Homosexualität ist nicht normal!
von Kusanowsky
Ist Heterosexualität (ersetze: Individualität, Exklusivität, Komplexität, Seriösität, Extremität, Visualität) eigentlich normal? Eine logische Beschäftigung mit einem solchen rhetorischen Anliegen eröffnet mindestens drei Antwortmöglichkeiten, welche lauten: Ja, nein und vielleicht. Alle drei Möglichkeiten sind in logischer Hinsicht plausibel, aber nur eine Antwort liefert für die Kommunikation eine besondere Erschwernisbedingung für ihre Forsetzung, nämlich die Antwort: Ja.
Denn: was sollte man noch sagen, wenn Irritabilität (ersetze: Spontaneität, Superiorität, Intensität, Stabilität) normal wäre? Was wäre über das Normale noch zu sagen, wenn das Normale normal wäre? Was könnte man über Normalität (ersetze: Inklusivität, Objektivität etc.) noch sagen, wenn sie das wäre, was sie in rhetorischer Hinsicht sein sollte? Über die Normalität der Normalität hat noch nie einer ein Wort verloren.
Über das Normale, das Selbstverständliche, das Nichtandersmögliche kann man nichts anderes sagen als das, was man dann nicht mehr sagen kann, weil man nicht wüsste was. Und wenn die Kommunikation doch weiter geht, dann lässt das auf einen Beobachter schließen, der noch etwas anderers als das, was er bezeichnet, von dem unterscheidet, was er durch Unterscheidung und Bezeichnung zum Gespräch anbietet. Aber was? Was auch immer, jedenfalls nichts, das mit dem als normal Bezeichneten identisch wäre. Denn andernfalls wäre nicht erkennbar, was man dazu noch sagen sollte.
Wenn aber dennoch etwas gesagt wird, dann heißt das, dass Heterosexualität nicht normal ist, auch dann nicht, wenn man ihre Normalität behauptet. Ersetze Heterosexualität durch Impulsivität, Explosivität, Neutralität oder Homosexualität und wir kommen in jedem Fall zum selben Ergebnis: Was auch immer normal oder nicht normal ist: mindestens die Fortsetzung der Kommunikation ist normalerweise nicht normal, auch dann, wenn Homosexualität normal sein sollte.
Ergo: Homosexualität ist nicht normal. Auch dann nicht, wenn es so ist.
„Na, das war ja einfach“,
sagt der Mensch
und beweist, weil’s gerade so schön war,
dass schwarz gleich weiß ist,
und kommt wenig später auf einem Zebrastreifen ums Leben.
(Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis)
Vielleicht kann man den Begriff der Information (ein Unterschied, der einen Unterschied macht, bzw. den Begriff der überaschenden Neuheit: Information ist was überrascht, was einen Unterschied (zum Erwartbaren) macht.), vielleicht kann man den Begriff eine Strecke lang parallel zum Begriff Unnormales (im Unterschied zum Normalen) legen. Normales ist der erwartbare, nicht überraschende, uns sozuagen im eigenen Saft schmoren lassende, Flow der Dinge. Während das Unnormale, irritierende uns entsprechend relativ zu unserer Geschichte Information anbietet. Über das Normale in dem Sinne könnte man zumindest sagen, dass es im Uninformierten belässt. Dass es eher nicht zum Lernen einläd und dass es im Prinzip das Unnormale ist, das uns Information offeriert. Da ist also mindestens ein Beobachter… und was er zum Gespräch anbietet? Sich selbst in Unterscheidung zu Dir. Und das ist natürlich perfekt und allgegenwärtig normal. Trotzdem ist erkennbar was noch dazu gesagt werden könnte.
Und Deinem Beitrag folgend ist nun überaschenderweise also weder Sexualität, Impulsivität, Explosivität, Neutralität, noch überhaupt irgendetwas, weder das Normale noch das Unnormale normal. Nichts ist normal. Nicht das normale Unnormale und nicht das unnormale Normale.
Es ist.
Es ist nicht.
Es ist vielleicht.
Es ist Orientierung.
Alles ist Information.
Normal ist, was Reproduktion ermöglicht.
Der Schluß gefällt mir … 🙂
Hallo Klaus!
Weil ich gerade Deinen Post zu „Homosexualität und Fußball“ gelesen habe… Passend zur „Normalität-Abweichung“-Problematik wäre hier die Frage nach den sog. Modalmedien. Uli Reiter hat diese (im Anschluß an P. Fuchs) ausgearbeitet.
Siehe dazu sein neues Buch „Form und Funktion des Krankhaften: Pathologie als Modalmedium“
http://www.psychosozial-verlag.de/catalog/product_info.php/products_id/2545
Ich sitze gerade an einer Rezension dazu. Diese soll in den nächsten Tagen auf Tom Levolds Blog „systemagazin“ erscheinen.
Nice WE
Pierre