Lernen als Machtspiel 4 Verhältnis von Schüler und Lehrer 3

von Kusanowsky

 

zurück /weiter: Lehrer bekommen für ihre Tätigkeit Gehälter, allgemein: Lebenschancen verbindlich garantiert, Schüler nicht, obgleich sie sich genauso engagiert für das Zustandekommen einer Lernsituation engagieren. Die Schüler arbeiten in den Schulen ehrenamtlich und verzichten großzügig auf verbindliche Zusagen über Lebenschancen. Wo sollten diese Garantien auch herkommen? Diese Frage kann nicht beantwortet werden, weil die sozialgenetische Struktur der Erziehung eben diese Frage vermeidet und eine andere präferiert.
Aus autoritären Verhältnissen entstanden ist das Erziehungswesen nicht deshalb, weil es ehedem Herrschaft und Knechtschaft organisierte, sondern Loyalität. Loyalität gegenüber der wahren Religion, gegenüber der Nation und dem Staat früher, heute gegenüber den illusionären Versprechungen einer Wohlstandsgesellschaft, die großspurig und breitflächig Individualität und Freiheit verspricht und froh ist, wenn es Geld gibt, um diese ganze Angeberei zu finanzieren. Alle Forderungen, die man nur stellen kann, sind legitim, alles Für und Wider kann jederzeit besprochen werden, aber wenn es zum Schwur kommt, muss die Frage beantwortet werden, ob’s bezahlbar ist. Alles andere ist dann nebensächlich. Die Gesellschaft will alles, hat aber kein Geld.
Die Gesellschaft kennt nur noch eine ernstzunehmende Sorge, nämlich die Beschaffung von Geld; sie ist die glücklichste, die man sich vorstellen kann. Wenn man nur Geld hat, geht alles. Wenn das so ist, dann ist fast alles aufs beste eingerichtet.

Ein kleines Beispiel aus meiner Nachbarschaft. Ich wohne in einem hessischen Dorf in einer Gegend, von der man gewiss nicht sagen kann, dass sie ärmlich ist. Vor einigen Jahren kam im Gemeindeparlament der Vorschlag zu Sprache, auf dem Dorf einen Jugendraum zu eröffnen, also eine Art der Jugendbetreuung für die Zeit nach der Schule. Der Halbtagsknast sollte in einen Volltagsknast verlängert werden. Eine gute Idee. Mit großer Wichtigkeit wurden deshalb Argumente dafür vorgetragen, warum so eine Einrichtung dringend gebraucht würde, interessanterweise gab es aber keine Jugend, der das wichtig gewesen wäre, sondern nur ansässigen Pädagogen, die meinten, dass dies eine dringende Gemeinschaftsaufgabe sei. Es wurde alles an Argumenten aufgebracht, was man sich in moralisch-pädagogischer Hinsicht nur vorstellen kann, Förderung von Gemeinschaftssinn und dieser ganze Quark. Da schließlich niemand der Übermacht dieser aufgeklärten Menschenmoral widerstehen konnte, musste man nachgeben. Es wurde am Ende nur noch die Frage gestellt, wie das finanzierbar sein sollte, womit der Fall erledigt war. Niemand war dafür zuständig, die Frage zu beantworten. Weder die Sorge um die Jugend, noch die Sorge um die Moral war für beide Seiten eine entscheidende Sorge, sondern die Sorge um das Geld. Und einstimmig mussten sich schließlich alle der Tatsache beugen, dass es in einer Wohlstandsgegend wie dieser zu wenig Geld gibt.
Wer das Machtspiel anfängt und nichts anderes gelernt hat, als damit zurecht zu kommen, wird schließlich durch das Machtspiel selber matt gesetzt.
Das System ist korrupt, ein Komposthaufen, mit dem man am  besten das macht, was man mit einem Komposthaufen machen sollte: warten, bis er verrottet ist. Das ergibt einen schönen Nährboden für die Zukunft.

Bis es soweit ist, könnte man ja mal etwas anderes ausprobieren, nämlich anstelle von Machtspielen, Lernspiele zu üben, mit denen erkennbar wird, wie Schule, Unterricht und  Weiterbildung als politisch-ökonomische Plastik funktioniert, in der es sich für Lehrer und Schüler lohnt, sich für einander zu engagieren, ohne Zwang auszuhalten und Loyalität zu erpressen.

Ob das geht?

Fortsetzung

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