Einschließung und Inhaftierung. Warum es #Stalking gibt 4

von Kusanowsky

zurück / Fortsetzung: Man macht sich auf diese Weise deshalb zum Komplizen des Stalkers, weil man sich genauso grundlos wie emsig dafür engagiert, die Bedingungen wiederherzustellen, durch die es dem Stalker gelingt, seine gewaltlose Gewalttätigkeit fortzusetzen. Denn sie gelingt nur, weil man ihm ausweichen will, weil man meint, eine Begegnung mit ihm zurückweisen, also ablehnen zu können. Die Erfahrung aber ist, dass dies gar nicht gelingt. Stattdessen bringt er seine Präsenz gerade dadurch aufdringlich zu Bewusstsein und macht sie sozial unausweichlich.
Seine Präsenz besteht nur darin, einem die eigene Einschließung und Inhaftierung vor Augen zu führen, was ja deshalb möglich ist, weil im Normalfall des Alltags die Wege ihrer Überbrückung und Umgehung immer offen stehen und folglich auch von dem Stalker genutzt werden können. Er sorgt nun dafür, dass sich diese Wege für das eigene Handeln entzünden, indem das, was sonst als Freiheit des Handelns empfunden wird, durch seine Präsenz nun als Notwendigkeit erscheint.
Eigentlich macht der Stalker auf eine Illusion aufmerksam, nämlich auf die, dass man in Freiheit lebe, obwohl man von Einschließung und Inhaftierung betroffen ist.
Komplize ist man, solange man ständig dafür sorgt, diese Illusion zu retten; und mehr noch, indem man grundlos die Bereitschaft übernimmt, alle Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, sich selbst aufzuerlegen; indem man sich Zwängen aussetzt, die man mit eigenen Mitteln, mit eigenem Vermögen, mit eigenem Wissen und Können nicht mehr beseitigen kann, um so weniger, da gerade die dafür notwendigen Wege der Umgehung wiederum entzündet sind. Man kommt in eine völlig hilflose Situation.
Und je mehr man sich davon überzeugen will, an dieser Situation gänzlich unschuldig zu sein und bleiben zu wollen, um so mehr sorgt man für den Fortbestand einer solchen Zwangssituation; und man kann folglich auch nicht mehr darüber nachdenken, wie man in diese Situation hinein kommen konnte, noch weniger, wie man da wieder heraus kommt.

Fortsetzung folgt