soziale und parasoziale Beobachtung, eine Frage @frachtschaden
von Kusanowsky
Meine Frage ist, ob es für folgendes Beobachtungsproblem ein quantentheoretische Experimentalproblem gibt.
Auf einer enorm weiten, ganz ebenen Fläche stehen sich zwei Beobachter frontal gegenüber und schauen sich gegenseitig an. Dabei handelt es sich, auch wenn sie sonst nichts anderes tun als sich anzuschauen, um ein soziales Interaktionssystem, das durch Kommunikation unter Anwesenden reproduziert wird. Es reicht allein die Anwesenheit, bzw. die Wahrnehmung der Anwesenheit des anderen, bzw. die Wahrnehmung, dass ein anderer den anderen als Wahrnehmenden beobachtet. Es reicht für diese sehr informationsarme Interaktion die gegenseitige Unterstellung von psychischer Selbstreferenz; und es reicht, dass gegenseitig unterstellbar ist, dass dies unterstellt wird, also: basale, soziale Selbstreferenz.
Nun entfernen sich die beiden Beobachter rückwärtslaufend von einander. Das heißt, sie vergrößern den Abstand zwischen sich, ohne sich dabei aus dem Blick zu verlieren. Der Unterschied zur Stillstandsituation ist nur, dass die Rückwärtsschritte von diesem Kommunikationssystem als Handlung beobachtbar gemacht wird, so dass die Rückwärtschritte eine doppelte kontingente Koordination von Handlung sind. Ansonsten verbleibt auch dieses System informationsarm.
Je größer nun der Abstand wird, um so schlechter funktioniert für beide die Wahrnehmung, das sie als Wahrnehmende wahrgenommen werden. Irgendwann ist der Abstand so groß, dass beide gar nicht mehr wissen können, ob sie vom anderen noch wahrgenommen werden oder nicht. Es gibt nun keinen eindeutig bestimmbaren oder messbaren Punkt, von dem aus erkennbar würde, dass keine Kommunikation mehr funktioniert; und es gibt auch keinen Punkt, der das Gegenteil erkennbar machen könnte. Es gibt beim Übergang von sozialer Beobachtung zum Zerfall des Kommunikationssystems nur irgendeine, nicht näher bestimmbare Phase der parasozialen Beoachtung, also irgendeine Phase, die durch den Unterschied von „noch-nicht“ und „nicht-mehr“ bestimmt ist, also irgendeine unbestimmbare Beobachtungssituation, die besagt, dass die Kommunikation noch nicht unterbrochen ist oder nicht mehr funktioniert. Dasselbe kann man sich natürlich auch vorstellen, wenn die Beobachter aus großer Entfernung auf einander zu gehen.
Siehe dazu auch: dämonischer Schreck
Ein grundlegendes Prinzip aus der Quantenfeldtheorie, das mir damit in Verbindung zu stehen scheint, ist das „cluster decomposition principle“:
http://en.wikipedia.org/wiki/Cluster_decomposition_theorem
(Der erste Absatz benennt bereits alles Wesentliche.)
Das fällt mir so spontan dazu ein, ich denke aber noch weiter darüber nach. Es scheint mir generell schwierig, für Szenarien, in denen Kommunikation eine Rolle spielt, eine Entsprechung in der Physik zu finden.
Du meinst nicht, dass das nur eine Frage der Kongruenz von Selektionen ist, die beobachtungsstrukturell Ähnlichkeiten und Vergleichbarkeiten zulassen?
In deinem Szenario geht es darum, dass mit zunehmendem Abstand die Wechselwirkung schwächer wird. Wenn man für solche Szenarien Kongruenzen in der Physik finden möchte, muss man nicht zur Quantenmechanik übergehen, das findet man bereits in der klassischen Physik, z. B. bei der Gravitation oder der Elektrostatik. Meine Frage lautet dann: warum ein spezifisch quantenphysikalisches Experimentalproblem?
Es geht nicht um Wechselwirkung, sondern um strukturelle Koppelung von drei Beobachtungssystemen; und es geht auch nicht um die Wirkungen von Kräften. Es geht um die Ermittlung (Messung) von Sinn-Differenzen, bzw. um eine Differenz zwischen nicht mehr/noch nicht und um die Frage der Erwartbarkeit der Fortsetzung des Beobachtetwerdens.