ironie zu tolerieren.
Die Metapher einer „Weltbühne“ finde ich sehr hilfreich, wenn man nach einer (unauffindbaren) „Adresse“ sucht, an die ihr Protest gerichtet sein soll.
Sie hat zumindest ein „Publikum“ gefunden, das ihr zuhört.
Mit ihr auf der selben „Bühne“ stehen Leute in Positionen politischer Verantwortlichkeit. Greta Thunberg und ihre Mitstreiter stehen quasi vor dem selben Publikum wie diejenigen, die im Rahmen unserer gesellschaftlichen Vereinbarungen politische Verantwortung tragen. Diese Verantwortlichen sind nun herausgefordert konsequente Entscheidungen zu treffen oder zu klären, warum sie nicht willens oder in der Lage sind entsprechende Konsequenzen zu ziehen, um einer drohenden Katastrophe entgegenzuwirken.
Und das Publikum hat prinzipiell die Macht andere Leute auf die Bühne zu stellen, wenn die Leute, die aktuell oben stehen, an ihrer Aufgabe und Verantwortung scheitern.
Auf der Weltbühne wird uns also eine drohende Klimakatastrophe vermittelt, aber Konsequenzen bleiben aus. Wie kann man besser (souveräner und wirksamer) darauf reagieren, als Greta Thunberg das getan hat?
Es ist auch nicht so, dass man ihr unterstellen könnte, dass sie Probleme erfindet, weil es ihr zu gut geht oder weil ihr langweilig ist. Sie reagiert auf Probleme, die ihr offiziell zugetragen worden sind. Sie hat ihre Quellen sorgfältig geprüft und nun fordert sie konsequentes Handeln von den Institutionen, denen die entsprechende politische Macht und Verantwortung zukommt.
Und sie hat es nun unbestreitbar geschafft, eine gewisse „Öffentlichkeit“ herzustellen und Gehör zu finden. „Fridays for Future“ zeigt zweifellos Wirkung.
Trotzdem verzweifelst Du und schreibst:
„[…] Man protestiert und eilt nach Hause um im Fernsehen oder bei Facebook die Bilder zu sehen.“
Natürlich gibt es auch diejenigen, die lediglich nach einer Reibungsfläche suchen, an der sich irgendwie eine „Identität“ abzeichnen könnte, die sie sich gerne aneignen wollen. Es gibt auch Narzissten, die sich auf die „Bühne“ stellen, weil sie gerne glänzen und gesehen werden wollen.
Und vielleicht sind die sogar in der Überzahl.
Aber gerade die werden entlarvt, wenn sie sich die Bühne teilen müssen mit denjenigen, die es ehrlich meinen mit ihren Anliegen.
Wie wichtig die Anliegen sind, wird sich auch herausstellen, wenn wir nur die Bereitschaft entwickeln im Rahmen der uns gegebenen Möglichkeiten auf, vor und hinter der Bühne ehrlich und aufgeschlossen miteinander umzugehen…
Deswegen kann man nicht alles pauschal als belanglos abtun, was an den Rändern der politischen „Weltbühne“ passiert.
Es passiert etwas.
Und ich finde das immer noch spannend genug.
Wenn wir uns überdies wünschen, dass sich an der Form der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung etwas maßgeblich ändern soll, dann hilft es aber auch nicht viel, wenn wir und nur „Protest Zweiter Ordnung“ betreiben, indem wir uns herablassend und pessimistisch über die gängigen Formen sozialer Interaktion und Konfrontation beschweren… Dann geht es eben darum ganz konkret neue Wege und Möglichkeiten jenseits des Altbekannten zu erschließen… Was mag das sein?.. Wie kann das aussehen?
Die Geschichte hat doch gezeigt, dass Protest sehr wohl etwas bringt.
Welche Geschichte?
Die Südafrikanische Geschichte zur Überwindung einer Politik der Apartheid ist vielleicht ein anschauliches Beispiel, wie durch öffentlichen Protest, zivilen Ungehorsam, politischen Aktivismus in Kunst, Presse & Medien, Boykott & Arbeitskampf maßgebliche gesellschaftliche Entwicklungen befördert werden konnten.
(Dabei gab es in den 1950er-Jahren auch vermehrt Aufrufe zu gewaltsamen Aufständen und Terror-Aktionen, die der Anti-Apartheids-Bewegung jedoch eher geschadet haben, weil die Regierung dadurch wiederum Härte in der politischen Haltung und Gewalt bei der Intervention gegen Protestierende besser rechtfertigen konnte.)
Hier kann man nachlesen, was sich die Leute alles einfallen lassen haben, um dem Apartheids-Regime ein Ende zu setzen:
https://www.nonviolent-conflict.org/anti-apartheid-struggle-south-africa-1912-1992/
Protest and Persuasion
Mass demonstrations, marches;
– Public declarations such as The Freedom Charter, adopted at the Congress of the People, Kliptown, on 26 June 1955;
– Funeral marches and orations as occasions for protesting apartheid and remembering victims of repression, especially when demonstrations were banned;
– Alternative press and advertising;
– Affidavits as a way of circumventing censorship (e.g., the South African Catholic Bishops Conference used affidavits for a book, Police Conduct During Township Protests in 1984);
– Memorials and anniversaries (e.g., church bells rung and vigils were held to commemorate 1960 Sharpeville protestors shot by police, and Soweto Day was declared to commemorate the 1976 uprising);
– Lighting candles every night during the Christmas season;
– Music was a major feature of the South African movement—singing, dancing, and chanting freedom slogans was common;
– UN General Assembly Resolutions;
– A register of Artists, Actors and Others who have performed in South Africa was created as part of an international cultural boycott;
– Symbolic clothing: Green, black and gold clothing symbolizing the banned ANC, and was worn even in court during trials; Wearing ANC t-shirts; A black armband worn in Parliament by Independent MP Jan van Eck mourning 40 years of National Party rule;
– Naked protest parade of 200 men and women against an exhibition of electronic weaponry in 1982;
– “Services of witness” called by Archbishop Tutu inviting “banned” resisters to participate;
– University students in 1987 used chairs to form a profane word large enough to be read by a circling police helicopter (a photograph appeared in the Weekly Mail);
– Flag burning, replacing the South African flag with the ANC flag;
– Graffiti: political slogans in public places to circumvent censorship;
– Humor: protestors wearing “Stop the Call-up” t-shirts to protest conscription were ordered to stop building a sand castle on the beach, leading to jokes about such activities as subversive
– Religious pilgrimages and worship services;
“Keening”—public weeping and wailing by women outside the gates of parliament;
– Kneeling—marchers fell to their knees and begged the police to withdraw from their township; after negotiations, a woman leading the protest asked the crowd to turn back and the commanding officer withdrew his troops;
– Motorcades (e.g., buses, vans, and cars would drive into a city center during a boycott of white shops);
– Negotiations with political officials as pressure from international and domestic anti-apartheid forces reached its apex.
Noncooperation
– Strikes and “stay-aways” organized by labor groups, especially the Congress of South African Trade Unions;
– Economic boycotts such as those organized by Mkhuseli Jack and others in Port Elizabeth;
– School boycotts;
– International sanctions, divestment, and boycotts;
– Sports and cultural boycotts;
– Rent boycotts;
– Establishment of alternative institutions – e.g. The National Education Crisis – Committee; Street committees and area committees; People’s courts; Alternative parks named after movement heroes (e.g., Nelson Mandela Park, Steve Biko Park);
– Inter-racial bridge-building, social visits as social disobedience;
Civil disobedience
– A South African Council of Churches resolution (July 1987) questioned the government’s legitimacy and laws such as the Group Areas Act, the Education Acts and the Separate Amenities Act
– Use of an alternative birth registration system advocated by the South African Council of Churches defying the Population Registration Act;
– The United States Chamber of Commerce proposed a civil disobedience program for businesses in South Africa;
– Hunger strikes by political prisoners (1989) resulting in the release of hundreds of detainees and increased caution in detention without trial;
– Refusal to serve in the South African military (leading to arrests of conscientious objectors);
– Informal “Unbanning” of themselves by resisters who had been banned by the regime (which restricted their travel and activities and required them to report to authorities periodically as well as prevented the press from quoting them);
– Clergy married couples forbidden to marry by the Prevention of Mixed Marriages Act
– School officials allowed non-white or mixed-race students to enroll in their all-white schools
Nonviolent Intervention
– Archbishop Desmond Tutu led a protest march to a whites-only beach in the Western Cape (1989);
– Non-whites showed up at white hospitals and medical stations for medical treatment;
– The National Union of Mineworkers promoted a lunchtime sit-in at an all-white canteen, and had black African workers use whites-only changing rooms and toilets, buses, as part of the 1989 Defiance Campaign;
– Marching without permits
– When “Run for Peace” joggers were ordered to disperse, they did so by running away from the police but along the planned route (1985)
– Picnicking at the whites-only Boksburg Lake in defiance of apartheid regulations
Ich bewundere die Hartnäckig der Leute auf diesem langen, schwierigen Weg heraus aus der gesellschaftlichen und politischen Ausgrenzung und Unterdrückung.
Und die Wirkung dieser langen Geschichte von Aktionen und Protesten zur gesellschaftlichen Befreiung und politischen Beteiligung der farbigen Bevölkerung in Südafrika ist zumindest nicht einfach von der Hand zu Weisen. (Auch wenn dieser Weg sicher immer noch nicht völlig abgeschlossen ist.)
Ich will auch gar nicht annehmen, dass Du all die gesellschaftliche Anliegen, die die Leute unter anderem eben auch zum Protest auf die Strasse treiben, pauschal belächeln oder verächtlich herunterspielen möchtest, auch wenn man das in Deine Tweets so hineinlesen kann.
„Protest ist die triviale Frömmigkeitspraxis von Wohlstandsbürgern“:::
https://twitter.com/kusanowsky/status/1106136740677513216
(Im Hinblick auf die Geschichte Südafrikas wirkt die Aussage schon deutlich verfehlt oder zumindest zu kurz gegriffen…)
Wenn Du Protest und politischen Aktivismus als „Konformismus“ abtust, dann steht dahinter doch eine Klage, die man vielleicht auch konstruktiv auffassen kann.
https://twitter.com/kusanowsky/status/1106500240880881666
Selbstverständlich kann man einsehen, dass sich Protest in gewisser Hinsicht an Strukturen der Macht und der institutionellen Verwaltung wendet,
Strikte Machtpolitik wird gesellschaftliche Probleme an der Außenseite nur dann wirklich ernst nehmen und nur dann konkret in Aktion treten, wenn die eigenen Institutionen in ihrer Legitimation bedroht oder maßgeblich infrage gestellt werden. Davon muss man wohl ausgehen.
Da die Strukturen der politischen Macht und Verwaltung auch nicht einfach ihre eigene Überforderung bei der Lösung schwieriger sozialer Probleme und Krisen eingestehen können, werden Klagen und Beschwerden eben oft nur verwaltet und nicht etwa konkret bewältigt.
Wenn in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings ein wiederholtes, drastisches Scheitern von politischen Verantwortlichen im Bezug auf die Bewältigung konkret vermittelbarer sozialer Probleme kommuniziert werden kann, so droht den Verantwortlichen ein Machtverlust.
Wenn eine gewisse Schwelle in der öffentlichen Wahrnehmung überschritten wird, dann sind politisch Verantwortliche gefordert und gezwungen Schritte in Angriff zu nehmen, die einer Bewältigung gesellschaftlicher Krisen und Probleme (gemäß einem kommunizierten Narrativ) entgegen kommen.
Und das sehe ich auch so im Bezug auf die aktuellen Schülerproteste „Fridays for Future“.
Greta Thunberg hat in der Schule gelernt, dass wir einer humanitären Katastrophe ins Auge blicken, weil wir durch den messbar drastisch erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen die empfindliche Homöostasis (oder „Homöodynamik“) der Erdatmosphäre aus dem Gleichgewicht bringen.
Vielleicht aufgrund ihrer besonderen neuronalen Disposition fällt es ihr offenbarer schwerer als anderen Menschen, die Ironie oder Inkonsequenz ausbleibender politischer, kultureller und gesellschaftlicher Konsequenzen tatenlos hinzunehmen.
Sie wird von ihrem Gewissen getrieben, daheim Energie zu sparen, wo es möglich ist. Ihr Interesse an dem Problem motiviert sie Bücher zu lesen und wichtige Informationen einzuholen.
Letztlich treibt sie ihr Gewissen auf die Strasse.
Sie fordert einfach nur konsequentes Handeln.
Das halte ich für ein legitimes, gut vermittelbares Anliegen, jenseits von narzisstischen Weltrettungs-Phantasien.
Und erstaunlicherweise gelingt es ihr Gehör zu finden.
Ihr Protest und Aktivismus wird im Netz und von den Massenmedien aufgegriffen… Souverän und selbstbewusst hält sie überzeugende, schlagkräftige Reden und Vorträge vor offiziellen politischen Versammlungen, etc… usw…
So könnte man sagen:
„Greta Thunberg protestiert, weil sie behindert ist und mit Ironie & logischen Widersprüchen nicht umgehen kann.
Auf der Weltbühne wird uns eine drohende Klimakatastrophe vermittelt, aber Konsequenzen bleiben aus. Ihre Konfusion treibt sie mit auf die Bühne.“
(https://www.zdf.de/nachrichten/heute/greta-thunberg-interview-auslandsjournal-100.html)
Und die genannte Metapher einer „Weltbühne“ finde ich durchaus treffend und sinnvoll, besonders wenn man verzweifelt nach einer (verbindlichen) „Adresse“ für den Protest sucht, die man nicht finden kann.
(Den „Weihnachtsmann“ brauchen wir dabei doch gar nicht.)
Aber wenn Dir das tatsächlich so widerstrebt, dass Leute protestieren gehen, um ihren Anliegen Beachtung und Aufmerksamkeit in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit zu verschaffen, dann frage ich mich, ob Du nicht wirklich bessere Ideen hast, auf die Du uns aufmerksam machen möchtest.
https://twitter.com/kusanowsky/status/1106157851632902144
Wie könnte man Deiner Ansicht nach das Spiel der sozialen Kommunikation über Probleme und deren Lösung besser weiterspielen oder wie könnte man aus dem „Hamsterrad“ heraustreten, in dem Du uns gefangen siehst..?