Was viele nicht wissen ist … #twitter

Twitter ist „ein schwarzes Loch einer werte-zerstörenden Technologie für alle Beteiligten.“ Das schreibt ein Professor, der sich damit auskennt. Das kann man hier nachlesen und ist möglicherweise nicht als Satire gemeint.

Was mich an solchen Schundkampfbeiträgen immer wieder beeindruckt, ist diese weltverlorene Gelassenheit, mit der die höchsten Gefahren für den Fortbestand der Zivilisation angekündigt werden. Es steht angeblich alles auf dem Spiel, aber der Gelehrte sitzt ruhig vor dem Bildschirm und hat eine Meinung. Der soziale Sinn solcher Texte, die die Pose kritischer Vernunft einnehmen, ist nicht mehr Aufklärung, ist nicht mehr Belehrung, noch weniger Argumentation oder Erfahrungsausstausch. Es geht um nichts mehr. Sogar die Abscheu langweilt sich und findet darin ihre Bequemlichkeit.

Auch das, scheint mir, ist ein Grund, warum Twitter, bzw. social media so erfolgreich ist: die weltfremde Geschwätzigkeit einer medientechnologischen Urteilslosigkeit provoziert auf der Rückseite ihrer Möglichkeit eben genau das, was mit Erfahrung, Forschung und Argumentation nicht mehr erreichbar ist. In dem Maße, wie diese ideologische Beharrlichkeit ihren Fortbestand sichert, drückt sich das heraus, was diese Beharrlichkeit unterdrücken will. Wo Lernbereitschaft kaum eine Chance hat, wird die Dämonie einer medientechnologischen Durchsetzungsfähigkeit dringend gebraucht.

Sie wird gebraucht um zu zeigen, was sich mit solchen Texten inkommunikabel macht: es steht gar nichts auf dem Spiel. Es geht um nichts mehr. Und auch der Durchhaltewille einer medientechnologischen Inkompetenz wird durch social media gestützt, gefördert und auf Dauer gestellt.

Es ist alles ganz harmlos, gilt auch für den Weltuntergang.