Dirk Baecker: Thesen zum Wandel politischer Grundverständnisse @ImTunnel

von Kusanowsky

Diesen Vortrag von Dirk Baecker möchte ich sehr empfehlen:

Min 18:07. „Jedes Funktionssystem in der modernen Gesellschaft ist gekennzeichnet durch die Überziehung der eigenen Ansprüche.“

Min 19:12: „Gibt es eventuell die Möglichkeit, dasjenige System als das dominante System zu bezeichnen, das die meisten Engpässe für alle anderen produzieren kann?“

Min 28: 20: „Meine Vermutung ist, dass dieses Einfangen von zirkulierenden Machtpotenzialen zunächst durch Demokratien und Aristokratien der Griechen und dann durch das Funktionssystem der Politik in der modernen Gesellschaft nicht mehr funktioniert … und dass überall dort Macht formuliert und genutzt werden kann, wo Willkürchancen auf Willkürchancen treffen.“

Welche Willkürchancen könnten sich eröffnen, wenn man nicht auf Legitimität setzt, sondern auf Verzicht? Was auch, aber nicht nur heißt: Verzicht auf Ansprüche von Legitimität, unter der Bedingung, dass Machtkämpfe empirisch aussichtlos erscheinen. Ich meine die Willkürchance „Verzicht“, die sich ihr Medium gewiss erst suchen muss. Mir scheint, dass die dafür notige Engpaßproduktion in der Übersteigerung,  Überdehnung und Überforderung des Informiertseins liegt. Es ist die Überforderung, Übertreibung, die völlige Entgrenzung von Informationszusammenhängen durch digitale Medien, die auf das Zugeständnis hinausläuft, dass ein Schlecht-, Ungenau- oder Defizitärinformiertsein, dass eine beständige erratische Informationssituation diejenige Ressource darstellt, die eine Verzichtsoption attraktiv macht. Wenn es das Verbot zu verwirren, zu manipulieren, zu lügen, abzulenken nicht mehr gibt, weil es inakzetabel geworden ist, wenn stattdessen ein Recht darauf schon deshalb legitim wird, weil es ohnehin nur noch schlechte Sanktionsschancen gibt, könnte eine entsprechende Verzichtsleitung eine Willkürchance sein.

Eine Verzichtsleistung als Vermeidungsalternative?

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