Gedenkminute für Soziologen

von Kusanowsky

Ich werde heute eine Gedenk- und Schweigeminute für alle Soziologen einrichten, die gerade keine Zeit haben, Kommunikation zu erklären, weil sie irre damit beschäftigt sind, Fördermittelanträge für Forschungsprojekte zu schreiben, in denen es darum geht, Gesellschaft zu erforschen und die, gleichviel, ob diese Anträge durch irgendein heimliches Zufallsverfahren genehmigt werden oder nicht, in einer ausweglosen Situation bleiben müssen. Denn werden die Anträge abgelehnt, dann müssen sie andere Anträge schreiben und haben wieder keine Zeit, Gesellschaft zu erklären. Oder aber die Anträge werden genehmigt, dann haben sie auch keine Zeit Geselschaft zu erklären, weil sie dann Fragebögen verteilen und auswerten müssen. In jedem Fall sind sie beschäftigt, aber sie können niemals erklären, wie ihre Beschäftigung zustande kommt und wie sie funktioniert. Denn wollten sie dies tun, müssten sie erst einmal Fördermittelanträge schreiben …. Ich schweige in tiefer Betroffenheit.