Harald Welzer über Kommunikation zwischen Unbekannten @JungNaiv
von Kusanowsky
https://twitter.com/kusanowsky/status/857138860039573504
Das ist ein Interview von Jung & Naiv mit dem Soziologen Harald Welzer. Allen Interessierten am Thema #kzu empfehle ich den Ausschnitt zwischen Min. 39:52 bis Min 43:26.
Es geht in diesem Ausschnitt um die Frage, ob der Soziologe, der im Verlauf des zurück liegenden Gesprächs vorgibt, sich für Gesellschaft zu interessieren und zu engagieren, auch an den sozialen Netzwerken beteiligt ist. Seine Antwort lautet: Nein. Begründung: „Ich will meine Zeit nicht damit verschwenden, mit Menschen zu kommunizieren, die ich gar nicht kenne.“ Und weiter, so seine Begründung, ob dies überhaupt Menschen oder Personen sind, da ja auch irgendwelche Bots antwortfähig sind.
Mir ist diese Stelle deshalb aufgefallen, weil sie ideal geeignet ist, um zu zeigen, wie voraussetzungsreich solche scheinbar banalen oder einfachen Sinnkonstruktionen sind und wie sehr all das, damit man dies verstehen kann, von Theorien abhängig ist, die gerade, weil sie nicht ausgesprochen werden, für ein Verstehen von großer Bedeutung sind.
Denn man denke sich den Fall, der völlig abwegig ist, dass der Soziologe, der hier spricht und der sich gemäß seiner Auskunft verständlich machen will, über die kommuniationstheoretischen Voraussetzungen und praktischen Kommunikationsfolgen seiner Rede genaue Klarheit hätte; wenn er gleichsam wüsste, was er tut, wenn er so was sagt. In dem Fall könnte man kaum aufhören, sich über diese Rede zu wundern, weil man kaum noch begreifen kann, was das soll. Da aber das Gegenteil der Fall ist, da man also sehr wohl „versteht“, was gemeint ist oder gemeint sein könnte, so kann man daraus schließen, dass der Soziologe, so sehr er auch beteuert, sich für Menschen zu interessieren und ihr Handeln und Verhalten erklären zu wollen, über seine eigenes Handeln und Verhalten gar keine Klarheit braucht und mehr noch: es gar nicht nötig hat, sich von anderen sein Handeln und Verhalten erklären zu lassen. Die Kommunikation fortzusetzen, reicht nämlich völlig aus, um Klarheiten wie Unklarheiten zu gewinnen oder zu verlieren, um besser oder schlechter zu begreifen, worum es geht. Der Soziologe kann sich auf jeden Irrtum einlassen, weil er nämlich an keiner Stelle einen Irrtum zugeben muss, was freilich für jeden anderen in gleicherweise gilt.
Deshalb folgt eine kurze Skizze der Analyse einer solchen Aussage, deren Abwegigkeit sofort einleuchtet, wenn man einsieht, dass es gar nichts gibt, das unbedingt vorausgesetzt sein muß, um zu verstehen worum es geht.
- Der Soziologe hat innerhalb eines Netzwerks global vernetzter Computer bereits eine Adresse, ob er sie gewählt hat oder nicht, oder er sie mit Sinn bestimmt hat oder nicht. Eine Adresse erwirbt, wer sich ansprechbar macht. Das ergibt sich bereits aus der Tatsache, dass er in sozialen Zusammenhängen von organisationalen Strukturen (z.B. Universitäten, Verlage, Tagungen, Interviewsituationen) verhaftet ist; allein der Name, der recherchierbar ist, allein seine Rolle als Lehrer, Redner und Autor macht die Adresse wiederauffindbar, verfolgbar und damit auch ansprechbar, wobei der Soziologe sich keinem Ansinnen auf Ansprache so einfach widersetzen kann. Denn auch „Nein“ zu sagen heißt, Antwort zu geben. Er kann, gerade weil er bereits in soziale Zusammenhänge verwickelt und verhaftet ist, sich keinem Gesprächsangebot entziehen, auch dann nicht, wenn es Unbekannte sind, auch dann nicht, wenn deren Gründe für Ansprache selbst noch ermittelt werden müssen.
- Wer keine Zeit verschwenden wollte, erst recht nicht mit der Kommunikation zwischen Unbekannten, hat wenig überzeugende Gründe, sich als Autor an massenmedialer Kommunikation zu beteiligen. Massenmedien müssen nämlich einen enormen Überschuss oder Überfluss an Mitteilungen aller Art hervorbringen, um damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass trotzdem noch, obgleich zunächst nur ein anonymes Publikum angesprochen wird, Kommunikation gelingt. Massenmedien müssen notwendigerweise eine enorme Verschwendung betreiben, weil ohne eine solche Verschwendung, die Wahrscheinlichkeit mit Unbekannten ins Gespräch kommt, gegen Null geht. Und für die Kommunikation zwischen Bekannten sind Massenmedien völlig unnütz und überflüssig.
- Die moderne Gesellschaft im Ganzen lässt es kaum zu, der Kommunikation mit Unbekannten aus dem Weg zu gehen. Eine Bedingung ihrer Möglichkeit besteht gerade darin, ein Medium für KZU bereit zu stellen. Ein solches Sinnmedium macht Anonymität von Personen, Handlungen und Wahrnehmungsmodalitäten zur attraktiven Voraussetzung für Kommunikation. Die moderne Gesellschaft gelingt gerade weil, nicht obwohl Anonymität vorausgesetzt wird. Wer das nicht will, will Gesellschaft nicht und kann nicht plausibel machen, sich dennoch für Gesellschaft zu interessieren und zu engagieren.
- Der Soziologe gibt vor, dass sein Interesse, wenn es um Gesellschaft geht, sich auf Menschen, notwendigerweise auch ihm unbekannte, richten würde, und weist mit seinem „Nein“ den Vorschlag zurück, sich mit den Folgen zu beschäftigen, die es hat, wenn ihm Unbekannte von einem ähnlichen Handlungsmotiv bewegt sein könnten. Er engagiert sich als Autor für massenmediale Überflussproduktion. Dass aber alle andere dies auch tun, hält er für ein abwegiges Verlangen der anderen. Das hält er für Verschwendung.
Gewiss wird der Soziologe, von dem hier die Rede ist, dieser Analyse zustimmen und zugleich einwenden können, dass das so alles nicht gemeint sei. Womit ich ihm Recht geben könnte. Denn: das gilt ja für jeden, der sich mitteilt. Niemand weiß zunächst so genau, welche Voraussetzungen und Folgen die eigene Beteiligung an Kommunikation hat, weshalb notwendigerweise die Kontingenz theoretischer Zusammenhänge des Ablaufs von Kommunikation an keiner Stelle unbeachtet bleiben kann.
Aus diesem Grunde gibt es wenig Gründe dafür, die Kommunikation zwischen Unbekannten mit einem „Nein“ fortzusetzen. Denn man könnte genauso gut sagen: „Ja, aber dann weiß ich nicht, was das ganze noch soll“ – und aus diesem Grund könnte man sie fortsezten wollen, um zu beobachten, zu testen, zu prüfen, zu lernen und zu erforschen, für wen das nicht gilt.
Tja. So isses. Herr Welzer hat auch eine e- mail von der Universität oder dem Institut, an dem er tätig ist, Hat schon mal jemand eine Antwort von ihm bekommen oder gar eine Bestätigung, dass die mail eingegangen ist? Meine Erfahrung in der Wissenschaftskommunikation ist, dass die meisten Professoren sich nicht für die Gesellschaft und deren Fragen interessieren, also auch nicht die many to many selfmasscommunication (Castells) wollen. Sie sprechen nur zu Untergebenen (studentinnen und Studenten und Sekretärin, Dozenten, Pressesprechern) und mit Kolleginnen und Kollegen (ab Ebene Prof) nur gegenüber Medien sind sie unterwürfig, (man sehe sich dazu mal die Auftritte der Damen und Herren bei z.B. Scobel an). wenn sie sich denn überhaupt dazu herablassen über das Fernsehen zu Gbührenzahlern zu sprechen. Spiegel Interview ist hart an der Grenze. Hörfunk geht. Das kann man per Telefon machen. Man kann sie ja auch nicht dazu zwingen, sich durch eine unbezahlte Kommunikationsdienstleistung bei der Gesellschaft zu bedanken, die ihnen die Professur mit Steuergeldern und den Seilschaften der Parteien, die sie in diese Position bringen und dort halten erst ermöglicht hat. Freiheit der Forschung bedeutet im Binnenverhältnis und dem Habitus der Beamten: „Laßt mich in Ruhe im Diskurs mit meiner Vernunft jeden Tag, die Welt neu entdecken oder bezahlt mir den Aufwand, den der steht nicht in meinem Arbeitsvertrag. Ich schreibe Bücher. Ich unterrichte und ich forsche. Basta. Tagessatz liegt bei 2.500. Euro. für populäre Zeitschriften schreibe ich kein Editorial. Ich bin nicht auf Facebook. Ich bin nicht auf Twitter. Dazu habe ich keine Zeit. Wenden sie sich an die Pressestelle der Universität. Dort kommuniziere er das, Pressesprecher, wie er das vermag. Ihn interessiert das nicht. Er geht zurück zu seinen Büchern und den jungen Seelen, die ihn bewundern (muessen) Tjanu. Normal Sterbliche werden aber zu dieser Social Media Aktivität auch nicht gezwungen, sondern wie ich stets von Kusanowsky dazu verführt mich auf diesem Geläuf hier zu bewegen und schreibend mich und die Verhältnisse zu beobachten und das irgendwie auszudrücken, dass man mich gerade noch so versteht. Sicher bin ich aber nicht. Doch: .Mandarine lassen sich nicht verführen sich mit dem gemeinen Volk gemein zu machen. funfact: Die von dieser Welzer- Elite aber verbreitete Ideologie behauptet aber genau das Gegenteil von dem was sie tun: sie gehen davon aus, dass ihre Ideen in dicken oder dünnen Folianten im Buchhandel und der bibliothek erhältlich – die Gesellschaft – auch die hier auf social Media aktiv sind – interessieren sollten, weil sie ja von Ihr legitimiert durch Bildungspatente eine höhere Erkenntnis versprechen. Das sie das nicht können, das lehrt uns die Kritik von Kusanowsky und anderen hier stets neu. Im Internet sind wir aber alle irgendwie in this together. Diese Kränkung des professoralen Egos kann man -wie Welzer- der diese Haltung nun zur weltrettenden Idde einer digitalen Enthaltsamkeit – „ich habe gar kein Handy“ halt nur abwehren, indem man sich darüber stellt und meint, damit sich besser auszukennen als wir oder die Experten darin. Das glauben aber nicht nur sie, sondern auch die Politik, die eben nur dieser stillen Elite die Forschungsgelder gibt, um die Vergangenheit, die Gegenwart und die zukunft der Digitalisierung zu erforschen. Gogle stellte aus Prinzip jeden Depp ein, der programmieren kann, Gerne Abbrecher. Ohne Bildungspatent. Doch inzwischen brauchen sie auch einige Professoren zur Legitimation oder auch Facebook stellt ncht mehr nur Freunde von Mark Zuckerberg, selber Studienabbrecher- ein, sondern holt sich den einen oder anderen KI- Professor ins Team. Snapchat beschäftigt Internetkritiker und der Blogger aus der Internet Community wird schnell zum regulären Journalisten, wenn das Gehalt beim Spiegel stimmt. Systemtheoretisch. Und praktisch. Doch die Zeiten sind vorbei, wo jeder Professor, jeder Fachbereich(!!!) und jede Universität meinte, die Welt täglich für sich neu entdecken zu können und zwar möglichst ungestört. Die Zukunft liegt weltweit in daten verstreut, die nur zugänglich sind, wenn man honeypots baut, Fallen aufstellt und die Kunden ihre eigenen Skills umsonst entwickeln lässt. Dafür bekommen sie dann aber manchmal auch ein Zertifikat oder dürfen sich Experte für google analytics nennen, obwohl selbst bei Google keiner weiss, was das eigentlich ist, Analytics. Denn das macht eine Abteilung jeden Tag anders. Wissen die was sie tun? Eric Schmidt selbst, weiss es nicht. Und Harald Welzer auch nicht. Kusanowsky ? Vielleicht…