Vortrag: Vom Adressbüro zur Suchmaschine #kzu
von Kusanowsky
Hier findet man den Link zum Redemanuskript eines Vortrags, den ich am 16.09.20119 im Bamberg bei dieser Tagung gehalten habe.
Es geht in diesem Vortrag um das Thema Kommunikation zwischen Unbekannten. Anlass für die Themenwahl war, dass es in der Wissenschaft zulässig geworden ist, Maschinen und Büros zu verwechseln (1) und zu behaupten, dass es „Suchmaschinen“ seit dem frühen 17. Jahrhunderts gibt. Das stimmt natürlich nicht. Aber es kann sein, dass solche Feinheiten in der Wissenschaft keine Rolle mehr spielen.
(1) So bei Tantner, Anton: Die ersten Suchmaschinen. Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs. Berlin 2014. Mir kam beim Nachdenken über diese Art des Verwechselns die Idee, ob man Dinosaurierer mit Ungeheuern verwechseln könnte um dann zu behaupten, Dinosaurierer und ihre Erforschung gibt es seit der Antike.
Hat dies auf Der blog fuhriello macht das Fuhrwerk bekannt rebloggt.
Was für ein toller Fund, diese Habilitation!
Die Idee der Verwechslung von Algorithmus und Maschine stammt ja bestimmt von der Turingmaschine – also ein Experiment auf Papier zur Lösung eines mathematischen Problems. Es kann allein schon deshalb nicht als historische Kontinuität gemeint sein.
Anders formuliert: Erst seit Alan Turing kann man ausprobieren, ob die Verwechslung von Algorithmus und Maschine irgendeinen theoretischen Vorteil bei einer bestimmten Problemstellung mit sich bringt. Aber genau das wird eben nicht gesagt: Universitätswissenschaft ist eben theoriefeindlich. Deshalb lernt man bei Kusanowsky mehr als in der Uni-Vorlesung. Tragisch – aber nicht nur.
Vor 30 Jahren wusste kaum ein Mensch, was eine „Suchmaschine“ ist. Seitdem dies nun jeder weiß, findet die Wissenschaft heraus, dass die ersten Suchmaschinen schon vor 300 Jahren erfunden wurden. Das ist zwar Blödsinn, aber darauf kommt es nicht an. Es kommt nur darauf an, dass es Wissenschaft ist. Und Wissenschaft ist es. Das wurde hauptamtlich festgestellt. Mag es sich auch um eine Verwechselung handeln, so ist es immerhin eine wissenschaftliche Verwechselung. Und da sie aus einer seriösen Quelle stammt, sind Einwände zwar immer noch erlaubt, aber unwirksam. Das wissenschaftliche Wissen wurde erfolgreich exekutiert. Das ist alles.
Wir haben es mit dem Midas-Code der Wissenschaft zu tun: Wissenschaft ist alles was wissenschaftlich ist. Wehalb so langsam die Überlegung dämmert: ist dann auch unwissenschaftlich, was unwissenschaftlich ist? Interessant wird’s, wenn es zu einer Verwechselung kommt. Aber gut. Wir wollen nichts überstürzen.