Differentia

Monat: Januar, 2018

Männlichkeit

Männlichkeit ist von Bedeutung. Was Männlichkeit bedeutet ist dabei gar nicht so wichtig. Denn wie immer man die Frage nach dem Was von Männlichkeit beantworten wollte, stets bleibt Relevanz von Männlichkeit erhalten. Woraus aber bezieht die Zuordnung „Männlichkeit“ ihre Relevanz? Was macht Männlichkeit bedeutsam? Ich tippe auf eine gesteigerte und sozial ausdifferenzierte Akkumulation von Inkommunikabilitäten (Ansammlung von Unaussprechbarkeiten), die sich aus den Konkurrenzverhältnissen (und nicht, wie marxistische Soziologen gern sagen: Produktionsverhältnissen) einer Sozialordnung ergeben, in der keiner eine Chance hat, sich um sich selbst zu kümmern, wenn nicht eine ganze Gesellschaft bienenfleißig alles notwendige bereit stellen würde, um einem Leben eigensinnig nach gehen zu können. Wer über sein Leben selbst bestimmen will, braucht nicht etwa die Hilfe anderer Menschen, sondern die einer ganzen Gesellschaft, weil nur sie leisten kann, was Menschen nicht können: der Paradoxie zu entkommen. Dass das vorhersehbar klappt, kann man an der ständigen Forderung nach Selbstbestimmung ablesen. Niemand kann über Selbstbestimmung selbst bestimmen. Und niemand kann diese Forderung erfüllen, was aber nicht heißt, dass Selbstbestimmung versagt bliebe. Es bleibt nur ungeklärt, wie sie gelingt. Darum lässt die Gesellschaft Konkurrenz zu.

Alle sind in Konkurrenz verstrickt und keiner kann so einfach die Bereitschaft haben, darauf zu verzichten. Konkurrenz verstehe ich dabei nicht als einen Ausstechungswettkampf, bei dem die Tüchtigesten gewinnen, sondern als ein parasitäres Verhältnis der sozialen Sinngebung von Handlung, das eine Struktur der wechselseitigen Störung und Störungsbereitschaft selektiv präferiert, die eben genau das zuwege bringt, was durch konkurrentes Handeln der Beobachtung entzogen werden soll: dass man es nämlich mit sozialer Realität zu tun hat. Auch Konkurrenz ist eine Sozialleistung, auch Konkurrenz braucht eine soziale Ordnung ihres Gelingens, die – wie jede andere – einschließt, dass sie auch scheitern kann. Und um dieses Scheitern zu erschweren, sucht sich eine solche Ordnung „Beschwerungsgründe“ und verankert sie abruffähig und wiederauffindbar in ihrer Menschenumwelt. Ein Ausdruck dafür könnte sein: Stigmatisierung.

Eine sehr gute, weil ansteckungsfähige Beschwerungsgrundproduktionsstrategie ist die Klage über Ungleichheit, Ungerechtigkeit, Unrecht, Übervorteilung und anderes mehr. Wer in Konkurrenzverhältnissen verstrickt ist, findet keine Harmonie des Gelingens, sondern nur Störmanöver gegen Störmanöver, welche dadurch, dass sie aneinander ausgerichtet sind und sich für einander ansprechbar machen, Inkommunikabilitäten akkumulieren; Störmanöver, die beinahe alles von jenem Sinn vernichten, der dazu geeignet wäre, die Konkurrenz zu beenden. Die moderne Gesellschaft hat sich ausgedacht, niemandem grundsätzlich die Beteiligung an Konkurrenz zu versagen, was konsequenterweise heißt: eine weitgehende Gleichverteilung von Beschwerungsschancen sozial bereit zu stellen.

So spricht nichts dagegen, Männlichkeit als Stigma zu konstruieren. Je weniger das Was der Männlichkeit aussprechbar ist, umso besser gelingt es, eine Stigmatisierung vorzunehmen. Männlichkeit als das Verhalten von Arschlöchern zu apostrophieren trägt, gerade weil es nichts zur Sache tut, ideal zur Sache bei. Die Sache ist nämlich Konkurrenz, die Verstrickung verhindert vorzüglich eine Aufdeckung von Stigmatisierungsvorgängen. Zur Ruhe kommt niemand.

Und Gewinner gibt es auch nicht.

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(47) Midas-Code bis (50) Dokumentform

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(47) Midas-Code. Alles was König Midas anfasste, verwandelte sich in Gold. Also lebte er einsam und wurde immer dümmer. Erfolgreiche Rechtfertigungsstrategien bilden ihre Strukturwerte zu einem Midas-Code aus. Bedingung dafür: Immunität gegen jede Art der Grenzverletzung und Trivialisierung ihrer Formen. In der Wissenschaft macht sich der Midas-Code in der Sokalisierung ihrer Wissensform bemerkbar, weil und solange sie ihre Handlungsform nur als Rechtfertigungsproblem auffasst. Rechtfertigungen für wahres Wissen werden immer gefunden.

(48) Persuasion meint Kommunikation von Überzeugung, Überzeugtheit und macht Überredung durch Manipulation erwartbar.

(49) Die Differenzierungsform einer „nächsten Gesellschaft“ (55) (Dirk Baecker) ist unbekannt. Baecker behauptet allerdings sie schon zu kennen: Netzwerk-Differenzierung.

(50) Erkenntnisse dieser Art entspringen den Routinen der akademischen Literaturverwaltung, die sich aus der Dokumentform ergeben.

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