„Meinungspornografie“ 2

von Kusanowsky

zurück /Fortsetzung: Erotik und Pornografie verhalten sich dieser Überlegung nach zueinander komplementär, weil sie durch die Unterscheidung aufeinander beziehbar sind und infolgedessen für einander erkennbar werden. Daher kommt auch die ständige Verwechselung von Erotik und Pornografie. Es reicht nicht, die Veränderung von Geschmacksfragen dafür verantwortlich zu machen, weil ja bei aller unleugbaren Veränderung von Geschmacksfragen die Verwechselung von Erotik und Pornografie nicht nachlässt. Denn bei aller gestiegenen Freizügigkeit, was die Visualisierung von Erotik und Pornografie angeht, ist die Unterscheidung bislang nicht überflüssig geworden. Was auch immer man sehen kann und wie immer man Geschmacksfragen beantworten will: die Unterscheidung ist nicht so leicht aus der Welt zu schaffen wie eine Beharrung auf irgendwelche Definitionen.
Das führt zu der Überlegung, dass es nicht allein darauf ankommen kann, was Erotik und was Pornografie ist, sondern wie man die Verwechselung und Vertauschung erklären kann. Und es mag in diesem Zusammenhang vielleicht der Gedanke hilfreich sein, dass die Unterscheidung von Erotik und Pornografie nicht zuerst und allein auf Sexualität beziehbar ist. Man müsste sich stattdessen fragen, warum Sexualität durch Verwendung dieser Unterscheidung prominent vorkommt. Der Grund könnte sein, weil zwar nicht nur Sexualität, aber spätestens Sexualität daran erinnert, dass es etwas gibt, das durch Kommunikation zivilisatorisch nicht konditionierbar ist. Sexualität ist nicht zivilisierbar, lässt sich nicht in das zivilisatorische Programm der Gesellschaft einsortieren

Die Unterscheidung von Erotik und Pornografie ist, weil sie in kein Schema der Rationalität einzusortieren ist, virulent erratisch.

Fortsetzung

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