Innovation: Optimierung der Störung

von Kusanowsky

Der Troll als Ordnungshüter 2, Auszug:

„Wir haben es gegenwärtig mit einem großen Durcheinander zu tun, das dadurch zustande kommt, dass die AGBs der Gesellschaft nicht mehr auf gewohnte Weise funktionieren. … Niemand hat das Internet bestellt oder gekauft, niemand hat es gerufen oder geplant und organisiert. Das Internet ist überflüssig. Und gerade das ist das Besonderes daran. Gerade weil es überflüssig ist, kann es innovativ wirken. Denn es gibt keine besonderen Zwecke, zu deren Erreichung das Internet ein geeignetes Mittel wäre.
Denn alle Zwecke, die man mit dem Internet erreichen kann, sind nichts Besonderes, sondern waren schon bekannt, noch bevor das Internet in Gebrauch kam. Waren und Tickets kaufen, Geld überweisen, Texte, Bilder und Musik verbreiten, Filme aussuchen und anschauen, Leute kennen lernen, telefonieren, Briefe schreiben und Navigation. All das ist nichts besonderes, sondern wird durch das Internet nur optimiert. Optimierung heißt, dass all das vereinfacht, beschleunigt und kostengünstiger wird. Aber mit dieser Optimierung wurde zugleich auch alles andere optimiert, das wir durch Massenmedien immer schon kannten, nämlich auch die massenmediale Störkommunikation. Auch die wurde durch das Internet optimiert. Aber nicht nur die Störung, sondern auch das Informationschaos, die Produktion von Verwirrung und Durcheinander, die ganzen Widersprüche der Gesellschaft werden mit dem Internet ebenfalls optimiert.
Genau das wird auch auch festgestellt, wenn gesagt wird, dass diese Trolle nur Quatsch verbreiten. Ja, sie tun das, was Journalisten bisher schon immer getan haben, aber bislang nur suboptimal. Jetzt allerdings: super optimal, denn jetzt ist die Publizität nicht nur die Sache einer bestimmten Berufsgruppe von wenigen Publizisten. Jetzt ist jeder Mensch ein Publizist. Und es ist gerade diese Optimierungsleistung, die als Verstoß gegen die AGBs der Gesellschaft auffällt.
Niemand kann das verhindern und niemand kann garantieren, dass alles so bleibt wie es ist.“

(Der ganze Text)

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