Schwierigkeiten der Erfahrung

Die erste Schwierigkeit sehe ich darin, zwischen bekannten und erkannten Problemen zu unterscheiden. Bekannte Probleme sind bekannt gewordene Probleme und bleiben immer unerkennbar, solange die Bekanntheit der Probleme durch genau jene Mittel bearbeitet wird, die im Prozess des Bekanntwerdens selbst bekannt wurden. Das führt dazu, dass nur die Bekanntheit der Probleme gerettet und die Erkennbarkeit, also ihre Lösung, vermieden wird.
Genau das beschreibt den aktuellen Stand der Dinge: überall nur bekannte Probleme und bekannte Mittel ihrer Bearbeitung. Man könnte auch sagen: Eben diese bekannten Routinen des Bekanntmachens und Vertrautwerdens mit Problemen stellen die gesellschaftlichen Lösungen für diese Probleme dar, denn mit diesen Routinen wurden sie in Erfahrung gebracht. Diese Routinen stellen sich nunmehr selbst als Hindernisse dar. Das mit ihnen erzeugte Wissen produziert eine Lernbehinderung. Der Gegenlicht-Effekt: man sieht nichts, weil es zu hell ist.
Das aktuell wissbare Wissen ist eine Lernbehinderung.  Die Lernbehinderung ist eine Überinformiertheit. Man weiß zu viel, kann zu viel, bezeichnet als: Triviale Genialität. Das ist ein trickle-down-Effekt der Struktur der modernen Wissensproduktion. Wir sind alle superklug, aber weil wir alle superklug sind, neigen wir zur Selbstverblödung, wenn diese entwickelten Routinen dieses Klügerwerdens immer nur weiter bedient werden. Deshalb brauchen wir gleichsam eine „Sonderpädagogik“ für alle.

Die nächste Schwierigkeit sehe ich darin, bekannt gewordene, aber unerkennbare Probleme durch noch einigermaßen unbekannte Probleme zu ersetzen, die man daran erkennt, dass man kaum geeignete Mittel zu ihrer Bearbeitung hat. Denn die Mittel, Wege, Methoden oder allgemein die Verfahrensweisen, die Dispositive der Behandlung von Problemen müssen auch erst erforscht, erarbeitet und erlernt werden. Wer also nicht weiß, wie das geht, kommt als Lehrer oder als Berater in Frage. Die Schwierigkeit ist: Wie lernt man von denen, die es auch nicht besser wissen?

Die Behandlung dieser Frage sehe ich als ein politisches Problem, das nicht den bekannten Ansprüchen an politisches Handeln entsprechen kann.

Fortsetzung

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