Politische Erfahrung 3

von Kusanowsky

zurück / Fortsetzung: Von der geordneten Erfahrung ist die ordnende Erfahrung, gemäß Formular x8/12,223-2015,pp99\6-45.01 streng zu unterscheiden und darf auf keinen Fall verwechselt werden, sonst gerät alles durcheinander. Die geordnete Erfahrung schlägt sich nieder in „positivem Wissen“ (aka überprüfbare Fakten), in erprobten (20) Methoden, in kontrollierbaren Routinen, in aufsuchbaren Ordnungen und ihren vorhersehbaren Abläufen. Geordnete Erfahrungen neigen dazu, die Struktur ihrer Ordnung zu übertreiben. Ich nenne das (19) Hyperbolisierung, was sich in der Produktion von Überschuss oder Überfluss bemerkbar macht.

Die gemäß dieser Unterscheidung funktionabel gemachten politisch-ökonomischen Ordnungsinstanzen sind Staat und Markt. Wann immer irgendwo etwas geplant, etwas geleistet, etwas produziert, verhindert oder ermöglicht werden soll, werden diese beiden Ordnunginstanzen aufgerufen. In der ideologischen Rechtfertigung werden diese Ordnungsinstanzen von Liberalismus und Sozialismus geteilt. Der Liberalismus ist skeptisch gegen staatliche Zwänge und vertraut dem Egoismus; der Sozialismus vertraut staatlichen Zwängen und ist misstraut dem Egoismus.
Genauso wie Staat und Markt für ihr zuverlässiges funktionieren auf einander angewiesen sind, sind die ideologischen Rechtfertigungen auf einander angewiesen, damit für das Scheitern von Erwartung die Ursachen jeweils fremdreferenziert werden können: Alles Scheitern staatlicher Zwänge wird dem Liberalismus, alles Scheitern der Versprechungen der Märkte wird dem Staat als Schuld angerechnet, um sich selbst dann als die richtige Ideologie anzubieten. Dieses kreuzweise Verweisen führt zu unterschütterlichen Gewissheiten, die man daran ablesen kann, dass eine jede Partei sich an diesem Schema ausrichtet um es zu erneuern. Die letzten bekannten Versuche in Deutschland sind die Piratenpartei und die AfD.

Die Stabilität dieser Ordnungsinstanzen wurde im Lauf der letzten ca. 200 Jahre gesellschaftlich geordnet, indem alles Scheitern von Erwartungen selbst wiederum zum Erwartungswert wurde, was dazu führte, diese beiden Ordnunginstanzen mit jedem Generationendurchlauf zu stärken. Die ordnende Erfahrung, also das Scheitern, das Versagen, die Irrtümer, die Verbrechen, Fehlleistungen irgendwelcher Art wurden in geordnete Erfahrung umgeändert. So kommt es, dass man der AfD einen Faschismus-Vorwurf macht, weil gerade durch die beständige Erinnerungsarbeit in Vergessenheit geraten ist, was Faschismus ausmacht, nämlich staatlich organisiertes Verbrechen, das nur dann möglich ist, wenn die „Wurmkur“ des Faschismus noch nicht durchlaufen wurde. Zurück gebliebene Gesinnungen wie sie in der AfD zirkulieren sind aber weder ein Verbrechen, noch kann man mit Gesinnung allein Verbrechen organisieren. Stattdessen redet man einfach von Faschismus und meint, genau zu wissen, worum es dabei geht. Tatsächlich ist dieser Vorwurf genauso zurück geblieben, beides, das nationale Geschrei wie das Gegengeschrei sind politische Folklore einer leerlaufenden Routine.

Solche und viele andere Phänome der gesellschaftlichen Überflussproduktion sind überall anzutreffen. Dieser Überflussproduktion entsteht, wenn Bekanntes, also geordnete Erfahrung, mit Mitteln behandelt wird, die sich aus dieser Ordnung ergeben, die diese Erfahrung zustande gebracht hat, weshalb eine Ordnung immer nur auf sich selbst verweist. Das Sinnbild dafür ist das Hamsterrad der Gesellschaft.

Fortsetzung

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