Differentia

Monat: Juli, 2018

Die Gründung der Akademie für Soziologie ist richtig

Die Gründung der Akademie für Soziologie ist richtig. Richtig heißt: Der Machtkampf um das wahre Wissen wird noch einmal aufgenommen, weil es nicht anders geht. Niemand weiß mehr, welche Diskussionen über die Objektvität der sozialen Welt vor 150, vor 100, vor 50, 30 oder 10 Jahren geführt wurden (nämlich immer die selben!), weshalb man immer noch glauben will, eine Soziologie könnte positives Wissen darüber herststellen. In den letzten 150 Jahren hat das nicht geklappt; und dass der Grund bei einem Mangel an Forscherneugier, Engagement, Kreativität, Nachdenklichkeit, theoretischen wie praktischen Fleisses zu suchen sei, ist albern. Aber egal. Erfahrung spielt nicht immer die entscheidende Rolle.
Bis heute hat keine Soziologie den Katalog des positiven Wissens um objektive soziale Sachverhalte (mit Ausnahme von nebensächlichem Allgemeinwissen) bereichert. Nichts, nicht einmal die elementarsten Begriffe wie Handlung, Meinung, Struktur, Schicht, Gruppe, Gesellschaft oder Wahrheit, sind soziologisch jemals so geordnet worden, dass sie hinreichendes Wissen, das ungeprüft bleiben kann, garantieren könnten. Stattdessen fängt jede Generation mit allem immer wieder von vorne an. Jetzt also noch einmal:

„Die soziale Realität ist grundsätzlich erkennbar und besteht von Einzelansichten und Hypothesen unabhängig. Dass gleichwohl jede soziale Realität von Subjekten konstruiert wird, widerspricht dem nicht, sondern weist auf die Bedeutung von Theorien und Paradigmen für jede Wissenschaft hin. Deshalb kann auch die soziale Realität mit wissenschaftlichen Verfahren – wie sie für alle Wissenschaften gelten – beschrieben, theoretisch erfasst und erklärt werden.“

Soziologie soll also normativ als eine Wissenschaft wie jede andere betrachtet werden. Und dass sie empirisch nichts, was man als positives Wissen deklarieren könnte, je zustande gebracht hat, sei nur einem Mangel an wissenschaftlichem Engagement geschuldet? Abgemacht. Wenn es so ist, dann muss es wohl so sein. Aus diesem Grunde ist die Gründung der Akademie für Soziologie ein richtiger, weil konsequenter Schritt. Wo nicht gelernt werden kann, weil Selbsterfahrung nicht berücksichtigt werden muss, wer keinen ausreichenden Begriff für Gesellschaft hat, organisiert Macht um wahres Wissen und setzt Interessen durch. Anders geht es nicht.

Darum: Weiter machen!

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Medieninnovation als Überfall 6 schöpferische Zerstörung

Maschinensturm, Zerstörung eines Webstuhls (1812) Wikipedia

Am Anfang war die Immunreaktion. Bildersturm – Maschinensturm – Shitstorm. Man darf nicht darüber nachdenken. Und allen, die es dennoch tun, sei angelobt: Es macht nichts.  Einfach weiter machen. Das stört kaum jemanden.

Aber im Ernst: Am Anfang war das Nichtwissen über die Zukunft. Am Anfang steht das Weitermachen wie bisher, weil man sich etwas anderes nicht vorstellen kann? Die Maschinenstürmerei des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts war bereits ein Zitat. Zitiert wurde der Bildersturm der Reformationszeit, aber es ging nicht mehr um das Seelenheil eines gnadenbedürftigen Sünders; jetzt ging es um Rechte: Wenn schon nicht mehr Untertan, der unfrei ist und zu gehorchen hat, dann ein gleichberechtigter Bürger, der mitbestimmen darf.

Das ging aber nicht. Märkte erfordern Organisation. Wenn eine Gesellschaft alles, was sie produziert, zum Tausch anbietet, dann müssen auch alle Beteiligten etwas haben, das sie tauschen können. Aber wo sollen sie das her haben? Organisation (und ihre Durchsetzungsfähigkeit) kann nicht geplant werden.

Am Anfang war also die Tat, die Widertat, die Aktion?

Dass auch der Maschinensturm, von dem bald eine organisierte Sozialdemokratie nichts wissen wollte, eine fortschrittliche Sache ist, zeigt sich daran, dass mit ihm Organisation wahrscheinlicher wurde. Die frühen Maschinenstürmer hatten Maschinen zerschlagen und die Menschen am Leben gelassen. Schöpferische Zerstörung.

Am Anfang ist die Kreativität des sozialen Sinns von Medieninnovationen.

 

Fortsetzung folgt.

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