Podcasts: Radio ohne Professionalitäts-Magie 7

von Kusanowsky

zurück / Fortsetzung: Anders als empirische Forscher, die schon wissen, wie man es anfängt, über dieses Podcasting zu reden und zu schreiben, weil es für sie darauf ankommt, ihre akademische Professionalitäts-Magie unter Beweis zu stellen, möchte ich die Unterscheidung von bedürfnisorientierter Nutzung der Masse und erkenntnisorientierter Beurteilung der Wissenschaft ablehnen und würde stattdessen die Betrachtungsweise vorschlagen, dass diese Podcasts mehr als deutlich machen, dass weder Bedürfnis noch Erkenntnis das ist, was dieses Phänomen irritabel macht.
Das kann man leicht feststellen, wenn man sich einige anhört. Es geht mehrheitlich um nichts besonderes; Banalitäten, Albernheiten, Unwichtigkeiten jeder Art bestimmen den Wahrnehmungseindruck, woraus sich folglich die Geringschätzung erklärt, die von denen formuliert wird, die schnell und umstandslos einen Mangel an Professionalität bemerken.

Aber: Was wird denn auffällig, wenn es schlechterdings gar keinen Zweifel gibt, dass dieses Podcasting ohne jede Professionalitäts-Magie auskommt? Kann die Geringschätzung darüber noch das klügste aller Argumente bleiben, wenn sie genauso schnell und einfach kommunikabel ist wie diese Podcasts selbst? Man hat schlechterdings Recht, wenn man erkennt, was jeder dieser Amateure ohne Umschweife zuzugeben bereit ist, wenn man also etwas feststellt, was alle anderen auch jederzeit feststellen können. Diese Podcasts sind größtenteils Schwafelei. Das stimmt. Aber hat man damit etwas Kluges gesagt?
Wer nun annehmen möchte, dass, wo ein anhaltendes Interesse an dieser permanenten Schwafelei zu bemerken ist, die Nutzer offensichtlich ein Bedürfnis nach Banalitäten haben und dass wer glaubt, ein solches Urteil sei nicht selber banal, sondern habe einen ausgezeichneten Erkenntniswert, hat offensichtlich ein Bedürfnis nach Indifferenz hinsichtlich der Dinge, mit denen man sich befasst.
Man erkennt also: man kommt nicht weiter, wenn man die Unterscheidung von bedürfnissorientierter Nutzung und erkenntnisorientierter Beurteilung anwendet. In diesem Fall würde die Faszination für dieses Phänomen in die Inkommunikabilitäten der kritischen Disziplin hineingezogen. Denn die kritische Disziplin hat sehr erfolgreich, insbesondere durch die komplexe Ausdifferenzierung von Massenmedien dafür gesorgt, dass jeder schon immer von etwas überzeugt ist und sich darum nicht so leicht von etwas anderem überzeugen lässt.

Wer also Geringschätzung äußert, kann nur bestätigen, was keiner leugnet und eben daraus ergibt sich die entscheidende Differenz: es geht um den Normalfall massenmedialer Kommunikation, nämlich: die Faszination für Geschehnisse, die woanders stattfinden und von deren Beeinflussbarkeit man ausgeschlossen ist, sobald man einen Sende- oder Empfangsapparat einschaltet.
Die Nutzung und Beurteilung von massenmedialer Kommunikation geschieht nämlich erlebnisorientiert. Sie macht das Seltsame und Ungewohnte, das Unwahrscheinliche und Kuriose auffällig – so kommt die Kommunikation in Gang und sie kann nur in Gang kommen, wenn diese Erlebnisorientierung in der Gesellschaft durch Strukturen vermittelt ist, die eine solche Art der Verwicklung in Kommunikation motiviert.

Massenmediale Kommunikation kann nur Gang kommen, erst recht, wenn sie durch Elektrizität enorm beschleunigt ist, wenn die Gesellschaft eine Weltkontingenz ausbreitet, auf die sie dann selbst strukturell reagieren muss, heißt: die Gesellschaft setzt sich selbst einem Druck aus, der Lernen und Forschen notwendig macht, inklusive aller bekannten schlechten Erfahrungen, die die Gesellschaft mit massenmedialer Kommunikation machen muss, wenn Lernverweigerung geschieht, was genauso wahrscheinlich ist wie das Gegenteil.
Dieses Sender- und Empfänger-Modell musste bislang immer damit auskommen, dass es, weil es die Bedingung der Möglichkeit für massenmediale Kommunikation unterdrückte, es also ein Nichtwissen über das Zustandekommen der Kommunikation reproduzierte, ständig irgendwelche paranoischen Fiktionen behandelte, um sie durch Kommunikation sozial standardisierbar zu machen.
Das Nichtwissen kann man an den Fragen erkennen, die sich stellen, sobald die Kommunikation gelingt, weshalb es logischerweise auch empirische Erforschung von Massenmedien gibt. Weil man in dem Augenblick fast nichts mehr darüber weiß, was geschieht, wenn massenmediale Kommunikation geschieht, gibt es viele Fragen. Eingangs war davon schon die Rede.

Aber nicht nur Sender und Empfänger werden aufgrund des Nichtwissens für einander zu paranoischen, aber sozial standardisierbaren Fiktionen, sondern im Prinzip alles, was sich als Problem ergibt, wenn man sich auf die Lösungen, gemeint sind damit die Routinen massenmedialer Kommunikation einlässt, die Massenmedien bereit stellen.

Fortsetzung

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