Hat mein Hund tatsächlich vier Beine? Über Faktenkenntnis im außeridiotischen Sinn

von Kusanowsky

Mein Hund hat vier Beine. Das ist eine Tatsache, denkt man. Irrtum ausgeschlossen? Nein. Warum? Er hat nämlich noch ein Nasenbein, ein Stirnbein, ein Jochbein usw. Wollte man im idiotischen Sinn diese Sache betrachten, liefe das auf die Frage nach einer Definition hinaus und das Nachdenken kreist dann nicht um die Frage, wie viele Beine mein Hund hat, sondern welche Definition die richtige ist. Idiotisch wäre dieses Nachdenken deshalb, weil es nicht nur zu keinem befriedigenden Ende kommt, sondern deshalb, weil man sich auf eine idiotische Ordnung des Rechthabens einlässt, die mit ihrem Zustandekommen verschleiert, dass sie und wie sie zustande kommen konnte, weshalb innerhalb dieser Ordnung immer nur eine weitere Idiotie zustande kommt, aber niemals eine Klarheit darüber, woher diese Idiotien kommen.

Statt sich also auf den idiotischen Sinn dieser Angelegenheit einzulassen, könnte man sich, was gewiss niemand muss, auf eine Irrtumsordnung einlassen, um Klarheit zu gewinnen. Das geht, indem man einsieht, dass die Frage nach einer richtigen Definition zur Verbesserung der Faktenkenntnis nicht richtiger und wichtiger ist als die Frage, von welchem Ordnungswert die Einsicht in den Irrtum ist.

Mein Hund kann also auch mehr oder weniger als vier Beine haben. Und dann?

Das führt zu einem Nachdenken im außeridiotischen Sinn der Sache. Welche Wahl treffe ich, wenn ich nach der Anzahl der Beine meines Hundes gefragt? Warum wähle ich trotzdem die Antwort vier, wenn ich zugebe, dass ich mich auch irren kann und dass eine Klarheit über eine geeignete Definition nicht so leicht zu finden ist? Ich wähle diese Antwort nämlich deshalb, weil ich mit ihr testen kann, wer sich auf gleiche oder ähnliche Weise irrt. Ich tue das, weil die Antwort voraussichtlich einen besseren Ordnungswert hat, nicht weil sie richtig ist. Der bessere Ordnungswert ergibt sich aus einer durchaus naiv zu nennenden Informationssituation über die Ordnungschancen, die damit verbunden sind. Wahrscheinlich ist die Aussage “Mein Hund hat vier Beine” leichter ordungsfähig als die Aussage “Mein Hund hat 7,5 Beine. Drei davon sind unsichtbar.”

Nun ist ja auch diese Aussage nicht einfach falsch oder ungenau, sondern genauso irrtumsbelasted wie jede andere. Aber sie hat, weil sie einen schlechteren Ordnungswert hat, einen besseren Störungswert. Aus diesem Grund kann ich auf diese Auskunft verzichten, weil ich auf Störung verzichten will. Ich muss das aber nicht tun. Ich kann auch auf Ordnung verzichten, indem ich versuche sie zu stören. Das geht, indem ich die Aussage im idiotischen Sinn behandle. Und keiner, der die Bereitschaft mitbringt, sich auf den idiotischen Sinn einer solchen Ordnung der Störung einzulassen, kann mich darüber belehren, dass ich dummes Zeug rede. Leuchtet ein, nicht wahr?

 

Aus diesem Grund ist dieser massenmediale Populismus des Lügens genauso interessant wie harmlos. Interessant, weil es ihm gelingt für Störung zu sorgen, harmlos, weil diese Störung genauso ordungsfähig ist wie ein Verzicht darauf.

Im außeridiotischen Sinn der Sache ist die Rede von alternativen Fakten darum sehr sinnvoll.

Advertisements