Regieanweisungen, Beobachtungsprobleme

von Kusanowsky

(Ein Stückeschreiber schreibt Theaterstücke mit Regieanweisungen, die von der Regie exakt befolgt werden müssen. Andernfalls drohen empfindliche Strafen.)

Die Bühne ist nicht zu sehen.

Ein Zuschauer kann die Bühne sehen, der Zuschauer kann das nicht.

Die Bühne ist ein Zuschauer

Es gibt keinen Vorhang, den man nicht sehen kann.

Auf der Bühne ist alles zu sehen, was man sehen kann.

Alles, was man auf der Bühne sehen kann, ist nicht real.

Alles, was man auf der Bühne sehen kann, ist bedeutungslos.

Auf der Bühne ist etwas Normales zu sehen, das ungewöhnlich aussieht.

Auf der Bühne sind verschiedene Dinge zu sehen, von denen manche gleich aussehen.

Die Bühne ist eine Fiktion.

Die Bühne ist weder hell noch dunkel.

Alles, was man auf der Bühne sehen kann, kann man genau sehen.

Einige Dinge, die man auf der Bühne sehen kann, sind undeutlich zu sehen, die meisten davon sind eindeutig rot.

Die Bühne ist sichtbar, hat aber keine Bedeutung.

Alles, was auf der Bühne geschieht, geschieht selbstverständlich.

 

Ein Mensch betritt die Bühne.

Ein Mensch betritt die Bühne ohne, dass etwas geschieht.

Ein normaler Mensch betritt die Bühne.

Kein normaler Mensch betritt die Bühne. Er hat sich wie ein normaler Mensch zu verhalten.

Kein Mensch betritt die Bühne. Keiner soll das bemerken.

Ein Mensch betritt die Bühne, der ein Schauspieler ist.

Ein Schauspieler betritt die Bühne, der kein Mensch ist.

Ein schlechter Schauspieler betritt die Bühne. Er soll einen guten Schauspieler spielen.

Ein Mensch betritt die Bühne und täuscht schauspielerisches Talent vor.

Kein Schauspieler betritt die Bühne.

Zwei Menschen betreten die Bühne. Einer von beiden ist ein Schauspieler.

Zwei normale Menschen betreten die Bühne. Einer von beiden hat seinen Kopf oben, der andere hat einen Kopf.

Zwei Menschen betreten die Bühne. Der eine ist bedeutungsvoll, der andere ist ein bedeutungsloser Schauspieler, der sehr gut spielen kann.

Zwei Menschen betreten die Bühne. Einer ist sichtbar, der andere ist nicht unsichtbar.

Zwei Menschen betreten die Bühne. Einer trägt Kleidung, der andere ist verkleidet.

Ein Mensch, der sich als Mensch verkleidet hat, betritt die Bühne.

Ein Mensch, der sprechen kann, betritt die Bühne. Niemand soll das bemerken.

Ein Mensch, der nicht sprechen kann, betritt die Bühne. Niemand soll das bemerken.

Kein Mensch betritt die Bühne. Jemand soll das bemerken.

Ein Schauspieler, der diese Regieanweisung nicht versteht, betritt die Bühne.

Zwei Menschen betreten die Bühne. Einer ist als normaler, der andere ist als seltsamer Mensch verkleidet.

Drei Menschen betreten die Bühne. Sie glauben, dass sie zu viert sind; sie reden darüber nicht.

Vier Menschen, die nur bis drei zählen können, betreten die Bühne.

 

Die Bedeutung der Szene kann nur ein Zuschauer verstehen.

Die Bedeutungslosigkeit der Szene können fast alle Zuschauer verstehen.

Die Zuschauer sind auf der Bühne zu sehen.

Die Zuschauer wissen nicht wo die Bühne ist.

Die Zuschauer können den Zuschauer nicht sehen.

Ein Zuschauer kann den Zuschauer sehen.

Der Zuschauer kann sich nicht sehen.

Ein Zuschauer, der ein Mensch ist, lacht.

Ein anderer Zuschauer ist kein Mensch, der nicht sprechen kann.

 

Das Theaterstück muss erfolgreich sein.