#Nachtlabern: Über sich selber reden, Selbstverdächtigung @annemilios @plattenpunk
von Kusanowsky
Unten ist ein Video von meinem (Vormittags-)Nachtlabern zum Thema: Über sich selber reden und wie man lernen kann, sich mit der Selbstverdächtigung zu befassen. Der Anlass dafür ist das Nachtlabern von Sacha Rottländer, das mich sehr fasziniert.
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Frage, ob und wie es gelingen könnte, mit social media die Beleidigungs- und Korruptionsverhältnisse der Gesellschaft zu umgehen. Das könnte gehen, wenn man überhaupt erst zugibt, in diese Verhältnisse verwickelt zu sein, was schon gar nicht so einfach ist. Nichts ist nämlich so einfach wie zu behaupten, man sei irgendwie unabhängig, also nicht in Korruption verwickelt; und man sei ja eigentlich ein freundlicher Mensch. Das stimmt hinten und vorne, oben und unten, links und rechts nicht. Aber diese Märchengeschichte ist doch sehr weit verbreitet und wird gerne weiter erzählt, besonders von Wissenschaftlern, Künstlern, Journalisten und anderen, die sich irgendwie wichtig machen dürfen und die beinahe alles sagen dürfen, aber nicht zugeben können, dass sie in diese Verhältnisse verwickelt sind.
Diese Verwicklung ergibt sich aus der Struktur der Konkurrenz, durch die sich Erwartungen auf Inklusion ergeben und durch welche sowas völlig Unglaubliches wie Erwartungen auf ein autonom handelndes und verantwortliches Subjekt zustande kommen. Daraus ergeben sich dann auch neurotische Verhaltenzwänge, sei es im Umgang mit Geld, Kindern oder Tieren; und eben auch neurotische Verhaltenszwänge der Scham, der Schamlosigkeit und der Umgang mit Selbstverdächtigung.
Ich komme in dem Video auf eine Interviewsituation zu sprechen. Dabei handelt es sich um ein Gespräch von Tilo Jung mit Herfried Münkler. Den Ausschnitt findet man hier.
Wenn man sich selbst permanent verdächtigt oder sich selbst nicht mehr über den Weg traut, oder sich selbst dauernd antworten gibt oder lange und intensiv versucht mit sich selbst zu reden, wäre das ein Ausweg aus der empirisch nachweisbaren Selbstverstrickung mit anderen, aber meist endet diese auffällige Verhaltensweise nicht in Selbsterkenntnis sondern einer Therapiegruppe. wir sind- laut einem Herrn Danto, in Geschichten verstrickt. Aber nicht jeder will seine oder irgendeine andere hören. Und das ist gut so. Auch die Selbstverstrickung muss gesellschaftlich gut organisiert sein. Ja, wo kämen wir denn da sonst hin?
Du beschäftigst Dich „seit einiger Zeit mit der Frage, ob und wie es gelingen könnte, mit social media die Beleidigungs- und Korruptionsverhältnisse der Gesellschaft zu umgehen“?
Das ist leicht: in Zukunft soziale Medien und Gesellschaft einfach nicht mehr in moral code hacken. Gedanken an Selbst- und Fremdanwendung nicht ausgeschlossen.
So einfach ist das? Na dann …
In der Tat. Die von Dir beobachteten Problemlagen machen fast ausnahmslos nur vor dem Hintergrund der Unterscheidung gut/schlecht (oder des Derivats besser/schlechter, #Konkurrenz) Sinn. Auf diese/n Code/s kann man sich kaprizieren. Muss man aber nicht. Wie und warum es anders geht zeigt sich in http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/sres.2447/abstract (auch hier http://wp.me/pvO07-ZR erhältlich), oder weiterführend in den dort zitierten Texten von Sean Ward.
So geht Soziologie, nicht wahr? Business as usual: Texte schreiben, verbreiten, zitieren und nach jemandem suchen, dem man Vorschriften machen kann. Anders geht es nicht.
[Hier noch so ein Kollege, der nach irgendwelchen Vorschriften sucht: Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter agieren sinnvoll, wenn sie gezielt zwischen Wirklichkeit und Möglichkeit pendeln. Hier ist der Doppelte Blick der Sozialen Arbeit angesiedelt.“
http://www.carl-auer.de/blogs/komplexe/17-leitsatz-fuer-eine-systemische-soziale-arbeit-wirthkleve-die-postmoderne-ermoeglichungsprofession/ ]
Geht selbstverständlich auch anders. Man kann z. B. die abermillionste Moralisierung der Moralkommunikation (anderer) ins Netz stellen und so tun als wäre das was (Anderes als eben Moralkommunikation).
Spamverdacht
Spamverdacht oder Grützengewissheit. Liegt bei Dir!
https://de.wikipedia.org/wiki/Sacha_(Vorname)