Kommunikationspathologien im Internet bei @latent_de

von Kusanowsky

Bei Latent.de findet man einen längeren, aber lehrreichen Artikel über Kommunikationspathologien, den ich allen, die sich mit meinen Überlegungen zu diesem Thema befassen, sehr empfehlen möchte. Ich muss nicht darauf hinweisen, dass diese Empfehlung etwas mit einer zustimmenden Meinung meinerseits zu tun hat. Dieser Hinweis ist besonders deshalb überflüssig, weil er auch nichts mit einer ablehnenden Meinung zu tun hat. Wenn dieser Hinweis aber trotzdem verstanden werden könnte, dann liegt das daran, dass niemand genau weiß, was von anderen verstanden wurde. Woher sollte dass irgendwer wissen?

Interessant an diesem Artikel ist nicht eine Meinung, sondern das verwendete Unterscheidungskonzept. Entweder handelt es sich dabei um die Unterscheidung normal/deviant, gesund/pathologisch oder normal oder gesund/deviant oder pathologisch. Man weiß es nicht. Eine Zuordnung von Information und Mitteilung ist nicht so leicht vorzunehmen, aber ganz unmöglich ist sie auch nicht.

Kommunikationspathologien im Internet entstehen also nicht, weil auf einmal Menschen mit einander kommunizieren, die sonst nicht miteinander kommunizieren würden oder weil man vorher gar nicht weiß, mit wem man kommunizeren wird, d. h. wer auf die eigenen Kommunikationsangebote in Form von Posts, Beiträgen, Kommentaren etc. reagieren wird. Denn die Kommunikation mit Unbekannten ist keineswegs etwas neues, sondern fand immer schon statt, spätestens seit der Nutzung von Fern-Kommunikationsmedien wie Briefe, Telegramme und Telefon. Auch da gab es bzw. haben sich Regeln bzw. Umgangsformen entwickelt, die eben die Ursachen für Pathologien möglichst unwirksam machen sollen. Kommunikationspathologien im Internet entstehen, weil das Medium wichtige Nebenkommunikationskanäle blockiert und zugleich durch seine Schnelligkeit dem Nutzer suggeriert, er kommuniziere auf eine ihm vertraute Art und Weise, bei der diese vorhanden sind, er ihre Inhalte darum sebsttägig ergänzt und sich dementsprechend verhält.