Luzide Träume. Ein Vortrag von @steeph_k im @RaumZeitLabor cc @Mandelbroetchen

von Kusanowsky

Hier ein Vortrag von @steeph_k über das Phänomen des luziden Träumens.

Kommentieren möchte ich diesen Vortrag ab der Stelle 10: 34 Min. Ab dieser Stelle geht es um den Nachweis, dass es luzides Träumen tatsächlich gibt und wie der Nachweis im Schlaflabor erbracht wird.

Dieser Punkt betrifft ein ganz bekanntes und dringliches Problem der Wissenschaft, nämlich das Problem der Referenzierbarkeit, der Nachweisbarkeit. Wie kann man beweisen, dass es so etwas wie luzide Träume tatsächlich gibt, wenn man das aus eigenem Erleben eindeutig erkennt, aber auf nichts zeigen kann, das einem „Klartraum“ entspricht? Denn außerhalb des eigenen Bewusstseins gibt es nichts, was dem entspricht, was innerhalb des Bewusstseins vor sich geht. In einem Bewusstsein folgt nur ein Gedanke auf den nächsten. Aber außerhalb des Bewusstseins gibt es nichts, was einem Gedanken entpricht. Gedanken verlassen das Bewusstsein nicht. Die Realität von Gedanken und ihres sinnhaften Erlebens ist keine soziale Realität.

Die Frage betrifft die Kommunikabilität des Problems. Wie fängt man an, darüber zu reden, wenn man nicht wissen kann, ob andere so etwas aus ihrem eigenen Erleben auch kennen? Entsprechend stehen der Kommunikabilität viele Hürden entgegen. Ein Hürde, die auch genommen werden muss, wenn man Klartträume nachweisen will, besteht in der Intimität der Schalfsituation. Ein Probant muss die Bereitschaft haben, sich beim Schlafen für andere, für einen Wissenschaftler beobachtbar zu machen. Ein Probant muss zulassen, dass andere über ihn etwas wissen können und dürfen, für das er selber Anlässe liefert, ohne selbst eine Möglichkeit zu haben, Bedingungen zu stellen. Er muss gleichsam die Bereitschaft haben sich wie ein Tier, eine Ratte im Labor behandeln zu lassen. Das ist eine sehr ernstzunehmende Hürde. Und die Frage ist: wo kommt das Vertrauen her, das einen Probanden dazu bringt, sich auf so etwas einzulassen?

Meine Vermutung ist, dass so etwas nur durch Technik geht, also nur dann, wenn die Verwicklung in den technischen Apparat nicht nur für den schlafenden, sondern auch für den wachenden Beobachter gilt. Der technische Apparat ist so komplex und kompliziert, dass dieser Apparat mehr Aufmerksamkeit und Bemühungen um Kontrolle absorbiert als ein menschlicher Körper. Man könnte auch sagen: es handelt sich um eine Vertrauensituation, die durch Technik provoziert wird, gerade weil sie es ermöglicht, dass Menschen und ihr unvermeidliches körperliches Reagieren aufeinander weniger relvant sind als die Beachtung von Anweisungen, die durch die Technik vorgegeben werden.

Dieses Beispiel zeigt, was die soziale Leistung von Technik ist. Mit Technik kann leichter kommunikabel und damit sozial standardisierbar werden, was ohne sie leicht als Blödsinn, dummes Zeug, esoterischer Schwachsinn oder religiöser Wahn verstehbar gemacht werden kann. Technik ist ein Medium der Offenbarung, der Aufdeckung, ein Medium der Breifreiung aus Inkommunikabilität.