Eine Weltsprache – eine Fremdsprache für alle 3

von Kusanowsky

zurück / Fortsetzung: Wenn man einmal gründlicher darüber nachdenken möchte, für welche spezifischen Probleme das Internet gebraucht wird, wird man kaum welche finden. Die allermeisten Probleme, die man mit dem Internet lösen kann, konnten auch ohne Internet schon gelöst werden. Das Internet stellt für den größten Teil aller Routinen lediglich eine Optimierungslösung bereit, die sicher nützlich, aber nicht notwendig ist. Auch, wenn diese Optimierung sehr beeindruckend und faszinierend ist, so gilt doch, dass, fragt man nach einer spezifischen Lösung, die das Internet darstellt, es, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bislang kein ebenso spezifisches Problem erzeugt hat. In erster Linie ist das Internet eine Lösung für Probleme, die erst noch gefunden werden müssen. In dieser Hinsicht ist das Internet ziemlich überflüssig, ist gerade darum der Anstoß für eine Innovation und nicht bloß eine Renovation (Erneuerung) von bekannten Problembewältigungsroutinen.

Spezifische Probleme, die sich aus einer Infrastruktur vernetzter Computer ergeben und die nur mit ihr gelöst werden können, gibt es sehr wenige. Eines dieser wenigen Probleme ist die Entwicklung eines offenen Betriebssystems wie Linux. Linux ist als Problem in dem Augenblick entstanden, als Computer in Haushalten und Unternehmungen massenweise weltweit verbreitet waren und die dann die Möglichkeit eröffneten, ein Betriebssystem dezentral zu entwickeln, um eine bessere Datensicherheit zu erreichen, eine Sicherheit, die ja gerade durch die Vernetzung dieser Computer gefährdet wurde. Dazu wurde der Quellcode offen gelegt und jeder hatte mit entsprechendem Know-How die Möglichkeit, ihn zu nutzen. Ohne eine weltweite Vernetzung von Computern hätte sich dieses Anliegen nicht mit großer Dringlichkeit gestellt. Auch könnte man sagen, dass das ganze Hacker Know-How deshalb entstanden ist, weil es durch Probleme, die selbst durch Hacker Know-How hergestellt wurden, Routinen der Behandlung hervorgerufen hat. Bekannt ist daher der Satz: der Computer ist die Lösung für Probleme, die man ohne ihn nicht hätte – eine Einsicht,  die für alle Medieninnovationen gilt.

Von diesen Ausnahmen, die hauptsachlich ein Spezialistentum betreffen, abgesehen, ist das Internet für den größten Teil der Bevölkerung nur eine Optimierungslösung.

Auf der anderen Seite hat die moderne Gesellschaft eine Vielzahl von Problemen erzeugt, die sie nach Maßgabe ihrer üblichen Weise der Behandlung nicht oder nur sehr schlecht, also nur marginal lösen konnte. Dazu zählt die Verbreitung einer Weltsprache, die für jeden Sprecher eine Fremdsprache ist. Esperanto ist eine Plansprache; ist die Erfindung eines Autors, der sich durch Massenmedien ein Sprecherpublikum zusammensuchte und weltweit im Laufe von hundert Jahren einige hunderttausend Sprecher gefunden hat, was, gemessen am Anspruch, eine sehr kleine Zahl ist.

Ich möchte zunächst die Frage beiseite lassen, warum so ein Problem entstehen konnte, warum also eine Plansprache als Weltsprache empfohlen werden konnte, obwohl Englisch als Weltsprache bereits weit verbreitet war. Stattdessen möchte ich es zunächst dabei belassen, die Unterscheidung von Plansprache und Spielsprache einzubringen, eine Unterscheidung, mit der man deutlich machen kann, warum eine Plansprache marginal verbleiben musste und warum eine Spielsprache, die zwar auch sehr unwahrscheinliche Erfolgsaussichten hat, ein geeignetes Problem für die Lösung ist, die das Internet darstellt.

Fortsetzung

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