Vortrag (abgelehnt): Medieninnovationen und der Prozess ihrer Problemerfahrung

von Kusanowsky

Für die Tagung: Das umkämpfte Internet beim Magdeburger Theorieforum am 3. und 4. Juli 2015 wurde folgender Beitrag vorgeschlagen und abgelehnt.

Medieninnovationen und der Prozess ihrer Problemerfahrung

Ein Beitrag zum CfP „Das umkämpfte Internet“ von Gerhard Müller, Köln

Wenn man einen Blick auf Geschichte und Entwicklung von zurückliegenden Medieninnovationen wirft, wird man feststellen, dass die Einführung des Internets und die Ausbreitung digitaler Datennetze nach dem Muster aller bisherigen Innovationen verläuft.1 Der Beginn einer Innovation liegt in der Befassung mit neuen technischen Möglichkeiten von wenigen Experten, eine Befassung, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg immer aufwändiger und komplexer gestaltet und die auf diesem Wege den Kreis der Beteiligten langsam erweitert bis zu einem Punkt, an dem auch Nichtexperten in die Ausbreitung dieser Technologie verwickelt sind.

An dieser Stelle machen sich gewöhnlich viele Rechtsverstöße bemerkbar und neue rechtliche Probleme werden aufgeworfen. Außerdem werden neue Geschäftsfelder entdeckt und neue Fragen gestellt, die weit über technische, juristische und ökonomische Angelegenheit hinaus gehen. Daraus ergeben sich Abwehrreaktionen, z.B. als Schundkampfrituale2, die funktional dazu beitragen, den gesellschaftlichen Problemerfahrungsprozess zu provozieren.
Ein nächster Schritt besteht in der Professionalisierung durch Einrichtung neuer Berufe, einschließlich neuer Ausbildungen und der Eröffnung von entsprechenden Bildungswegen. Und sobald sich diese Zusammenhänge im ökologischen Bedingungsgefüge der Gesellschaft restabilisieren, meldet sich eine weitergehende Innovation an, die nach ähnlichem Muster verläuft.3

Für die angekündigte Tagung schlage ich einen Beitrag vor, der im ersten Schritt diese Zusammenhänge rekapituliert. Im zweiten Schritt soll gezeigt werden, wie die Entwicklung des Internets bis heute genau diesem Muster entspricht.

In einem dritten Schritt möchte ich die skeptische Frage aufwerfen, ob mit dem Internet tatsächlich nur ein Modernisierungsprozess verbunden ist, der mit bekannten Verfahren der Krisenbewältigung hinreichend beschrieben und gemeistert werden kann, oder ob sich Ansätze finden, die wenigstens die Frage zulässig machen, ob und inwiefern die bekannten Mechanismen der Krisenbewältigung durch die Innovation des Internets selbst in die Krise geraten und damit fraglich werden.

1Sehr kenntnisreich ist dazu ist: Stöber, Rudolf: Neue Medien. Geschichte. Von Gutenberg bis Apple und Google – Medieninnovation und Evolution. Bremen 2013.

2Maase, Kaspar: Der Schundkampf-Ritus. Anmerkungen zur Auseinandersetzung mit der Mediengewalt in Deutschland. In: Brednich, Rolf W. und Walter Hartinger: Gewalt in der Kultur. Band II. Passau 1993, S. 511 – 524.

3Siehe dazu: Dogruel, Leyla: Eine kommunikationswissenschaftliche Konzeption von Medieninnovationen. Begriffsverständnis und theoretische Zugänge. Wiesbaden 2013, besonders S. 74 f. Und: Schmid, Ulrich: Elektronische Medieninnovation: Zum Erfolg und Scheitern medienkultureller Alternativen der 70er, 80er und 90er Jahre. Berlin 1997.

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