Vortrag: Homosexualität und Fußball. Zur Bedeutung symbiotischer Symbole
von Kusanowsky
Hier findet man das Vortragmanuskript für einen Vortag, den ich auf dieser Tagung in Vechta am 6. Juli 2016 gehalten habe.
Es geht mir darum zu zeigen, dass weder Homosexualität noch Homophie zuerst ein Problem im Fußball ist. Ein Problem ist zuerst die Unvereinbarkeit der spezifischen Codes der Kommunikation, die gebraucht werden, um sexuelle Kommunikation und die Kommunikation von Fairness zu trennen. Werden sie vermischt, dann entsteht ein Nichtwissen darüber, womit man es zu tun bekommt.
Von Interesse sind in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch folgende Blog-Texte:
Beobachtung, Busfahrt von Stuhr nach Bremen, morgens nach 8 Uhr:
Ich hatte mich am Abend zuvor nach der Ankunft in Stuhr nach dem Busfahrplan erkundigt, um zu wissen, wann ich am nächsten Morgen den Bus zurück nach Bremen bekommen kann. Die Internetauskunft besagte, dass auf der entsprechenden Fahrt einige Bushaltestellen gesperrt werden und der Bus eine Umleitung fahren muss. Da ich davon nicht betroffen war, hatte ich mich um diese Information nicht weiter gekümmert.
Am nächsten Morgen, also heute, der 6. Juli, fuhr nun der Bus die gleiche Strecke zurück, die ich am Abend zuvor gekommen war. An einer Haltestelle wendete nun der Bus und fuhr eine kurze Teilstrecke wieder zurück. Ich hörte vorne wie eine Frau mit dem Busfahrer sprach und sagte, dass ein Streckenabschnitt gesperrt sei, weshalb er, der Busfahrer, nun die Umleitung nehmen müsse. Deswegen erinnerte ich mich an die Information vom Abend zuvor und war gut informiert. Der Bus fuhr nach Bremen weiter, obwohl er gewendet hatte.
Neben mir im Bus saß ein ausländisches Ehepaar, vielleicht Türken. Die Frau wurde plötzlich unruhig als der Bus gewendet hatte. Sie frage mich mit gebrochenem deutsch: „Bremen?“ Ich nickte und deutete nach vorn sagte: „Ja, Bremen“, und blieb ganz ruhig sitzen. Sie ergänzte noch, dass die kein deutsch spreche. In dem Augenblick wurde mir klar, was passiert war: Ich war sprachkundig, aber nicht ortskundig. Weil ich sprachkundig war wusste ich, was passiert war und konnte darum wissen, was nachfolgend passieren würde. Trotz der Wende fuhr der Bus wie vorgesehen nach Bremen.
Die Frau neben mir war ortskundig, aber nicht sprachkundig. Deshalb konnte sie sich nicht über die Streckensperrung informieren und außerdem konnte sie nicht wie ich das Gespräch vorne verfolgen, das mich an diese Umleitung erinnerte. Sie war deshalb nicht darüber informiert, was gerade passiert war und konnte deswegen nicht wissen, was als nächstes passieren würde. Sie wusste plötzlich nicht mehr, ob der Bus tatsächlich nach Bremen fährt. Sie glaubte in einer Irrtumssituation zu sein.
Beobachtung: Ortskunde kann auch ohne Sprachkunde möglich sein. Wenn aber bei der Verfolgung eines Fahrziels eine Störung auftritt, die deshalb entsteht, weil der Fahrende nicht selber fährt, bzw. steuert, ist Sprachunkundigkeit eine Kommunikaitonsblockade. Sprachkunde geht vor Ortskunde. Interessanterweise reicht aber eine Mindestsprachkundigkeit aus, um die Irritation wieder zu bereinigen.
Thema: Wie Handlung durch Nichtinformation entsteht und nicht etwa durch Motiv und Kausalität.
Beobachtung, Bremen Hauptbahnhof, nachmittags 18 Uhr
Weil ich auf meiner Rückfahrt von Vechta nach Hause am Bremer Hauptbahnhof eine Stunde Aufenthalt hatte, habe ich nach einer bequemen Sitzgelegenheit gesucht und – da ich weder Hunger noch Durst verspurte, kein Lust hatte, in einer anliegenden Gastronomie einzukehren – irrte über den Bahnhof und fand nirgends einen Warteraum. Schließlich war im Reisezentrum an der Eingangstür ein Bediensteter der Bahn ansprechbar, den ich gefragt hatte, ob es irgendwo einen Warteraum gebe. Er sagt, hier im Reisezentrum könne ich mich hinsetzen. Ich sagte, dass ich nur auf einen Zug, aber nicht auf eine Auskunft warte. Ob ich mich trotzdem dahin setzen könnte. Darauf sagte der Mann sachlich: „Ja, wenn sie nett und freundlich bleiben.“ Worauf ich spontan und genauso sachlich sagte: „Das hatte ich eigentlich nicht vor.“
Der Mann hatte schallend gelacht und mich persönlich zu einem freien Sitzplatz begleitet, mir eine gute Fahrt gewünscht und sich verabschiedet.
Beobachtung: Sind Selbstverständlichkeiten kommunikabel? Über die Frage kann man nachdenken, wenn man bedenkt, was für beide Beteiligten in diesem Gespräch selbstverständlich ist oder sein könnte und auf welche Selbstverständlichkeiten sie sich gegenseitig aufmerksam machen, ohne darüber zu sprechen. Dieser Dialog zeigt, dass Selbstverständlichkeiten sehr wohl sozial ermittelt werden können, aber nur, wenn man nicht darüber spricht.
Thema: Man kann nur über Dinge reden, über die man reden kann.
Ich halte einen Zusammenhang von Kommunikation (spezieller Interaktion/Handlung) und Motiv/Handlung ebenfalls für nicht empirisch. Die Annahme von Motiven bei beobachteten Menschen ist lediglich eine Unterstellung.
Was empirisch nachollziehbar erscheint ist jedoch die Behauptung von Kausalitäten/Motiven als Erklärungen.
Das Beispiel aus dem Kommentar (Das Feld der Gesellschaft 1) macht diese Fiktion allerdings nicht erfahrbar, weil ein kausaler Zusammenhang noch immer konstruierbar bleibt. Das alternative Erklärungsmodell (Nichtinformation) stellt dann nur noch das dar: Eine als alternativ erfahrbare Sichtweise.
Ich sehe es ein: Verstehen ist nie mit Information oder Mitteilung identisch.
Die Sache ist die: Wenn man von denen lernen möchte, die bereit sind sich auf Lernerfahrungen einzulassen muss man sich überlegen, wie man überhaupt in Erfahrung bringen kann, ob jemand bereit ist zu lernen.
Das ist nicht sehr einfach feststellbar.
Ein Kriterium wäre, dass die Konfrontation mit Verwirrung dazu führen müsste entweder Entwirrung, oder Eingestäntnisse der Verwirrung zu produzieren.
Wenn eine Erklärung nur noch weitere Verwirrung produziert leistet sie genau das nicht. Das „Aha!“ Erlebnis muss für mich nachvollziehbar sein, damit ich mir selbst eine Erkenntnis einbilden kann.
Wenn kausale Erklärungen solche Erlebnisse nicht produzieren können, weil die über Motive und Handlungen enthaltenen Annahmen aufgrund ihrer fehlenden Empirizität völlig fragwürdig erscheinen, müsste die Klärung dieser Empirizität ebenfalls Entwirrung oder Eingeständnisse hervorbringen.
Offensichtlich kann der Versuch solche Erklärungsmuster zu verwirren aber nicht einfach so gelingen, weil Erklärungen jenseits von Kausalitäten in solchen Kommunikationszusammenhängen nicht den als Normalität bekannten Erklärungsmuster entsprechen und damit überhaupt nicht verstehbar sind.
Mein Versuch wäre, sich auf solche Kommunikation mit den ihnen eigenen Erklärungsmustern einzulassen, entsprechend der Erwartungshaltungen, um diese Erwartungshaltungen zu entäuschen.
Das müsste zumindest für Irritation sorgen. Was das dann bringt kann niemand so einfach wissen.
Selbstverständlich kann dann auch gescheiterte Kommunikation dazu führen, dass ein Beobachter kausale Ursachen konstruiert und das als relevante Lernerfahrung darstellt. Das kann ich allerdings gleichermaßen beobachten um bei zukünftigen Experimenten die Anforderungen an die abstrusität der potenziell unterstellten Erklärung weiter zu steigern.
Auf diese Form des sehr wahrscheinlichen Scheiterns eines solchen experimentierens müsste man sich einlassen.
Worauf willst du mit alledem hinaus?
Wer will das wissen und wieso? Unter welchen Bedingungen kann ich denn überhaupt in der Lage sein über ein Wollen Auskunft zu geben, wenn ich noch nichtmal weiß was dieses Ich eigentlich ist und ob es wollen kann und was dieses ausformulierte Wollen denn dann noch mit einem tatsächlichen Wollen zu tun haben könnte.
Solche Fragen beiseite gelassen lautet die basale Antwort:
Ordnung.
Ordnung würde ich grob umschreiben als Wegfall der Notwendigkeit (gemeint ist die Erfahrbarkeit vor dem Hintergrund ihrer Kontingenz) von Ordnungsfindung (/Rauschen/Sinnlosem Diskurs/Social Media/Twitter).
Bei wem hast du denn diesen Quatsch abgeschrieben?
https://twitter.com/kusanowsky/status/752076426363428865
Etwas allgemein formuliert lautet das kommunikationstheoretische Prinzip, dass Kommunikation ein Angebot ist, das man nicht ablehnen kann. Warum? Auch wer Ablehnung mitteilt, setzt damit die Kommunikation fort, nämlich die Kommunikation über Ablehnung der Kommunikation. Auch die Kommunikation von Ablehnung geht nicht ohne die Annahme des Angebots.
Deshalb ist der Ausspruch von Don Corleone wichtig. Er besagt nämlich, dass der, dem ein Angebot gemacht wird, es entweder annimmt oder stirbt. Nimmt er das Angebot an, hat er es nicht ablehnt; stirbt er, nun, dann auch, denn die Ablehnung ist nicht mehr kommunikabel. Trotzdem geht die Kommunikation weiter, nur ohne ihn.
So aufgefasst erkennt man, dass die Unterscheidung Täter/Opfer kommunikationstheoretisch fallen gelassen werden muss, oder, will man sie dennoch behalten, auch umgekehrt verwendet werden kann, das heißt: Täter ist nicht, wer ein Gewaltangebot unterbreitet, sondern der, der meint es ablehnen zu können und trotz aller widerlautenden Erfahrung meint, ein Opfer zu sein oder bleiben zu können. Stattdessen könnte, wer zu seinem Nachteil den Nachstellungen eines anderen ausgesetzt ist, einsehen, dass er das Gewaltangebot nicht ablehnen kann und dass dies auch für den anderen gilt. Das bedeutet ein Gewaltangebot zu erwidern, das der andere nicht ablehnen kann. Denn in dem Fall hat der andere keine besseren Chancen. Strafrechtlich hat er keine, weil er sein eigenes Handeln erklären müsste und sollte der Angreifer stattdessen die Eskalation der Gewalt suchen, wird er dauerhaft mit seinem Gegner nicht allein bleiben können, was wiederum heißt, dass die Chancen für ihn keineswegs besser sind.
Soweit, so gut. Bleibt noch die Frage, warum, wer Nachstellungen erleidet, darauf verzichtet, Gegengewalt zu probieren. Der Grund scheint mir zu sein, dass versucht wird, mit allen Mitteln Opfer zu bleiben, um die eigene Unschuld vorzuführen. Und wenn man sich darauf verlassen kann, dass diese Opferrolle gesellschaftlich akzeptiert ist, kommt man nicht so leicht auf den Gedanken, dass gerade darin das Problem liegt.
Und es kommt die gesellschaftlich Gewöhnung an die parasoziologische Begriffsbestimmung von Kommunikation hinzu, die alle Kommunikation linear auf Handlung und Kausalität zurückführt. Kann man einsehen, dass das unzutreffend ist, kann man erkennen, dass die Opferrolle der Grund für dieses Stalking ist.
Mir ist nicht klar, was deine kommunikationssystemtheoretische Reformulierung meiner Erklärung bringt, außer das du den Gender-Aspekt der Kommunikationsstile ausblenden kannst.
Auf diesen Gender-Apekt kommt es gar nicht an. Im Gegenteil ist er sehr gut zur Problemvermeidung geeignet. Das Problem, bzw. die Problemeinsicht ist nämlich nicht davon abhängig, wer welches Geschlecht hat, sondern davon, wer sich eine Indifferenz hinsichtlich des Problems leisten kann. Auf einen Gender-Aspekt zu bestehen heißt, auf Indifferenz hinsichtlich des sozialen Geschehens zu bestehen. Wer sich das leisten kann, wird es weiter tun. Keine Frage.
Ohne Gender gibt es das soziale Phänomen Stalking nicht.
Das ist sehr fraglich. Ich würde eher sagen, ohne das moderne Sexualitätskonzept gäbe es das nicht. Das wird nämlich, und zwar aus ideologischen Gründen, gern verwechselt, auch vom Feminismus.
Und ohne eine Erziehung zum unbedingten Gewaltverzicht gäbe es dieses Phänomen auch nicht, was auch nicht das Geringste mit der Geschlechterunterscheidung zu tun hat. Der Stalker ist nämlich nicht darüber informiert, dass er gewalttätig ist und unter rechtlichen Gesichtspunkten kann man ihm das auch nicht erklären.
Außerdem ist eine wichtige Bedingung das Intimitätskonzept der Vollinklusion, das ebenfalls nicht an eine Geschlechterunterscheidung gebunden ist.
Bedingungen sind ferner:
* Erziehung zur Unzufriedenheit durch beständigen Konsum. Damit verbunden die Inkompetenz, sich um das eigene Leben zu kümmern.
* Verrechtlichung des gesamten Lebens, was auf diese Weise den Ausnahmefall mit Dringlichkeit bemerkbar macht.
* bereits erwähnt: die gesellschaftliche Akzeptanz der Opferrolle, zu deren Herstellung der Feminismus seinen Teil beständig beiträgt.
* die Zerrüttung des bürgerlichen Familienkonzepts ohne einen fungiblen Ersatz
* die Individualisierungsprozesse des Handelns
* es mag auch eine Geschlechterunterscheidung eine Bedingung dafür sein, ja, aber konstitutiv ist sie dafür nicht.
Jetzt erst deine Antwort gesehen. Sorry, ich muss die einzelnen Artikel bookmarken, sonst finde ich hier nix wieder!
Ich kann dir eigentlich komplett zu stimmen, wundere mich nur, warum du das nicht unter Gender diskutieren kannst. In den interessanten Gendertheorien ist es ja der Punkt, dass „unsere“ Art Sexualität / Intimität / Reproduktion zu organisieren, Gender erst hervorbringt und diese Gender eine der zentralen Kommunikations- und Organisationsformen sind, um die Leutchen zum So und So sich zu verstehen und zu handeln bringen. Eine der großen und mächtigsten Selbstgefägnisstrukturen.
Was mich wundert, ist, warum so viele „Frauen“ so in der restriktiven Gender-Position festsitzen, obwohl es ja mittlerweile – auch dank feministischer Aktion aller Art – diverse andere Kommunikations- und Handlungsrollen und -formen gibt. Das finde ich absolut faszinierend: die Stalker-Diskussion ist da nur ein Beispiel, noch bizarrer finde ich all die sich als feministisch verstehenden Mütter, die den Staat herbeirufen, um ihre Unfähigkeit mit dem Loser, von dem sie sich Kinder haben machen lassen, ihren Traum von der gleichberechtigten (klein)bürgerlichen Kleinfamilie umzusetzen. Dass bürgerliche Kleinfamilie & die Art, wie darin Kinder großziehen gedacht werden muss, nämlich als Mutterschaft, nur winzige Freiheitsgrade lassen u. die Mutter dabei die gearschte ist (Väter auch, aber weniger, weil für die es einfacher zu sein scheint, einfach zu gehen), das ist nun wirklich das kleine feministische gesellschaftliche 1×1. Das konnte man 1830, 1920 und 1970 wissen, aber heute hält man sich für feministisch, wenn man staatlich geförderte Kinderbetreuung will, weil Mutti dann auch Karriere machen dürfen kann, und nicht weil Kinder in einer VaterMutterKind-Hölle aufzuziehen, die schrecklichste Art ist, Menschen zu produzieren.
@Kusanowsky: Wenn ich dich richtig verstehe, rufts du ganz einfach zu Gegengewalt auf – und wer das nicht will, ist für dich jemand, der „am Opferstatus festhält“.
Mal bedacht, dass das Gewaltmonopols des Staates seinen guten Sinn hat? Zu agieren wie der Angreifer kann doch nicht die Lösung sein!
@dongowski
“ … wundere mich nur, warum du das nicht unter Gender diskutieren kannst. “
Die patriachalische Geschlechterordnung (bekannt als die Konstruktion von Geschlechtercharakteren) des 18. und 19. Jahrhunderts war eine Konkurrenzordnung, keine Sexualordnung. Das wird immer und immer wieder, rauf und runter, von vorne bis hinten geleugnet, beseite geschoben und durcheinander gebracht, auch vom Feminismus. Eine Konkurrenzordnung war das deshalb, weil durch den Ausschluss von Frauen aus der Konkurrenz sowohl im Haushalt als auch im Unternehmen ein Gleichbererchtigungsproblem eingeschlossen war, weshalb logisch und historisch mit der Kommunikabilität von Geschlechtercharakteren zugleich der Feminismus entstanden ist. Er war nur eine Reaktion darauf, dass die Geschlechterordnung eine Konkrurrenzordnung war, die es auf dem Umwege des Verbots ermöglicht hat, dass Frauen an der Konkurrenz teilnehmen können, dürfen und schließlich auch sollen. Das heißt: das bügerliche Patriachat war eine Geschlechterordnung, die nur Konkurrenz regeln sollte; und dem Maß wie diese Regelungen kommunikabel wurden, haben sie sich als unhaltbar erwiesen. Das selbe gilt dann auch für den Feminismus, der immer und immer wieder eine Geschlechterordnung auch als Sexualordnung auffast und folglich immer nur Widersprüche, Selbstwidersprüche, Verdächtigungen und An- und Aufschreierei in die Welt setzen kann.
Das kommt daher, dass eine Sexualordnung nicht durch eine Geschlechterunterscheidung entsteht. Und in Maße wie der Feminismus das leugnet, kracht er ständig zusammen und kann nur auf dem Weg des Protests, der Schreierei und anderen Empörungsroutinen, die die Gtrenze jeder Art von Dämlichkeit schon lange hinter sich gelassen haben, wieder auferstehen.
D’accord. Bloß eine Seitenbemerkung: Ich hänge ja der Idee an, dass auch Sex eine „Erfindung“ dieser Patriarchalischen Ordnung ist, um Konkurrenz zu organisieren (und zu kontrollieren), weswegen ich auch Cyborg- und XenoFeminismus so interessant finde. Mir scheint das immer noch die beste Erklärung dafür zu sein, dass man mit der Zu- und Abschreibung von Gesellschaftlich konventionalisierten Attributen sexueller Attraktivität die Leute super reglementieren und va. Zur Selbstreglementierung u. Zurichtung treiben kann.
Denkaufgabe: Wenn man eine Konkurrenzordnung und eine Sexualordnung trennt und nicht vermischt, dann kann man erkennen und erklären, warum überhaupt irgendwelche Formen von Sexualität entstanden sind und warum sie zu unauflösbaren Irritationen führen, wenn man diese Trennung ständig verweigert. Darunter leiden übrigens auch Homosexuelle, die besser wissen müssten als alle anderen, dass eine Sexualordnung keine Konkurrzenordnung ist. Aber auch sie verweigern die Trennung, ablesbar an dieser Homophobie-Phobie, die ein Produkt der Konkurrenz ist, aber Sexual-Differenzen angibt.
Das führt entweder nur zu einer ausweglosen Zeigefinger-Pädagogik oder zur massenmedialen Stimmungsmache. Diese Routinen schließen alles aus, was die Probleme beseitigen könnte. Deshalb geht es weiter. Genauso dumm wie hartnäckig und unbelehrbar.
Ich kann mit dem Begriff Sexualordnung nichts anfangen. Könntest du denn ein bisschen erklären?
Der Begriff der Sexualordnung bezieht sich darauf wie die gesellschaftliche Verfügung und Bereitstellung von Menschenkörpern in Hinsicht auf Differenzen von Lust und Begierde hergestellt, legitimiert, durchgeführt oder auch verhindert wird, wie also Sexualität geordnet wird, ohne, dass damit normative Erwartungen erfüllt werden müssen. Denn müssten sie erfüllt werden, könnte man kaum erklären wie sexuelle Kommunikation zustande kommen könnte, weil in diesem Fall das sinnbestimmte Handeln kaum ausreichen würde, um sexuelle Kommunikation zu ermutigen oder zu unterbinden.
Bei Sexualität ist, dies hat sie mit sportlicher Fairness gemeinsam, keine Moral möglich. Und zwar deshalb, weil, allerdings anders als bei Fairness, Zuneigung und Abneigung die einzige relevante und ausschließliche Differenz für die Kommunikation ist, welche damit im Vergleich zu jeder anderen auf der Ebene bestimmbaren Sinns zuwenig Anschlussmöglichkeiten eröffnet. Es muss also, damit nur diese Differenz trotzdem ausschließlich relevant wird, zugelassen werden, dass mehr als nur sinnbestimmtes Handeln anschlussfähig ist. Dies geschieht vor allem dadurch, dass Wahrnehmung von Körperlichkeit erleichtert oder erschwert wird, um trotz der geringen Differenziertheit komplexe Erwartungszusammenhänge über Ablehnung und Akzeptanz in soziale Realität zu überführen. Das heißt, dass sexuelle Kommunikation enorm riskant ist. Denn der empfindliche Körper wird und muss der Härte eines sozialen Geschehens ausgesetzt werden, das gegen psycho-emotionale Voraussetzungen des Gelingens nur im Falle der Ordnungsfähigkeit von Körperlichkeit Rücksichtnahmen garantiert oder eben auch nicht.
Eine Sexualordnung regelt genau diese Komplexität und ist nicht mit einer Geschlechterordnung zu verwechseln. Dass dies dennoch immer wieder geschieht, zeigt nur die Schwierigkeiten der Kommunikation an, die sich ergeben, wenn an soziale Ordnungen Erwartungen gerichtet werden, die eine sehr unterschiedliche Toleranz in Hinsicht auf sinnbestimmtes und sinnunbestimmtes Handeln zulässig machen. Beispiel: sexuelle Belästigung.
https://twitter.com/jenscmoeller/status/761852073377923077
Die Frage könnte man ernst nehmen. Wenn man einsieht, dass Drogengebrauch nicht zu verbieten ist, weshalb einiges dafür spricht, ihn zu entkriminalisieren; wenn man einsieht, dass alle anderen Prohibitionsversuche nach mehr oder weniger starken Versuchen ihrer Durchsetzung aufgegeben werden, dann könnte man auch die Überlegung ernst nehmen, im Sport das Doping nicht länger zu verbieten. Alle Versuche, dies zu tun, haben jedenfalls bis heute nicht dazu geführt, das Doping zu verhindern, sondern im Gegenteil: die Doping-Methoden sind immer raffinierter geworden und man kann vermuten, dass der Kontrollaufwand, der geleistet wird, um Doping zu verhindern, kaum noch in einem Verhältnis steht zu irgendwelchen Gewinnen, die aus fairem, sportlichem Verhalten resultieren.
Deshalb könnte man den Gedanken zulassen, Doping nicht länger zu verhindern, zu verbieten, zu unterdrücken, sondern es einfach frei zu geben.
Würde man dies tun, könnte kein Sportler auf der Welt mehr auf Doping verzichten. Die bislang stattfindende Konkurrenz um die Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit ist ohnehin an ein Ende gekommen, was man daran erkennen, dass inzwischen minimale Unterschiede der Messbarkeit von Leistungen kaum noch eine verlässliche Auskunft über die besondere Leistungsfähigkeit von Sportlern geben. Diese minimalen Messbarkeiten geben eigentlich nur Auskunft über den glückliche Zusammenfall von Bedingungen, durch die zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimme Werte gemessen und auf einen bestimmten Sportler zugeordnet werden, Werte, von welchen man dann weiß, dass sie gar nicht eine Leistung des besseren, sondern des glücklicheren Sportlers sind.
Doping, das freigegeben wird, würde dann dazu führen, dass die Konkurrenz sich um bessere Dopingmethoden kümmert. Gemessen wird dann eine wissenschaftlich-medizinische Leistungsfähigkeit. Freilich könnte man auch daraus einen Sport machen, aber nur dann, wenn die Sportler selbst Mediziner wären. Wenn nicht, wenn also Sport und Medizin weiterhin getrennt blieben, dann führt das zu einem unüberschaubaren Menschenverbrauch. Denn man muss ja einrechnen, dass Doping nicht sehr gesund ist, und nicht „gesundheitlich“ betrieben werden kann. Denn die Steigerung körperlicher Leistungsfähigkeit über ein Maß hinaus, ein Maß, das gewöhnlich durch den Körper selbst zugelassen und damit auch begrenzt wird, führt zur Schwächung des Körpers und damit zu Krankheiten, auch solche chronischer Art.
Man könnte sagen: Na und? Wenn die Sportler damit einverstanden sind, wenn sie freiwillig mitmachen, wäre das doch kein Problem.
Und die Antwort lautet: wenn es so einfach wäre, wäre das tatsächlich kein Problem. Aber so einfach ist es nicht. Wenn der Sportler selbst kein Mediziner ist, wenn er gleichsam „Patient“ wäre, dann ist er nur sehr unvollständig über medizinische Wirkungen und Folgewirkungen informierbar. Das heißt: Freiwilligkeit kann nur da zugeordnet werden, wo eine vollständige oder fast vollständige Informationssituation vorliegt.
Tatsächlich aber kann man damit rechnen, dass auch Doping-Methoden sehr schnell eine unüberschaubare Komplexität gewinnen, womit auch unüberschaubare Informationssituationen entstehen.
Und die Frage ist dann: wer haftet für Schäden, Krankheiten, insbesondere dann, wenn sie sich chronifizieren? Wer ist verantwrtlich, wenn es die Mediziner nicht sind? Oder die Mediziner wären für all das verantworlich. Aber das würde nur dazu führen, dass die Mediziner ihre Doping-Methoden „dopen“, das heißt: sie würden Kausalzusammhänge verschleiern um nicht verantwortlich gemacht zu werden.
Wer also wäre verantwortlich für den dann einsetzenden Menschenverbrauch, wenn man nicht einfach sagen kann, dass die Sportler selber schuld sind?
Ein Ausweg wäre freilich, wenn die Sportler selber Mediziner wären. Aber dann müsste man in die Wissenschaft und in die Strukturen ihrer Wissensproduktion Fairness einführen.
Aber das geht nicht.
„Würde man dies tun, könnte…“
Individuelle Sportler (Menschen) sind aus Perspektive der medialen Veranstaltung Olympia lediglich Systemumwelt.
Die Verantwortlichkeit für Menschenverbrauch kann dann nur als Grund geeignet sein Doping zu unterbinden, wenn es bedeuten würde, die Umwelt von Olympia wäre durch Menschenverbrauch und wegen der Frage um Verantwortung nicht mehr geeignete Umwelt.
Das erscheint bei so unwichtigen Fragen wie Menschenverbrauch nicht sehr naheliegend wenn man bedenkt, dass dieser ohnehin in Kauf genommmen wird bei derartigen Veranstaltungen. Auch ungedopte Sportler werden sehr schnell verbraucht.
Interessanter finde ich die Frage ob das Medienspektakel Olympia wirklich einen Wettkapf um wissenschaftlich-medizinische Leistungsfähigkeit gewinnbringend darstellen könnte. Ich vermute, dass dies nicht der Fall ist.
Bei vergleichbaren Fällen, in denen nicht die physische Leistungsfähigkeit eines Individuums oder Kollektivs im Vordergrund steht, wie das etwa bei jeder Form des Motorsport der Fall ist gibt es bereits eine geeignete Umwelt, die sich für Motoren und deren Hersteller fasziniert.
Das könnte auch mit dem Umstand zusammenhängen, dass die Erfindung von Motoren aus einer Zeit stammt, die in ihren Produktionsketten stärker nationale geprägt war als dies bei pharmazeutischen Erzeugnissen heute der Fall ist. Noch immer wird Mercedes, VW und BMW mit Deutschland in Verbindung gebracht, Ferrari mit Italien, etc.
Fairness, lieber Jens, lässt sich aus dem Sport nicht entfernen. Denn ohne Fairness gibt’s ihn nicht. Fairness kann man aber auch nicht einfach einführen, weil Fairness nicht mit Zwang durchgesetzt werden kann. Fairness ist keine Forderung, die jemand erfüllen kann oder muss. Wenn sie aber trotzdem als Ergebnis von sozialer Ordnung beobachtbar wird, das heißt, wenn sie zustande kommt, dann ist ihr Effekt so überraschend, dass man das zuerst nicht glauben kann. Fairness ist unwahrscheinlich, aber möglich und hat gerade darum ein riesiges Aufmerksamkeitspotenzial, das ohne Fairness sofort zusammen brechen würde.
Wie entsteht Fairness, wenn Fairness keine Forderung ist, die ein anderer erfüllen kann?
Fairness entsteht, wenn:
1. ein Beobachter darauf verzichtet, Richter in eigener Sache zu sein und die Bereitschaft mitbringt, sich bedingungslos einer dritten Instanz, einem Richterspruch zu unterwerfen. Bedingungslos heißt: dass der Beobachter auch dann die Bereitschaft hat, sich einem Richterspruch zu fügen, wenn ihm eindeutig Unrecht geschieht. Denn fügt er sich nicht mehr, widersetzt er sich dem Richterspruch, eine Möglichkeit, die ja nie aus der Welt ist, dann ist Fairness nicht mehr möglich. Außerdem entsteht Fairness dann, wenn:
2. ein Beobachter die Bereitschaft mitbringt, sich für sein Handeln immer sanktionieren zu lassen, dass er stets seine Adresse, seine Person und seine Rolle anderen zur Behandlung überlasst. Das heißt: wenn der Beobachter sich weigert, sich zu entziehen, zu fliehen, seine Spuren zu vertuschen oder über seine Identität zu täuschen. Er macht sich immer ansprechbar, ohne, dass er dies müsste. Ein Beobachter, der Fairness versuchen will, mag ähnlich wie ein Verbrecher Regelverstöße begehen, aber anders als ein Verbrecher flüchtet er nicht, er lügt oder täuscht nicht über seine Person, seine Identität, seine Anwesenheit. Er muss das alles nicht tun. Tut er dies aber, dann kann Fairness entstehen, wenn
3. ein Beobachter, nachdem er eine Konkurrenzsituation gemeistert hat und Sieger geworden ist, die Bereitschaft hat, den Verlierer nicht zu demütigen und nicht zu entrechten oder exkludieren. Im Gegenteil. Der Gewinner mag alles gewinnen, aber der Verlierer verliert nicht alles. Vor allen Dingen verliert der Verlierer nicht das Recht auf Revanche nach den selben Regeln. Dieses Recht kann er behalten, weil der Sieger darauf verzichtet, die Regeln zu seinem Vorteil zu ändern. Stattdessen hat der Sieger die Bereitschaft, sich nach Beendigung eines Wettkampf einem erneuten Wettkampf nach den selben Regeln zu stellen. Er verzichtet mit seinem Sieg zugleich eine Machtoption.
Immer, wenn mindestens diese drei Bedingungen zusammen fallen, kann man Fairness beobachten, egal, was die Beobachter machen: ob sie Steine ins Wasser werfen, auf einander einschlagen oder ob sie Bakterienkulturen in einer Petrischale untersuchen.
Wichtig ist stets, dass Fairness eine überraschende Beobachtung ist, die ihre Kontingenz nicht verdeckt, sondern bedingungslos frei gibt. Aus diesem Grunde kann kein Mensch mit der Kommunikation von Fairness beginnen.
Alles dies ändert sich nicht, wenn man auch die Täuschung zulässt. Innerhalb eines sozialen Systems, das Fairness akzeptiert, ist das kein Problem, weil ja die Täuschung verschwindet, wenn man sie zuässt. Aber dort wo Machtoptionen, wie in der Wissenschaft, der Medizin oder Pharmazie oder im Recht und in der Politik eine entscheidende Rolle spielen, kann man keine Fairness einführen.