Lernen als Machtspiel 6 ökologische Krise 2

von Kusanowsky

zurück / weiter:

Eine ökologische Krise ist niemals beendet worden, sondern wurde in ihrem Ausmaß seit der Industrialisierung immer größer, wurde immer monströser und trat immer aufdringlicher in Erscheinung. Ich kann mich an die Zukunftszenarien erinnern, die in den 80er Jahren wegen des sauren Regens und des Waldsterbens verbreitet wurden. Als Teenager, ich war in der Mitte der 80er Jahre 15 Jahre alt, bekam ich Bilder zu sehen über abgestorbene Wälder in den nächsten 30 Jahren und und es gab ausführliche Berichterstattung über die verheerenden Folgewirkungen. Dazu kam 1986 Tschernobyl und die vielen Chemieunfälle der Industrie. Es war alles ganz schlimm. Dann kam in den 90er Jahren das Ozon-Loch über der Antarktis. Schlimmer geht’s nicht mehr, so die Berichterstattung. Es wurden irgendwelche chemischen Produkte verboten, aber dann war nicht alles gut, sondern es kam noch schlimmer. Schon um die Jahrtausendwende kam die Erderwärmung auf und wie immer konnte es nicht schlimmer kommen. Zwischendurch gab es natürlich keine Pausen, sondern es gab Nebenkatastrophen: Die Verseuchung der Böden, des Grundwassers, der Luft, das Artensterben, die Verwüstung in Afrika, der Raubbau in Südamerika und Indonesien; es gab immer wieder die eine oder andere Ölpest, Gift im Kinderspielzeug, in der Kleidung, in Baustoffen, das Anwachsen der Müllberge in der Dritten Welt. Und jetzt neu: Insektensterben und Mikroplastik in den Menschenkörpern.  Alles ganz schlimm.
Und immer wieder werden diese Ängste auf die gleiche Weise abgefeiert: Experten anrufen; Gesetze, die etwas verbieten, beschließen; den Leuten ins Gewissen reden, protestieren, demonstrieren und Stimmung machen, um den virulenten Ängsten etwas an Hoffnung entgegen zu setzen. Der pessimistische Beschluss lautet nun, dass das so weiter gehen soll: Die Problemsituation verwissenschaftlichen, also Experten ausbilden; Parteiprogramme neu schreiben oder eine neue Partei gründen; allgemein: Macht organisieren, um etwas dagegen zu machen.

Die Erfahrung besagt aber, dass all diese Versuche, etwas dagegen zu machen, noch niemals einen Fortschritt erbracht haben. Im Gegenteil. Mir scheint, dass diese Versuche, etwas dagegen zu machen, nicht nur gar nichts helfen, sondern mehr noch dazu beitragen, den gesellschaftlichen Lernprozess der Lösungsfindung zu verweigern. Diese Weigerung ist aber kein Vorhaben, kein Plan, keine Absicht, kein Defizit, das sich aus einem Mangel an politischem Willen ergibt, sondern ist das Kennzeichen einer strukturellen Hilflosigkeit der Gesellschaft.

Woraus resultiert diese Hilflosigkeit? Die Hilflosigkeit ist der Klammergriff ihres Erfolgs.

Fortsetzung

 

Advertisements