Die Überwachung kann man nicht beenden #rp15

von Kusanowsky

Die Überwachung kann man nicht beenden. Wie soll das gehen? Jeder erinnert sich an die Blödelei von Ronald Pofalla, der mit der Aussage auffällig wurde, dass die Überwachungsaffäre beendet sei. Logisch, auf dem Wege einer anschlussfähigen Mitteilung kann man eine Sache nicht beenden, erst recht nicht, wenn sich die Anschlussfähigkeit durch eine Struktur ergibt, die auf die Relevanz der Sache aufmerksam macht. Niemand kann eine Diskussion durch ihre Fortsetzung beenden. (Und niemand kann ein Gerücht dadurch aus der Welt schaffen, dass es dementiert wird. Denn durch das Dementi wird es wiederholt.)

Interessant ist deshalb der beobachtbare Fall, dass dies dennoch versucht wird. Wie ist das möglich? Aber lassen wir diesen Punkt beiseite.

Nicht nur die Überwachungsaffäre kann niemand beenden, auch die Überwachung kann von niemandem beendet werden. Denn was geschieht, wenn irgendwer, ein Regierungschef, ein Minister, ein Pressesprecher, ein Geheimdienstchef oder wer auch immer die Überwachung für beendet erklären sollte? Wird man jubeln? Werden die Kämpfer gegen die Überwachung in Siegestaumel ausbrechen? Werden die Kämpfer ihre bekämpften Gegner milde behandeln? Wer wäre zufrieden, wenn die Überwachung von wem und wann auch immer für beendet erklärt werden würde? Ich vermute, man würde das selbe Gelächter und selben Spott hören, der nach der Pofalla-Blödelei zu vernehmen war. Wer soll das denn glauben? Das Gelächter und der Spott informieren darüber, dass die Angst vor der Überwachung so groß nicht ist. Denn ich jedenfalls habe noch nie Freude über fortgesetzte Angst empfunden. Vielleicht bin ich, was diesen Punkt angeht, ganz anders als alle anderen. Dass die Mehrheit sich über ihre Angst freuen könnte, habe ich noch niemals genauer betrachtet.

Daraus folgt: Mit der Überwachung ist es wie mit Radioaktivität. Ist die Paranoia erst einmal freigesetzt, kann sie mit keinem Mittel wieder eingefangen werden, weil niemand verlässliche Beweise für das Ende der Überwachung vorlegen kann; erst recht nicht, weil durch die zuständigen Stellen jedes Vertrauen in ihre Zuverlässigkeit zerstört wurde.

Aber die aufrichtigen Bekämpfer der Überwachung können sich von der Unmöglickeit der Beendung der Überwachung nicht beeindrucken lassen. Sie machen einfach weiter. Der Grund ist ihre Indifferenz gegen die Bedingung der Möglichkeit, die Überwachung zu beenden. Das bedeutet, dass auch die Bekämpfer der Überwachung von selben Paranoia infiziert sind. Die Infektion spricht sich gerade in ihrer Indifferenz aus. Ihnen ist egal, worin sie in der Haltung mit den Überwachungsorgansationen übereinstimmen. Denn auch die Überwacher werden immer weiter machen, weil sie gleichermaßen von der Paranoia eingefangen sind.

Bei Interesse: Die Paranoia ist freigesetzt und: Wie das Internet unsere Paranoia verändert

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