Kontingenz und Zufall – ein krypto-soziologisches Fundstück

von Kusanowsky

Dieser Vortrag von Konrad Utz ist unter krypto-soziologischen Gesichtspunkten sehr interessant. Ein ethnologischer Feldforscher kann das seltsame Gestammel und Gestotter eines Schamen betrachten, eine Science-Fiction-Autor kann über ferne und fremde Welten fabulieren, ein Theologie kann die Unbegreiflichkeit Gottes erklären, ein Humorist wie Loriot kann den Blick für das Skurrile in witzige Dialoge und eine groteske Szenerie („Krawehel, krawehel„) überführen.
Ein Soziologe hat dagegen ein selbst auferlegtes Handicap: er kann nicht einfach mit Geringschätzung auf das fremdartige Gestammel eines akademischen Philosophen reagieren, erst  recht nicht, wenn es um Kommunikation geht. Der Soziologe hat das Problem, nach einer Unterscheidung zu suchen, mit der man so etwas beobachten kann, was deshalb sehr schwer ist, weil er sich erstens von der Illusion der Nähe und Vertrautheit des Mitgeilten und Dargestellten verabschieden muss und zweitens, weil er sich selbst stets als verwickelt in das bemerkt, worum es geht.
Der Philosoph hat das Problem nicht. Er darf sein Gesabbel unter dem Habitus akademischer Gelehrsamkeit sicher versteckt wissen und kann sich darauf verlassen, dass der Habitus in seiner magischen Performanz dafür sorgt, dass der Zaubertrick der Kommunikation unbemerkt bleibt. Der Philosoph kann sich die Bequemlichkeit leisten, in einer gegebenen Realität vorhanden zu sein, eine Realität, die sich der Ordnung des akademischen Selbstinszenierung nicht widersetzt. Der Philosoph nutzt die Eigenleistung sozialer Ordnung um sich ihrer Beobachtung zu entziehen. Deshalb kann er sein Gestammel als akademische Rede anbieten. Er hat keinen Grund sich zu wundern – die Ordnung richtet sich vorhersehbar ein.